13.10.2014, 13:43 Uhr

Leserbrief: "Sannakraftwerk" von Ute Heppke

LANDECK. Vielen Dank an die Gemeinde Landeck, dass beschlossen wurde, über eine Beteiligung am Sanna-Kraftwerk abzustimmen. Damit hat diese Zerreißprobe für uns vielleicht bald ein Ende und wir wissen ob es "Leben" oder "Sterben" heißt.
Vor 5 Jahren hat mein Mann am Arlberg eine Kajakschule gegründet. Dieses kleine Unternehmen wächst stetig weiter und ich konnte inzwischen auch schon als Mitarbeiterin angestellt werden.
Auch der Tourismusverband und die Gemeinde St. Anton sind darauf aufmerksam geworden und haben Kajakfahrer als potentielle Sommertouristen erkannt. Gemeinsam sind wir gerade dabei die Rosanna mit Hinweistafeln zu versehen und die Ein- und Ausstiegsstellen zu markieren und verbessern. Auch wird ein Kajakführer entstehen, welcher gratis ausgegeben wird und von verschiedenen Internetseiten herunter geladen werden kann.
Allerdings reicht die Rosanna nicht aus, um ein attraktives Angebot zu bieten! Die Sanna ist hier der wichtigste Fluss in unserer Region überhaupt! Auch unsere Kajakschule ist absolut vom Erhalt eines frei fließenden Wildbaches abhängig!!!
Auch finden Kajaker hier einen Fluss, welcher auch noch im Herbst genug Wasser hat um befahren zu werden und weswegen sich eine Anreise in die Region lohnt!
Doch ich fürchte, dass der Verlust der Sanna noch einen viel längeren Rattenschwanz nach sich ziehen wird. Die Sanna ist ein lebender Fluss, wo auch wieder Jungfische aufkommen und man nicht jedes Jahr Fische einsetzen muss, das Landschaftsbild wird stark vom Fluss beeinflusst, die Problematik Lattenbach ist meines Wissens noch nicht geklärt.
Auch stellt sich die Frage, wie dieses und das Kraftwerk an der Rosanna sich auf eine Hochwassersituation auswirken?! Wir haben schon in vielen Ländern (vor allem auch im Himalaya ) gesehen, wie sich eine Flutwelle katastrophal auf die flussabwärts gelegenen Orte auswirken kann, wenn Schleusen plötzlich geöffnet werden um das Kraftwerk zu schützen! Die Kraftwerksbesitzer werden sicher nicht riskieren wollen, daß die Rohrleitungen durch Steine, Bäume.. blockiert werden und so lieber das ganze Wasser das Bachbett hinunter schicken! Anrainer haben sicher noch die Bilder vor Augen, was 2005 alles den Bach hinunter gekommen ist - von riesigen Steinen über Autos bis zu Müllcontainern...
Und was passiert, wenn das Gutachten von Herrn Pircher der Wahrheit entspricht? Kann sich die Gemeinde den Venet noch leisten, wenn durch das Kraftwerk Schulden entstehen? Oder ist der Venet dann nach den Wildwasserfirmen das nächste Opfer? Der Sommertourismus verschwindet aus der Region und die Stadt Landeck entwickelt sich immer mehr zur Bettenburg, in welcher sich die Einwohner nur noch zum Schlafen aufhalten, während sie zum Arbeiten nach Imst oder Innsbruck pendeln. Das Stadtzentrum kämpft jetzt schon damit Geschäfte zu halten! Wie soll es weiter gehen?
Wegen all diesen Gründen möchte ich Sie bitten nicht nur gegen eine Beteiligung am Kraftwerk Sanna zu stimmen, sondern den Bau gänzlich zu verhindern!
Unsere Wildbäche bergen ein riesiges Potential um auch touristisch genutzt zu werden. Doch haben sie auch eine Wert, welcher nicht in Euros gemessen werden kann und soll!

Mit der Hoffnung auf frei fließende lebende Flüsse bedanke ich mich für Ihre Zeit.

Ute Heppke
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Günter Kramarcsik aus Landeck | 13.10.2014 | 15:15   Melden
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Günter Kramarcsik aus Landeck | 16.10.2014 | 20:16   Melden
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