Vortrag im Alpinarium Galtür
Galtür, Göfis und die Alpe Jam
- Richard Sonderegger (Archivar Göfis), Ruth Jochum-Gasser und Hans Schöch (ehem. Alpmeister) (v.l.)
- Foto: Monika Hammerl
- hochgeladen von Monika Hammerl
Zeitgeschichte lebendig erzählt: Die Alpe Jam und ihre 400 jährige Verbindung zwischen Galtür und Göfis.
GALTÜR. (hamm). Am 17. Juli bot das Alpinarium Galtür einen besonderen Abend: Ein Stück alpiner Zeitgeschichte wurde mit Filmen, Fotos, Erzählungen und persönlichen Erinnerungen wieder lebendig gemacht. Im Mittelpunkt stand die außergewöhnliche, fast 400 Jahre alte Verbindung zwischen Galtür und der Vorarlberger Gemeinde Göfis – eine Beziehung, die sich rund um die Alpe Jam, auch bekannt als Schnapfenalpe, entwickelt hat.
Zu Beginn hieß Helmut Pöll vom Alpinarium die zahlreichen Gäste herzlich willkommen. Er begrüßte den Hausherrn und Geschäftsführer des Alpinariums, Bürgermeister Hermann Huber, den Bürgermeister von Göfis, Thomas Lampert, die Galtürer Weisenbläser sowie die Hauptakteure des Abends, Dr. Ruth Jochum Gasser, den ehemaligen Alpmeister (1970 bis 2020) Hans Schöch und den Gemeindearchivar von Göfis Richard Sonderegger.
„Für uns Einheimische ist dieser Vortrag besonders interessant,“
betonte Bürgermeister Hermann Huber.
„Wir haben seit jeher eine enge Beziehung nach Vorarlberg – und die Göfner halten diese Tradition bis heute hoch. Wenn sie im Herbst das Vieh über das Zeinisjoch heimtreiben, gehen sie immer noch bis Partenen zu Fuß und verladen dort die Tiere. Durch diese Alm ist eine schöne Freundschaft entstanden.“
Diese Worte bildeten den stimmungsvollen Auftakt zu einem Abend, der die jahrhundertealte Verbindung zwischen Galtür und Göfis eindrucksvoll beleuchtete.
Das Jamtal mit seinen mächtigen Gipfeln – Dreiländerspitze, Jamspitzen, Austenberg und Fluchthorn – und seinen Gletschern wie dem Jamtalferner, dem Totenfeld oder dem Futschölferner zählt zu den wildromantischsten Hochtälern der Alpen. Seine grasreichen Alpmatten wurden einst von Engadinern genutzt, bevor die Alp um 1500 in den Besitz eines Nigg Thöni gelangte und später über Erbschaft nach Göfis kam. Urkunden aus 1588 belegen die frühe Alpbewirtschaftung.
Über Jahrhunderte trieben Göfner Bauern ihr Vieh jeden Sommer über das Montafon und das Zeinisjoch auf die Alpe Jam – ein Weg von rund 65 Kilometern, der in zwei Tagen zu Fuß bewältigt wurde. Ab 1934 stammte das Hirtenpersonal aus Fließ, nachdem die Göfner aufgrund sinkender Viehzahlen nach Fremdvieh suchten und in Fließ fündig wurden.
Der Alpabtrieb im Herbst war für die damaligen Fließer Hirten ein besonders emotionaler Moment.
„Wenn wir im Herbst ins Dorf kamen, wurden wir empfangen wie Könige,“
erinnerte sich Jäger Erich (verstorben 2023), einer der langjährigen Hirten aus Fließ.
„Das ganze Dorf stand bereit – das vergisst man sein Leben lang nicht.“
Neben den Hirten aus Fließ spielten auch die beiden sogenannten „Schneehirten“ eine wichtige Rolle: Walter Herbert und Walter Paul, genannt (long Paul), beide aus Galtür. Sie eilten bei Schlechtwetter oder frühen Wintereinbrüchen zu Hilfe, wenn die Wege gefährlich wurden oder der Alpzug zusätzliche Unterstützung brauchte.
Ihre Einsätze waren oft entscheidend, um Tiere und Hirten sicher durch das hochalpine Gelände zu bringen – ein stiller, aber unverzichtbarer Beitrag zur jahrhundertealten Tradition der Schnapfenalpe.
Diese Erzählungen machten deutlich, wie stark die persönliche Bindung der Hirten zu dieser Alptradition war.
Ein einschneidendes Ereignis prägte die jüngere Geschichte der Alp: Der Lawinenwinter 1999 zerstörte die Obere Alphütte im Jamtal vollständig. In den folgenden Jahren wurde sie neu aufgebaut, und 2001 konnte die neue Hütte feierlich eingeweiht werden.
Der heutige Hirt, Franz Bader, stammt aus Sonthofen im Allgäu und führt die Tradition der Schnapfenalpe weiter.
Moderiert wurde der Abend von Dr. Ruth Jochum Gasser, die mit Feingefühl durch die historischen Zusammenhänge führte. Sie erläuterte auch die Motivation hinter diesem besonderen Vortrag:
„Wir wollten bewusst etwas Grenzüberschreitendes machen,“
erklärte Jochum Gasser.
"Viele fragen sich ja, warum die Vorarlberger überhaupt eine Alp in Tirol besitzen. Diese Geschichte reicht mehrere Jahrhunderte zurück und zeigt, wie eng die Regionen miteinander verbunden waren – wirtschaftlich, kulturell und menschlich.“ „Ein Vortrag in dieser Form macht sichtbar, wie diese Beziehung entstanden ist und warum sie bis heute gepflegt wird.“
Gemeinsam mit Hans Schöch, Alpmeister von 1970 bis 2020, und Richard Sonderegger, Archivar aus Göfis, präsentierte sie alte Filme und Bilddokumente: Almabtriebe, Einweihungen von Alphütten, Szenen aus dem Alltag der Hirten und eindrucksvolle Aufnahmen des langen Alpzuges über Zeinis, Partenen und Schruns.
Viele Besucherinnen und Besucher waren sichtlich berührt von den historischen Aufnahmen und den persönlichen Erinnerungen der Zeitzeugen.
Der Abend im Alpinarium zeigte eindrucksvoll, wie lebendig diese jahrhundertealte Verbindung geblieben ist. Die Geschichte der Alpe Jam ist nicht nur ein Kapitel regionaler Landwirtschaft, sondern ein Beispiel für gelebte Nachbarschaft, gegenseitige Unterstützung und kulturelle Verbundenheit über Landesgrenzen hinweg.
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