22.05.2017, 10:00 Uhr

Forum Land, Kufstein und Kitzbühel: Werden Ärzte von Robotern ersetzt?

Andreas Embacher, Obmann Forum Land Kitzbühel und Prof. Dr. Florian Kronenberg. (Foto: Eberharter)
WÖRGL (be). Auf der Suche nach der sprichtwörtlichen „Nadel im Heuhaufen“ ist Prof. Florian Kronenberg, Direktor der Abteilung für Genetische Epidemiologie an der Universität Innsbruck. Auf Einladung des Vereins „Forum Land“ hielt er in Wörgl einen Vortrag über die modernen gentechnischen Methoden in der Medizin.
2001 war der große Tag der Entschlüsselung des menschlichen Genoms, also seines Bauplanes. Seither bemüht sich die Wissenschaft zu erarbeiten, wie diese Gene funktionieren, weil dies unter anderem ein Ansatzpunkt für neue Medikamente sein kann.
Zu diesem Zeitpunkt kostete es drei Mrd. Euro, um einen Menschen zu entschlüsseln. „Heute liegen wir bei rund 1000,- Euro um einen Menschen zu sequenzieren“, sagt Kronenberg. Mittlerweile weiß man, dass sich die Menschen zu 99,9 Prozent gleichen und diese 0,1 Prozent den Unterschied ausmachen.
Wenn es um die Gentechnik geht, dann ist es wichtig zu wissen, dass eine Veränderung der Gene nur dann an eine nächste Generation weiter gegeben werden kann, wenn es sich um eine Keimzelle handelt, die verändert wird. Ist jedoch eine Körperzelle von der Veränderung betroffen, dann hat das lediglich auf diesen einen Menschen eine Auswirkung, bei dem die Veränderung vorgenommen wird. „Ich denke, dass die Ärzte damit recht bewusst umgehen“, versicherte der Professor.
Die meisten gesundheitlichen Probleme der Menschen sind sogenannte komplexe genetische Erkrankungen, wo hingegen eine Erbkrankheit eine monogene Erkrankung ist – man kann also genau sagen, welches Gen dafür verantwortlich ist. Das derzeitige Ziel der Forscher ist es, zu erkennen, wie viele Gene für eine Krankheit verantwortlich sind. So hat man beispielsweise für das Übergewicht 32 Genorte gefunden und erstaunlicherweise liegt der Großteil davon im Gehirn.
Die Entschlüsselung des Genoms ist also heute kein Problem mehr. Sehr wohl aber das Aufbewahren und Sichern der unglaublichen Datenmengen. Wer allerdings nun glaubt, dass er nur seinen Bauplan auswerten muss um zu wissen, was ihn in Zukunft gesundheitlich erwartet, der wird doch enttäuscht sein. Die Auswertung ist einerseits sehr teuer bzw. sind die Ärzte darin noch nicht ausgebildet. Prof. Kronenberg geht überhaupt davon aus, dass die Auswertung wahrscheinlich nur ein Roboter vornehmen kann. Er wird mit Daten aus der ganzen Welt gefüttert, vergleicht diese und findet damit den möglichen Behandlungsansatz. Kronenberg ist überzeugt, dass sich das Bild des Arztes in den nächsten 20 bis 30 Jahren vollkommen ändern wird.
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