Dr. Justinus Maria Walser - Gedenken an einen außergewöhnlichen Geistlichen

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Vor 50 Jahren starb in Rattenberg der Prior des Servitenklosters Rattenberg, Dr. Justinus Walser im Alter von 80 Jahren.
Geboren in Vaduz wurde das jüngste Kind der Familie Walser-Schädler auf den Namen Otto getauft, besuchte das Gymnasium Stella Matutina in Feldkirch, studierte in Innsbruck Jurisprudenz und war Mitglied der Studentenverbindung Raeto-Bavaria. Er trat in den Dienst der Liechtenstein Gesandtschaft in Wien ein, war Gutssekretär der fürstlichen Verwaltung in Feldsberg/Tschechei, Schriftführer des Appellationsgerichts, und Legationssekretär bei der liechtensteinischen Gesandtschaft in Wien.
Erst mit 44 Jahren trat er als Spätberufener in den Servitenorden in Innsbruck ein, wurde im Oktober 1932 eingekleidet und erhielt den Namen Justinus Maria. Das Theologiestudium absolvierte er in Innsbruck.
Als am 3. November 1938 die Serviten aus Innsbruck vertrieben wurden, floh P. Justinus Walser über das Stift Wilten nach Maria Luggau/Kärnten und suchte schließlich am 8. Juli 1939 in seinem Heimatort Schaan um politisches Asyl an. Während des II. Weltkrieges leitete er das Mädchenheim Hergiswil am Vierwaldstättersee.
Noch von der Schweiz aus setzte sich Dr. Walser für die Rückgabe der Klosterliegenschaft ein und half mit Lebensmittelspenden und in finanzieller Hinsicht, die durch Bombentreffer arg in Mitleidenschaft geratene Servitenkirche zu sanieren. 1949 kehrte er zum Konvent der Serviten nach Innsbruck zurück.

Spuren in Rattenberg und Umgebung
Kurz darauf übertrug man ihm das Priorat des Klosters in Rattenberg. Er
wirkte hier von 1949 bis 1969 und ließ zuerst die durch den Weltkrieg
entstandenen Schäden reparieren. Es waren dringende Reparaturarbeiten
an Dach und Gebäude notwendig und einzelne Räume mussten dem
klösterlichen Gebrauch erst wieder zugänglich gemacht machen. Eine große Aufgabe war die Sanierung des Kreuzgangs. Die spätgotischen Malereien konnten mit Hilfe des Denkmalamtes und eigener Mittel restauriert werden. Auch Altarblätter und Altarfiguren, sowie die Orgel ließ Prior Dr. Walser wieder erneuern. Seine guten Beziehungen halfen ihm, die dafür notwendigen Mittel aufzutreiben. Er brachte die Finanzen des Klosters wieder in Ordnung. Feuerwehr und Sportverein erhielten vom Kloster Gründe für Gerätehaus und Sport- & Tennisplatz.
In Hinsicht auf das Leben in der Pfarre lag ihm die Jugend besonders am
Herzen. Durch seine Initiative entstand im früheren Messnerhaus, das
heute wieder Pfarrsekretariat und Gemeinschaftsräume beherbergt, ein
Jugendzentrum.
Zu seinen großen Verdiensten zählt auch die Installierung der KAJ im
Tiroler Anteil der Diözese Salzburg. Er verband mit der Krönung der
gotischen Madonna zur Königin der Arbeiter in der Klosterkirche am 1. Mai
1955 eine große Feier. Zu dieser Festlichkeit waren 400 junge Arbeiter aus der ganzen Diözese gekommen. Die Weihe nahm der damalige Weihbischof Dr. Hans Filzer in Vertretung des erkrankten Bischofs Dr. Andreas Rohracher vor. Sein Engagement galt den Führern der einzelnen KAJ Gruppen in den Dörfern des Tiroler Unterlandes, die er zu sogenannten Aktivistenrunden alle vierzehn Tage am Abend in seiner Zelle empfing. Er ließ sich von ihnen berichten, hörte ihre Sorgen, gab ihnen seinen Rat und erteilte seinen Segen vor der Madonna in der Hofer Kapelle.

Er verstand seine klösterliche Tätigkeit als Ergänzung zu den Aktivitäten der Pfarre. In seinen Gottesdiensten begeisterte er durch seine lebendigen Predigten, so dass viele Kirchgänger aus den benachbarten Gemeinden besonders die Spätmesse um 10:30 Uhr besuchten.

Dr. Justinus Maria (Otto) Walser starb in Innsbruck nach längerem Leiden am 27.06.1969 und wurde am 01.07.1969 in Rattenberg am Ortsfriedhof beigesetzt.

Ein faszinierendes, bewegtes und edles Priesterleben
Vom 29. Juni bis 19. Juli 2019 zeigt eine Freilichtausstellung in Rattenberg, als Leihgabe aus Liechtenstein, das Leben dieser Priesterpersönlichkeit in 5 Stelen, voller interessanter Details. Mit einer Abendmesse am 29.06.19 und der feierlichen Eröffnung am 30.06.19 wird ein Stück Geschichte im Gedenken an Dr. Justinus Maria (Otto) Walser wieder lebendig.

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