„Hello-Dolly“-Premiere beweist:
Langenlois kann Musical – und wie!
- hochgeladen von Manfred Kellner
MANFRED KELLNER
LANGENLOIS Vor der vollen Tribüne der Open-Air-Bühne im Schlosspark Haindorf fand gestern Abend die langerwartete Premiere des ersten Musicals an dieser Stelle statt. Der grandiose Erfolg dieses Abends mit „Hello, Dolly“ gibt den Freundinnen und Freunden des Musicals recht: Langenlois kann auch Musical – und wie!
Die Handlung von „Hello, Dolly“ lässt allerdings ihre entfernte Verwandtschaft mit der Operette noch am meisten spüren, doch das neuzeitliche Gewand des Stückes signalisiert eindeutig: Hier wird Musical gespielt!
Der Sound stimmt
Die Musik und der herrliche Sound des „Strauss-Festival-Orchesters“ und des „Chorus Alea“ riss das Publikum vom eröffnenden „He, hallo, Dolly“ bis zum Musical-Schluss mit. Der Titelsong könnte zum Langenloiser Soundtrack des Sommers werden.
Tolles Ensemble
Fantastisch auch das gesamte Ensemble, das die Musicalsongs sang, über die Bühne tanzte und seine Rollen großartig verkörperten. Cornelia Horak – eingesprungen als Dolly aufgrund der Erkrankung der ursprünglichen Darstellerin – erwies sich als wahrer Glücksfall für den Musicalstart in Langenlois: Sie brillierte in der Titelrolle als Sängerin, Tänzerin und Darstellerin – und auch Intendant Christoph Wagner-Trenkwitz spielte den Horace Vandergelder großartig, was sicherlich auch und gerade der Rolle geschuldet ist und nicht als Patentrezept gelten sollte.
Auch alle anderen Rollen waren bestens besetzt: von den zwei Handlungsgehilfen über die Hutmacherin bis hin zur Ernestina Money.
Hochinteressant: die Bühnengestaltung und Umbauten
Sozusagen im Vorrübergehen entstanden auf der Bühne immer neue Bühnenbilder: belebt mit einzelnen Darstellerinnen und Darstellern, aber meistens mit riesigen Ballettszenen von so gut wie allen Mitwirkenden. Ganz im Stil des amerikanischen Musicals bestimmen die Tanzszenen die gesamte Handlung und schaffen dabei ganz große Bilder auf der Bühne. Interessante Regie-Idee: Am Ende solcher Szenen „frieren“ die Tänzerinnen und Tänzer gern zu einem lebenden Bild ein, das sich dem Publikum einprägen kann.
Die variabel einsetzbaren Kulissen lassen sich hin und her rollen und bilden auf diese Weise vor den Augen der Zuschauerinnen und Zuschauer eine neue Szenerie. Eine Konstante dabei: die von den fürs Bühnenbild zuständigen Hanni Görg und Anna-Maria Grillmaier schräg angelegte Straße als Symbol der urbanen Umgebung – das Stück lässt hier auch die Deutung der „Main Street“ zu, wie sie Sinclair Lewis in seinem gleichnamigen Roman satirisch porträtiert hat.
Wie weiter?
Die gelungene Premiere dieser beachtlichen Musical-Inszenierung lässt hoffen, dass für 2027 nicht wieder in den Archiven des goldenen, silbernen oder bronzenen Operetten-Zeitalters nach Stücken gesucht wird, sondern dass man sich traut, nach den Sternen der Musicals zu greifen: mit einem „Phantom der Oper“ beispielsweise oder einem „Mann von La Mancha“.
Das Publikum des Musicals wurde vom Intendanten Christoph Wagner-Trenkwitz und – in Vertretung der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner – von Landesrat Anton Kasser begrüßt.
(Fotos: Katja Kellner / "Lois!")
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