Unser kulturelles Erbe ist in Gefahr
Uralte Spuren im Platzertal gefunden
- Das einzigartige Platzertal soll dem Energiehunger und der Bauwut der TIWAG zum Opfer fallen. ©W. Kräutler
- hochgeladen von Werner Kräutler
TÖSENS. Es ist eigentlich eine Schande, wie wir in Tirol mit unserem kulturellen Erbe umgehen. Vor allem konservative Politiker beschwören in Sonntagsreden und Bierzelten allethalben ihre Liebe zum kulturellen Erbe und zu den Traditionen des Landes. Das scheint aber nur für politisch genehme 'Erbschaften und Traditionen' zu gelten. Denn die hohlen Worte gelten nachweislich nicht für vorgeschichtliche, bis in die mittlere Steinzeit zurückreichende Lagerplätze prähistorischer Jäger. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie in unserem Land bisweilen wissentlich und endgültig vernichtet werden.
Tirols kulturelles Erbe wird geflutet
Im Längental bei Kühtai wurden bereits markante historische Plätze steinzeitlicher Jagdlager durch den Bau des TIWAG-Stausees ausgelöscht. Die zwei mittelsteinzeitlichen Jägerlager, vor rund 8000 Jahren errichtet, fielen ohne Federlesens dem Energiehunger und der Bauwut der TIWAG zum Opfer.
Genau diese unsägliche Geschichte scheint sich nun im Platzertal zu wiederholen. Auch hier droht die völlige Vernichtung der markanten, weit in die Steinzeit zurückreichenden Spuren durch ein in jeder Hinsicht fragwürdiges Projekt der ÖVP und der TIWAG.
Überraschende Ergebnisse einer Forschungsgruppe
Eine Citizen-Forschungsgruppe (https://www.schalenstein.net/), die sich mit dem Finden und Katalogisieren von Schalensteinen, Menhiren und Steinkreisen in Tirol beschäftigt, ist kürzlich einem Hinweis von Burkhard Weishäupl nachgegangen. (Die Website gibt detailliert Auskunft über die Gruppe). Der einstige Volontär des Bundesdenkmalamtes Tirol katalogisierte schon 2010 auffallende Steinformationen im Platzertal. Darunter befinden sich, wie er damals vermutete, Tierpferche und ‚stehende Steine‘, denen er eine Art ‚Orientierungsfunktion‘ zubilligte.
Darauf hin erfolgte eine ausführliche radiästhetische und geomantische Begehung des Tales durch Belinda Reinhardt von der Citizen-Forschungsgruppe, die erstaunliche Ergebnisse zeitigte. Die wichtigste Erkenntnis: im Tal finden sich Menhire und eine Steinanordnung in Spiralform. Menhire sind stehende Steine, die in vorgeschichtlichen Zeiten den Weg durch’s Hochgebirge wiesen. Sie waren also quasi 'Steinmandln' der Vorzeit, die nur aus einem großen, meist oben zulaufenden Stein bestehen. Sie konnten von unseren Vorfahren mit HIlfe von Pendeln 'lokalisiert' werden.
Das Vorzeit-GPS mit Raetia-Steinen
Woher wissen nun Radiästheten - gemeinhin auch als ‚Wünschelruten-Geher‘ bezeichnet, dass es sich bei diesen Steinen um von Menschen absichtlich ‚gesetzten‘ Steinen handelt? Belinda Reinhardt: „In den Fundamenten der Menhire wurde sogenannte ‚Raetia-Steine‘ eingebracht, die aufgrund ihrer Konsistenz mit Pendeln und Wüschelruten zu orten sind.“ Auch wenn der Menhir umgefallen ist sind die Steine in seinem Fundament immer noch zu orten.
Bei Raetiasteinen handelt es sich um eisenhaltige Steine, die einst unter hohem Druck entstanden sind. Solche Steine waren es auch, die mittelalterliche Erzsucher auf die Spur von Metallen gebracht hatten. Denn sie treten in natürlicher Form auch in Erzlagerstätten auf, wie der früh verstorbene einstige Landesgeologe Dr. Peter Gstrein in einer Untersuchung festgestellt hatte. Die Metallsucher orteten also nicht das Erz direkt sondern fanden es indirekt durch das umgebende Gestein. Wie sich jetzt herausstellt, nutzten also schon die prähistorischen Jäger die Wirkungen dieser speziellen Steine, um sich mit einfachen Pendeln in den damals menschenleeren Alpen zu orientieren.
Ein Peilstrahl führt ins Platzertal
Was ist nun die Besonderheit der Menhire im Platzertal? Belinda Reinhardt: „Die Menhire des Platzertales sind mit einem ‚Raetiastrahl‘ miteinander verbunden. Werden mehrere Raetia-Steine hintereinander verlegt, bildet sich nämlich ein 'Strahl', der mit einem Pendel schon aus großer Entfernung geortet werden kann.“ Gut möglich, dass damit schon vor tausenden von Jahren der Weg ins Platzertal aus großer Entfernung 'geortet' werden konnte. Sehr interessant und irgendwie mysteriös ist auch, dass der Strahl mit der Georgskirche oberhalb von Tösens (in der Gemeinde Serfaus gelegen) verbunden ist.
Weitere Informationen zu den Raetiasteinen
Ich habe zum Thema 'Orientierung von steinzeitlichen Jägern im Hochgebirge' einen eigenen Blog auf meinem Blogportal 'Tirol isch toll' gestaltet, der die Details dieser doch einigermaßen sensationellen neuen Erkenntnis präsentiert:
https://tirolischtoll.wpcomstaging.com/2026/05/19/wie-orientierten-sich-die-steinzeitjaeger-in-den-alpen/
Zudem hat Thomas Walli-Knofler, ein Mitglied der Citizen-Scientists, ein grundlegendes Buch zur Orientierung prähistorischer Jäger veröffentlicht: Das Raetiastein-GPS.
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