Mind Springs
Klagenfurterin will mit KI-Psychotherapie international durchstarten
- Die Klagenfurterin Diana Schaffer hat Mind Springs gegründet. Die App soll Menschen mit psychischen Erkrankungen nachhaltig helfen.
- Foto: Fotocollage: Canva/ShootingFactory/terovesalainen - stock.adobe.com
- hochgeladen von Mag. Stephan Fugger
Die Psychologin Diana Schaffer hat mit einem amerikanischen Entwickler "Mind Springs" gegründet. Das Serenity als Life-Coaching-Tool soll Menschen mit Angststörungen, Trauma, Depressionen, Burnout oder ähnlichem mittels KI (Künstlicher Intelligenz) aus der Krise helfen – und das ganz ohne Wartezeiten. Im Gegensatz zu einer einzelnen Sitzung halten sich die Kosten für die App in Grenzen. Die Entwickler betonen, dass ihre Anwendung nicht nur Soforthilfe schafft, sondern auch langfristig Linderung bringen kann.
KLAGENFURT. Die KI (Künstliche Intelligenz) dringt in alle Lebensbereiche ein – selbst in die Psychotherapie. "Einen Menschen – die Wärme, den persönlichen Kontakt, die Herzlichkeit – das kann und soll eine KI nicht ersetzen", sagt die Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin Diana Schaffer.
Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet sie in ihrer Privatpraxis in Klagenfurt und Wien mit Menschen, die unter Angststörungen, Trauma, Depressionen, Burnout und Sucht leiden. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Traumatherapie.
Lange Wartezeiten
Schaffer kennt aber eine schwerwiegende Problematik: "Wartezeiten von drei bis sechs Monaten auf einen Therapieplatz, Kosten, die sich viele nicht leisten können, das Stigma, das noch immer auf psychischen Problemen lastet, und ganz schlicht die Logistik des Alltags: der richtige Termin, der passende Therapeut, die Überwindung, den ersten Schritt zu machen".
KI als Begleiter
Sie stellte sich die Frage: "Wenn ich einer menschlichen Kollegin beibringen kann, so zu arbeiten, könnte man das nicht auch einer KI beibringen? Nicht um den Menschen zu ersetzen, sondern um Betroffenen sofort Hilfe zu bieten." Ihr Ziel: akute Symptome nicht nur zu lindern, sondern "gezielt an den formativen Erinnerungen zu arbeiten, die das Hier und Jetzt prägen, die Angst machen und Lebensqualität kosten."
Mind Springs
So kam es dazu, dass sie mit dem Co-Founder und technischen Geschäftsführer Anton Vattay aus Virginia, einem KI-Ingenieur, Mind Springs entwickelte. "Zu Beginn positionieren wir Serenity als Life-Coaching-Tool. Mithilfe systematischer Evaluation der Ergebnisse hoffen wir jedoch, langfristig in den USA eine behördliche Zulassung als digitales Gesundheitsprodukt zu erlangen", sagt Schaffer. Der Firmenname Mind Springs steht für "Quellen für den Geist". Ihr erstes Produkt heißt Serenity, was Gelassenheit und innere Ruhe bedeutet.
Mehr als ein Chatbot
Laut Schaffer handelt es sich bei Serenity um keinen gewöhnlichen KI-Chatbot. "Hinter Serenity steckt eine durchdachte technische Architektur mit sehr viel Kontrolle und Struktur, die Sicherheit, Datenschutz und Wirksamkeit gewährleisten soll." Was Serenity von vielen anderen Wellness-Angeboten unterscheidet: Das System leistet nicht nur Soforthilfe, sondern erhebt strukturiert die Probleme des Nutzers, leitet anhand der Lebensgeschichte und früheren Erfahrungen ab, woher die Beschwerden vermutlich stammen und bearbeitet dann diese zugrunde liegenden Erinnerungen gezielt und strukturiert.
Sanfte Veränderung
Die Basis von Serenity bildet die Image Transformation Therapy (ImTT), die von Dr. Robert Miller entwickelt wurde. Miller arbeitete mit Soldaten, die aus dem Irak und Afghanistan mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zurückkehrten. Die Methode nutzt eine Atem-Visualisierungstechnik, um belastende Erinnerungen sanft zu verändern, ohne sie erneut durchleben zu müssen. Serenity ist in drei Phasen aufgebaut: Im Erstgespräch werden Probleme, Symptome, Kraftquellen und Lebensgeschichte evaluiert und das System erstellt einen personalisierten Trainingsplan. Die zweite Phase besteht aus einer Coaching-Sitzung mit ImTT und EMDR (Augenbewegungs-Desensibilisierung und Verarbeitung). In der dritten Phase werden Fortschritte analysiert.
Die Kosten
Der Pilot von Serenity startet am 15. April. Alle Interessierten können sich auf www.mindsprings.ai registrieren und die App sechs Wochen lang nutzen – mit allen Funktionen: KI-Assessment, geführte Sitzungen per Text oder Sprache, Fortschritts-Tracking und Begleitung durch das System. Die Kosten betragen 30 Euro. "Das fertige Produkt wird 39 bis 49 Euro pro Monat kosten. Verglichen mit einer einzigen Traumatherapie-Sitzung, die zwischen 150 und 250 Euro kostet, ist das wenig", sagt Schaffer.
Mehr aus der Region
Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.