Langenloiser Herbst:
Fiasko am Würstelstand mit Happy End
- hochgeladen von Manfred Kellner
MANFRED KELLNER
LANGENLOIS Ein Austropop-Kabarett zu sein, versprach das Zwei-Personen-Stück „Brieffreundschaft+“, das Mitte November 2024 im voll besetzten Arkadensaal gezeigt wurde, doch da musste das Kind wohl einfach einen Namen haben. Ein „Hit-Musical“ hätte es vielleicht besser getroffen, mit einer „Beziehungskisten“-Handlung unter Tinder-Bedingungen, mit allem, was offenbar dazugehört.
Flucht in die schillernde Tinder-Welt
Und das war überaus gut gemacht: Da waren Ingrid Diem und Dominik Landolt in den Rollen der beziehungsfrustrierten Ingrid und Domenik, ihr jeweiliges, schon skurriles Leben allein, die Flucht dann aus der tristen Wirklichkeit in die schillernde Tinder-Welt mit hochgetunten Fotos und nicht nur leicht geschönten Angaben zur Person, die Angst deshalb vor einem persönlichen Treffen, und der Zusammenbruch einer monatelangen Telefonbeziehung, als es dann doch zum persönlichen Begegnung an der Würstelbude kommt. Kann es da noch ein Happy End geben?
Happy Music und tolle Texte
Happy Music gab es jedenfalls den gesamten Abend: Viele Austropop-Songs, aber auch sonstige Hits und andere Lieder. Die waren allesamt mit neuen, tollen Texten versehen – oft überraschend nah an den ursprünglichen Strophen, manchmal aber auch weit davon entfernt – und beleuchteten auf ihre Art die Handlung, Wünsche und Begierden des Fast-Paares, dessen Gefühlswelt. Das war nicht nur großartig gemacht, das wurde auch großartig gesungen von Ingrid Diem und Dominik Landolt - oft mit Unterstützung des Publikums, das sich über bekannte Melodien immer freute und dann gern auch einstimmte.
Bummerl und glückliche Wendung
Da erklang dann „Mein Tinder geht nicht, mein Tinder ist kaputt“, „Barbara war ein Hawara“, „Macho, Macho“, natürlich auch „Die Blume aus dem Gemeindebau“ und „Märchenprinz“, „So ein Mann, so ein Mann“, „1000-mal belogen“, „Bodo mit dem Bagger“, „Junge Männer“ sowie viele, viele andere Lieder, die witzig und intelligent in die Handlung eingebaut waren. Selbst „Einer hat immer das Bummerl“ erlebte dort seine Wiederauferstehung …
Am scheinbaren Ende des Stücks, nach dem Scheitern des ersten persönlichen Treffens, blickte Dominik Landolt nachdenklich ins Publikum und sinnierte: „Das kann ja nicht das Ende sein? Sie haben schließlich bezahlt, da können wir Sie ja doch nicht in dieser depressiven Stimmung nach Hause schicken!“ und fragte, was er denn machen solle. Das Publikum: „Telefonieren!“ Und so griff er zum Telefon, versöhnte sich mit der nur scheinbar zaudernden Ingrid – und diese glückliche Wendung beendet das Fiasko vom Würstelstand.
Mit Rainhard Fendrichs „Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk“ im Originaltext gaben Ingrid Diem und Dominik Landolt eine beeindruckende Zugabe – obwohl: „Herz wia a Laufwerk“ hätte doch auch gepasst, „weu ma warm wird, wenn do wischt“ oder „Weu ma ewich Tinder bleim, nua mit Di“.
Bilder aus dem Arkadensaal:
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