Linza G‘schichten:
Die Nacht als die Linzer Synagoge brannte

Die zerstörte Synagoge am Tag nach der Novemberprogromnacht, einzig ein Fotoalbum der Familie konnte gerettet werden.
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  • Die zerstörte Synagoge am Tag nach der Novemberprogromnacht, einzig ein Fotoalbum der Familie konnte gerettet werden.
  • Foto: Archiv der Stadt Linz
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Als Achtjährige erlebte Marie Donner die Schrecken der Novemberpogomnacht im Jahr 1938 aus nächster Nähe.

LINZ. "Ich habe eigentlich nichts gefühlt von Antisemitismus, aber ich war erst acht Jahre alt", erinnert sich Marie Donner, in Linz geboren und aufgewachsen und als jüdisches Kind ein halbes Jahr nach der Novemberpogromnacht 1938 mit einem Kindertransport evakuiert wurde. Diese Nacht des 10. Novembers wird ihr immer im Gedächtnis bleiben, der Anblick des in roten Flammen stehenden Tempels hat sich in ihre Erinnerung eingebrannt, denn sie musste ihn aus nächster Nähe miterleben.

Marie Donner wuchs als Halbweise, die Mutter starb kurz nach der Geburt, glücklich bei der Familie ihrer Tante Helene Hesky auf. Erst 1938 mit dem "Anschluss Österreichs" und der Verschärfung der Gesetze gegen jüdische Bürger verlor die Familie ihr Geschäft, einen Hutsalon in der Schillerstraße und wenig später auch die Wohnung in der Schubertstraße auf Grund der fortschreitenden Arisierungsgesetze. Ein Notqartier musste schnell gefunden werden und die vierköpfige Familie bezog im September 1938 die Rabbinerkanzlei im Anbau der Synagoge in der Linzer Altstadt.

Die Juden brennen!

In der Nacht des 10. November gegen 1 Uhr stürmten bewaffnete Männer der SS und SA die Unterkunft in der sich die gesamte Familie aufhielt und zwangen den Vater mit in die Synagoge zu gehen und ihnen die dort vermuteten Schätze zu zeigen. Marie Donner erinnert sich von Geschrei und Glasscherben im Gesicht aufgeweckt worden zu sein und an die Angst, die sie um ihren Ziehvater hatte. Dieser wurde, nachdem er gezwungen wurde eigenhändig die Thora zu zerstören, wieder zurück in die Wohnung gebracht und die Familie dort eingesperrt. Wenig später machte sich bereits Rauchgeruch und Hitze bemerkbar und die Familie geriet in Panik und rief um Hilfe. Ein junger SA-Soldat kehrte nach einiger Zeit zurück und warf den Schlüssel durch ein Fenster zu. Fürs erste gerettet konnte Familie Hesky mit der achtjährigen Marie ins Freie flüchten. Sie erinnert sich an das Geschrei der Schaulustigen vor der Synagoge: "Die Juden brennen, die Juden brennen!" Auch das kann Marie Donner nicht vergessen.

Der Kreis ist geschlossen

Anlässlich der Buchpräsentation "Jüdische Biographien", herausgegeben von Archiv der Stadt Linz, ist die heute in Kalifornien lebende Marie Donner nach Linz zurückgekehrt und zeigt sich mit der Stadt versöhnt: "Ich bin als Kind hinausgeschmissen worden und 80 Jahre später bin ich hier als geehrter Gast. Der Kreis hat sich für mich jetzt geschlossen".

Die zerstörte Synagoge am Tag nach der Novemberprogromnacht, einzig ein Fotoalbum der Familie konnte gerettet werden.
Marie Donner ist zur Buchpräsentation "Jüdische Biografien" aus Kalifornien nach Linz angereist.
Autor:

Silvia Gschwandtner aus Linz

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