Menschen im Gespräch
"Es werden immer Menschen kommen"

Sarah Kotopulos vor dem neuen Haus der Menschenrechte in der Rudolfstraße.
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  • Sarah Kotopulos vor dem neuen Haus der Menschenrechte in der Rudolfstraße.
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Wir haben mit Sarah Kotopulos über Menschenrechte, Integration und politisches Klima gesprochen.

LINZ. Sarah Kotopulos ist Geschäftsführerin von SOS Menschenrechte und hat einen wahren Kraftakt hinter sich. Mit der Aktion „Dach über den Kopf“ hat der Verein jahrelang Spenden gesammelt, um das Flüchtlingswohnheim zu renovieren und auszubauen. Am 25. Mai öffnete Österreichs erstes „Haus der Menschenrechte“ seine Pforten.

Was ist eigentlich ein "Haus der Menschenrechte"?
Unsere Arbeit war immer mehr als Flüchtlingsbetreuung. Es geht um Aufklärung, Sensiblisierung und Bewusstseinsbildung. Das wollen wir jetzt verstärken. Wir wollen mehr Menschen ins Haus reinholen, etwa zu Menschenrechts-Workshops. Wir wollen mit anderen NGOs starke Kooperationen aufbauen und ein Kompetenzzentrum sein.

Was passiert hier konkret?
Es gibt vier Säulen: Es bleibt ein Zuhause für Menschen. Hier wohnen minderjährige unbegleitete Flüchtlinge und erwachsene Asylwerber. Neu ist ein leistbarer Wohnraum. Wir machen Menschenrechtsbildung, betreiben Integrationsprojekte und organisieren Freiwilligenarbeit durch die Menschen die hier leben. Und natürlich wollen wir den Kontakt zur Bevölkerung intensivieren. Es soll ein offenes Haus der Begegnung sein.

Wie hat sich der Verein verändert, seit Sie Geschäftsführerin sind?
Es hat sich wie ein Kapitänswechsel auf offener See in einem Riesensturm angefühlt. Wir haben viel inhaltliche Arbeit und Vertrauensarbeit gemacht. Das Netzwerk ist größer und wirksamer geworden. Das Haus ist getragen von 1.670 Menschen, die uns finanziell unterstützt haben. Da sind die hunderten Benefizveranstaltungen gar nicht mitgezählt – von Goldhauben, Unternehmern, Musikkapellen, Technoparty bis zum Musiktheater. Das ist wirklich beeindruckend und berührend. Die Spenden haben sich in den letzten fünf Jahren verfünffacht.

Wie groß war der Finanzierungsbedarf?
Wir sind bei knapp mehr als zwei Millionen. Rund die Hälfte haben wir an Eigenmitteln. Wir brauchen also nach wie vor Spenden, für das Haus, die Rechtsberatung, die Deutschkurse und die Therapien. Unser Schwerpunkt sind junge Mädchen, die von Kinderhandel betroffen sind.

Das politische Klima hat sich stark verändert.
Wir spüren das massiv in unserer Arbeit, weil den Menschen die Perspektiven genommen werden. Wir haben so viele talentierte und engagierte Menschen im Haus, die sich für eine Lehre qualifiziert haben, Deutsch gelernt haben und total motiviert sind, bei uns Fuß zu fassen. Die wollen etwas Sinnvolles tun und dürfen das jetzt nicht mehr.

Werden Sie für Ihre Arbeit angefeindet?
Nein, eigentlich nicht. Es gibt Briefe, aber das hält sich in Grenzen. Auch online sind es nur einzelne Kommentare. Wir bekommen eher Zuspruch und Rückenwind.

Was sagen Sie den Menschen, die Angst vor zu vielen Fremden im Land haben?
Das wichtigste ist: Es gibt nicht das "Wir" und "Sie". Ich habe mit meiner rumänischen Freundin mehr gemeinsam als mit der Nachbarin in dem steirischen Dorf, aus dem ich komme. Natürlich gibt es Schwierigkeiten wie Kriminalität. Da müssen alle Parteien, Polizei und NGOs an Lösungen arbeiten. Es braucht Rahmenbedingungen für ein gutes Zusammenleben. Derzeit schafft man aber eher Probleme, wenn man Deutschkurse streicht, obwohl die Sprache der Schlüssel zur Integration ist. Bei Wohnen und Schule muss man Durchmischung und nicht Separierung fördern.

Die Asylanträge gehen stark zurück. Ist das neue Haus bald leer?
Es werden immer Menschen nach Österreich kommen. Wir und ganz viele andere werden für ein rechtsstaatliches Verfahren eintreten. Aber: In unserem Haus finden generell Menschen Platz, die in Notlagen sind. Das gilt auch für österreichische Frauen, die unsere Kriterien erfüllen und zum Beispiel eine Startwohnung für ein Jahr brauchen.

Sarah Kotopulos vor dem neuen Haus der Menschenrechte in der Rudolfstraße.
Sarah Kotopulos ist Geschäftsführerin von SOS Menschenrechte.
Autor:

Christian Diabl aus Linz

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