Wolfsberg
Sechs Stolpersteine erinnern an jüdische Familien aus NS-Zeit
- Von links: Gemeinderat Harry Koller und Stadtrat Christian Stückler mit Uri Ovseyevitz-Roth und dessen Ehefrau Tania aus Mexiko
- Foto: MeinBezirk.at
- hochgeladen von Simone Koller
Am Gehsteig in der Wiener Straße 11 wurden heute Gedenksteine an jüdische Opfer angebracht.
WOLFSBERG. Am Dienstag, 9. November 2021, wurde in Wolfsberg ein starkes Zeichen des Erinnerns und Respekts gesetzt: 83 Jahre nach den Novemberpogromen, wo in Deutschland und Österreich unzählige Juden ermordet, deportiert oder vertrieben wurden, kam es zur Verlegung von sogenannten Stolpersteinen. Nachkommen der einstigen jüdischen Familien in Wolfsberg wohnten der Zeremonie bei.
Sechs Pflastersteine
Im Mai 2019 beschloss der Wolfsberger Gemeinderat auf Antrag der Grünen, dass Stolpersteine zur Erinnerung an jene jüdischen Familien aus Wolfsberg verlegt werden, deren Mitglieder im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Die Initiative von Gemeinderätin Susanne Dohr wurde heute in die Tat umgesetzt: Vor dem ehemaligen Geschäfts- und Wohnhaus der jüdischen Familie in der Wiener Straße 11 wurden sechs dieser mit Namen beschrifteten Pflastersteine im Gehsteig angebracht.
Feierlicher Akt
Vertreter der Stadtgemeinde Wolfsberg, Pfarrprovisor Christoph Kranicki und zahlreiche Historiker wohnten der Zeremonie bei. Ein Quartett der Musikschule (MS) Wolfsberg unter der Leitung von Direktor Daniel Weinberger sorgte für die musikalische Umrahmung. Gemeinderat Harry Koller – Vertreter der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft, welche die Kosten für die Gedenksteine übernommen hat – zeichnete die Lebensläufe der in Wolfsberg lebenden Juden nach. Seine Schlussworte: "Nie mehr wieder - never again".
Zwei verwandte Familien
Die Novemberpogrome 1938 waren von NS-Regimen organisierte und gelenkte antisemitische Gewaltmaßnahmen im einstigen Deutschen Reich. Als in diesem Jahr der Anschluss Österreichs erfolgte, lebten insgesamt sechs Juden in Wolfsberg. Adolf und Emma Gross betrieben in der Wiener Straße 11 ihr Handelsgeschäft und wurden in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo sie im Jahr 1942 ermordet wurden. Der erstgeborenen Tochter Lotte gelang die Flucht in die USA, mit ihrem Mann ging sie später nach Mexiko. Die zweite Tochter Anny wurde aus dem KZ Bergen-Belsen befreit und lebte zum Schluss in Israel. Hermine Singer, die Schwester von Emma Gross, war ebenso Geschäftsfrau in Wolfsberg und starb im Jahr 1939 auf der Flucht, ihrem Sohn Hans Singer gelang die Flucht nach Palestina.
Besuch aus Mexiko
Uri und Tania Ovseyevitz-Roth reisten für die Verlegung der Stolpersteine aus Mexico-City an, um ihren Vorfahren zu gedenken: Die beiden Geschäftsleute Alfred und Emma Gross waren die Urgroßeltern von Uri Ovseyevitz-Roth, deren erstgeborene Tochter Lotte seine Großmutter, die nach der Flucht in Mexiko als Geschäftsfrau und fünffache Mutter lebte. "Wir verneigen uns heute vor den Opfern des Nationalsozialismus in Wolfsberg, den verwandten Familien Gross und Singer", betont Stadtrat Christian Stückler in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Hannes Primus. Schon 20 Jahre zuvor war auf Initiative des damaligen Grünen Gemeinderates Ulrich Habsburg Lothringen eine Gedenktafel für die von den Nationalsozialisten vertriebenen und ermordeten Wolfsberger Juden in der Nähe des Rathauses angebracht worden.
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