Wien
Ein Tag beim Polizeitraining

Einsatztrainer Günter Pegritsch zeigt, wie man eine Waffe richtig hält.
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  • Einsatztrainer Günter Pegritsch zeigt, wie man eine Waffe richtig hält.
  • Foto: Rossmann
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Schießtraining, Fixierungstechniken und ein Trainingsszenario – Was Polizisten in der Ausbildung lernen, durfte sich die bz einen Tag lang genauer anschauen.

WIEN. Einladend sieht es im Bundesamtgebäude in der Erdbergstraße 192-196 nicht aus: Triste, fensterlose Gänge eines Bürogebäudekomplexes, der in den 1970er Jahren geplant wurde und seine besten Zeiten bereits hinter sich haben dürfte. Hier frischen pro Jahr rund 6.000 Wiener Polizisten ihre Kenntnisse in den Bereichen Überwältigungs- und Schießtechniken auf. Über den „Exerzierhof“ geht es zu dem Turnsaal, in dem der erste Teil des Trainings stattfindet. Hier wird vorgezeigt, wie eine Person überwältigt werden kann und was dabei zu beachten ist.

Fixierungen

Im ersten Trainingsteil wird gezeigt, wie eine Person überwältigt werden kann und was dabei zu beachten ist. „Niemand wird auf dem Boden fixiert, wenn es keine Notwendigkeit dafür gibt“, sagt Günter Pegrisch, der seit 2005 als Einsatztrainer tätig ist. Denn: „Bei einer Fixierung kommt es zu Schürfwunden. Das lässt sich kaum verhindern, wenn man jemanden auf dem Asphalt zu Boden bringen muss.“ Polizisten handeln nach dem „3-D-Prinzip“: Dialog – Deeskalation – Durchführung. Bei einer Amtshandlung werde die Person zuerst angesprochen und nur im Notfall eine Anwendung von Körperkraft oder der Gebrauch der Schusswaffe in Betracht gezogen, so Pegrisch.

Schießtraining

Zum Schießtraining geht es in den Keller des Gebäudes. Die Räume sind düster, Tageslicht gibt es hier keines. In diesen Räumen findet neben dem Schießtraining auch das Übungsszenario statt. Bevor geschossen werden darf, erklärt Pegritsch die richtige Handhabung der Waffe. Der Gebrauch einer Schusswaffe muss von einem Polizisten unmittelbar vorher angekündigt werden, sofern es die Situation zulässt. Selbst das Ziehen der Waffe will erlernt sein und auch die richtige Haltung der Waffe ist nicht so einfach, wie es aussieht. Dann darf selbst ein Probeschuss abgesetzt werden. Das Ziel zu treffen, ist nicht schwierig, doch nur wenige haben schon einen Schuss aus einer echten Waffe aus nächster Nähe gehört. Trotz Gehörschutz erzeugt der Knall Tinnitus und Gänsehaut.

Übungsszenario

Zum Abschluss findet ein Trainingsszenario im Schutzanzug statt. Das Polizeiteam wird zu einem Unfall mit Sachbeschädigung gerufen. Tatsächlich bedroht ein Mann einen anderen in Folge des Unfalls mit einem Messer, dieser zieht zur Abwehr eine Pistole. Die richtige Vorgangsweise: Zuerst sollen die Personen angesprochen werden, um den Konflikt zu klären. Bei einer Person, die ein Messer hält, sollten mindestens fünf Armlängen Abstand gehalten werden, so Pegritsch. Die Situation eskaliert schnell, während einer der Männer die Pistole auf Aufforderung der Polizei weglegt, wird der Angreifer mit dem Messer immer aggressiver.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist das Szenario zu Ende - in Realität dauert es nur eine Minute. All das wird auf Video festgehalten. In der Analyse zeigt sich, dass kein Team genug Abstand eingehalten hat, wenige haben das Gelernte in die Tat umgesetzt und ein paar aus Notwehr auf den Täter geschossen. 

Ausgleich zum Beruf

An den wenigsten geht ein Einsatz spurlos vorbei, das merkt man bereits nach dem Übungsszenario. Die durchgespielten Szenen sind auch beim Hinausgehen noch Gesprächsthema. Ein vorbeikommender Polizist erzählt, dass er zum Ausgleich mehrere Instrumente spielt und bis zu drei Stunden täglich am Klavier verbringt. Um die Erlebnisse aus dem Alltag zu verarbeiten, helfe ihm die Klassik. Auch jüngeren Kollegen rate er immer wieder dazu, dass sie einen Ausgleich zum Beruf finden, denn das sei sehr wichtig, wenn man diesen Job ausübe.

Der Tag hat gezeigt: Polizisten müssen in brenzligen Situationen schnell reagieren. Dass dabei Fehler passieren, ist menschlich. Durch das regelmäßige Auffrischen der Ausbildung sollen diese aber minimiert werden.

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