Lavanttaler Persönlichkeiten
Wie erlebten Sie das vergangene Jahr?

Von links: Anita Kollmann, Daniel Weinberger, Peter Hauser, Sonja-Maria Tesar, Werner M. Thelian
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  • Von links: Anita Kollmann, Daniel Weinberger, Peter Hauser, Sonja-Maria Tesar, Werner M. Thelian
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Wir haben Lavanttaler gefragt, wie sie die vergangenen zwölf Monate in der Corona-Krise empfunden haben.

LAVANTTAL. Am 25. Feber 2020 wurden die ersten beiden Covid-19-Infektionen in Österreich registriert. Seitdem ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Der gesamte März war geprägt von Einschnitten des öffentlichen Lebens bis hin zum Lockdown, wie wir ihn heute kennen. Erst mit Ostern kam es wieder zu schrittweisen Lockerungen. Kaum ein Lebensbereich, kaum eine Branche, die nicht unter der Pandemie leidet. Das Leben hat sich für alle Altersgruppen verändert, vom Kleinkind bis zum Senioren. Wir haben fünf Bürger gefragt, was sich für sie geändert hat und was sie aus der Krise gelernt haben.

Anita Kollmann, Texterin und Komponistin:
Das letzte Jahr war für mich erstmal recht schockierend, begleitet von Hoffnungslosigkeit, die letztendlich in Resignation geendet hat. Da ich ein recht einfaches Leben führe, habe ich nicht viel vermisst – muss ich gestehen. Davor war ich schon für viele Dinge dankbar, da braucht es kein Corona, um mich Demut zu lehren. Am meisten hat es mir zu schaffen gemacht, dass Kinder in dieser Zeit keine Stimme mehr haben. Rücksicht auf die ältere Generation zu nehmen, ist in Ordnung, doch man darf erwarten, dass auch für Kinder und Jugendliche Verständnis aufgebracht wird. Was ich gelernt habe: Die Gesundheit ist nicht nur das Fernhalten von Krankheiten. Manchmal muss man einfach die Maske für einen Moment herunterziehen, um einem Kind ein Lächeln zu schenken. Niemand kann sagen, was in gewissen Situationen richtig ist, manche Entscheidungen muss man mit dem Herzen treffen, um Mensch zu bleiben.

Anita Kollmann

Daniel Weinberger, Musikschuldirektor Wolfsberg und Bezirkskapellmeister:
Für jemanden, der beruflich sowie privat mit Musik zu tun hat, war das vergangene Jahr durchwachsen. Die Szene wird von einem harten „Shutdown“ überschattet, was mich traurig stimmt. Mein Leben hat sich verändert, aber nicht verschlechtert – Gott sei Dank. Im Familienkreis gab es soweit keinerlei Krankheitsfälle und wir haben mehr Zeit füreinander, was ich sehr schätze. Ich habe vor allem gelernt, mich auf das Wesentliche zu fokussieren. Denn vor der Krise jagte ich von Termin zu Termin. Konkrete Ziele sind natürlich notwendig, doch ich bin mir sicher, dass diese künftig reduziert werden sollten. Der gemeinsame Weg zum Ziel gehört in den Vordergrund. Der Schutz unserer Gesundheit hat Priorität, doch ich denke, dass das Kultur- und Vereinsleben enorm wichtig ist. Gerade in diesem Bereich vermisse ich Lösungsvorschläge oder zumindest Perspektiven, wie ein Miteinander wieder möglich sein kann.

Daniel Weinberger


Peter Hauser, Bezirkspolizeikommandant Wolfsberg:
Ich kann diese Zeit mit keiner spezifischen Emotion verknüpfen. Gefühle reichten von einem Hauch Trübsal bis zu einer höchst gestalterischen Neugierde. Dass diese Krise zu einer Polarisierung der Gesellschaft geführt hat und der Freiheitsgedanke von einigen missverstanden wird, hat mich nachdenklich gestimmt. Wenn während des Lockdowns illegale Partys gefeiert oder Aufmärsche und Demos ohne Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen veranstaltet werden, dann ist das nicht die Freiheit, die vor der Nase anderer innehält, sondern eine, die zuschlägt und das Leben der Mitmenschen gefährdet. Außerdem habe ich gelernt – oder besser: es hat sich gezeigt –, dass Krisen den wahren Charakter von Menschen offenbaren, den guten wie den abgründigen. Und dass wir als soziale, von Natur aus altruistische Wesen Antworten auf Fragen und Lösungen finden. Lasst uns nicht aufgeben: „Let’s do it with sparkle and moxie“

Peter Hauser

Werner M. Thelian, Autor aus Wolfsberg:
Dieses Jahr war für alle schwierig. Ich denke dabei besonders an die Älteren, die Schüler, Familien mit Kindergartenkindern und jene Menschen, die in der Krise ihre Arbeit verloren haben. Eine Pandemie galt schon lange als potenzielle Gefahr, aber kaum jemand hat damit gerechnet, mit welcher Wucht sie uns treffen würde. Trotzdem haben sich mein Leben und meine Einstellung nicht wesentlich geändert. Ich denke, dass wir an dieser Krise tatsächlich wachsen können. Vieles was wir jetzt dazulernen, wird uns später noch zugutekommen. Immerhin werden wir gerade daran erinnert, wie anfällig und verletzlich einige unserer Systeme sind: z.B. die Wirtschaft und das Gesundheitssystem. Ich bleibe Optimist. Traurig stimmt mich höchstens, dass sich manche partout nicht an die vernünftigen Regeln halten wollen. Es müsste doch möglich sein, wenigstens in einer solchen Ausnahmezeit an einem Strang zu ziehen.

Werner M. Thelian

Sonja-Maria Tesar, ärztliche Leiterin LKH Wolfsberg:
Die Umstellung in einen Krankenhaus-Notbetrieb im Frühjahr, als in Kärnten die Pandemie so gut wie nicht spürbar war, war eine radikale Veränderung unseres ansonsten frei zugänglichen Gesundheitssystems. Leichter nachvollziehbar wurde dies im Herbst, als die Anzahl der Covid-Patienten im LKH eine komplette Umorganisation notwendig machte. Es galt, sieben Tage die Woche und oft bis in die Abendstunden erreichbar zu sein und zu „funktionieren“, d.h. so gut es ging eine gewisse Planung zu entwickeln. Ohne die gute Zusammenarbeit im LKH hätten wir die Phase von Oktober bis Anfang 2021 nicht so souverän geschafft. Stolz haben mich der Zusammenhalt der Menschen und eine neue Form der gegenseitigen Unterstützung gemacht, die ich sowohl beruflich als auch privat erleben durfte. Traurig jedoch, dass wir durch den Notbetrieb vielen Patienten nicht im gleichen Ausmaß wie sonst zur Verfügung stehen konnten.

Sonja-Maria Tesar

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