16.11.2016, 18:09 Uhr

Oberbank-Chef Gasselsberger: "Tag nach Trump-Wahl war einer der aufregendsten in meiner Laufbahn"

Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger fragt sich, wann der Generationswechsel in Oberösterreichs Landespolitik "endlich vollzogen wird. Die Kronprinzen sind ja auch nicht mehr Jünglinge." (Foto: Oberbank/Gregor Hartl)

Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger sieht keine negativen Auswirkungen durch Trump und Brexit, übt Kritik an Sozialminister Stöger und am Wahlkampfmodus von Rot und Schwarz, der Reformen verhindere.

Ein US-Präsident Trump, der Brexit – wie reagiert die Finanzwelt?
Beim Brexit sind die Folgen für Österreich und Europa zu Beginn medial übertrieben worden. Die Abwertung des Pfund war für die Briten kurzfristig ein Segen und hat die britische Wirtschaft beflügelt.

Und Trump?
Der Tag nach der Wahl war für mich einer der aufregendsten in meiner bisherigen Laufbahn. Ich bin frühmorgens in die Bank gekommen, war auf Hillary Clinton eingestellt, das war ja auch die Erwartung der Börsen. Die haben auf den Trump-Sieg anfangs sehr negativ reagiert, dann aber gedreht. Die populistischen Aussagen wurden zur Seite geschoben und gefragt: Was ist der Kern seiner Wirtschaftspolitik? Und das sind: Höhere Investitionen in Infrastruktur, Reduktion der Steuern und Lockern der Banken-Regularien. Das hat dann nicht nur wieder zu einem Kursanstieg der Börsen geführt. Die Investoren, die bislang eher auf konservative Werte gesetzt haben, sind aus den „Nestles“ dieser Welt heraus und stark in Infrastruktur-, Pharma-, Banken- und Versicherungswerte eingestiegen. Wenn das so kommt, dann würde das für die USA einen Wirtschaftsimpuls von 0,6 Prozent bedeuten. Es wird aber auf jeden Fall auch einen Zinsanstieg bringen – still und leise. Die Sparer werden das noch nicht spüren, aber jene, die Unternehmens- oder Bankenanleihen oder Anleihen der öffentlichen Hand zeichnen.

"Freie Marktwirtschaft in Österreich dürfte sich noch nicht herumgesprochen haben"


Statt über Zinsen redet in Österreich jeder über Bankomatgebühren. Sozialminister Alois Stöger will sie gesetzlich verbieten.
Ich bin gegen ein Verbot der Bankomatgebühr, auch wenn wir als Oberbank keine Bankomatgebühren vorhaben. Es dürfte sich aber bei einigen noch nicht herumgesprochen haben, dass wir in Österreich in einer freien Marktwirtschaft leben. Wenn einer eine Gebühr einführt, dann gibt es für den Kunden genug Alternativen in der Bankenlandschaft, wo es keine Gebühr gibt. Wofür ich schon bin, ist ein Höchstmaß an Transparenz, das der Gesetzgeber vorgeben soll. Und daher befürworte ich auch den Vorschlag des Finanzministers: Bankomaten, die gebührenpflichtig sind, müssen klar gekennzeichnet werden. Was die Konsumenten in Österreich insgesamt für Zahlungsdienstleistungen aufwenden, ist nur die Hälfte dessen, was der europäische Durchschnitt beträgt. Wir sind ohnehin auf einem sehr günstigen Niveau.

Zahl der Bankenfilialen in Österreich wird weiter sinken


Das Einführen von Bankomatgebühren wird ja auch immer wieder als Indiz dafür gedeutet, dass es um die Ertragslage mancher Banken nicht gut bestellt ist. Wie wird sich der Bankenplatz Österreich weiter entwickeln?
Es wird zu einem weiteren Konzentrationsprozess kommen. Den will die Europäische Zentralbank offensichtlich. Österreich hat einen geringen Konzentrationsgrad. Ich glaube, dass die Struktur und Bankenvielfalt ein Spiegelbild der heimischen Wirtschaft und daher etwas Gutes ist. Aber es ist halt eine Tendenz da und wenn man den Experten glaubt, wird der Personalabbau zwischen 15 und 20 Prozent betragen. Es wird zu einer Reduktion der Filialen kommen, weil man ein attraktives Einzugsgebiet braucht. Da wird sich einiges tun.

Oberbank gründet weiter sechs bis acht neue Filialen pro Jahr


Bei der Oberbank geht es aber in eine andere Richtung.
Wir sind als eine der wenigen Banken in Österreich in der glücklichen Lage, einen langfristigen Wachstumsplan umsetzen zu können. Wir werden auch im Zeitalter der Digitalisierung pro Jahr weiterhin zwischen sechs und acht neue Filialen machen. Unser Einzugsgebiet ist natürlich die Bundeshauptstadt Wien, wo wir uns verstärken wollen – wir sind ja schon die stärkste Bundesländerbank in Wien. Wir haben mittlerweile sechsundzwanzig Filialen dort. Wir werden Ungarn forcieren. Ungarn ist für mich ein unterschätztes Land. Wir haben dort in Relation zur Größe unserer Filialen und zur Anzahl das beste Ergebnis. Und worüber wenig in österreichischen Medien berichtet wird, ist die gute Entwicklung in Tschechien. Tschechien hat nicht nur Vollstbeschäftigung, die Tschechen sind auch gerade dabei, die Krone gegenüber dem Euro aufzuwerten. Und sie haben einen hohen Industrialisierungsgrad. Dort werden wir expandieren und natürlich in Deutschland.

Ist die Politik in Ungarn, die ja auch von vielen Seiten als protektionistisch beurteilt wird, kein Problem?
Sie werden von mir nie ein böses Wort über den Herrn Orban hören, Gott bewahre. Weil wir als Bank nie gelitten haben, weil wir dort spät in den Markt eingetreten sind und diese ganze Fremdwährungsproblematik nicht gehabt haben. Wir sehen dort eine immer besser werdende Entwicklung, speziell bei der Beschäftigung.

Chance auf rot-schwarze Kompromisse wird immer geringer


Von der ungarischen zur österreichischen Politik – wie zufrieden sind Sie mit den Rahmenbedingungen?
Wir haben an Wettbewerbsfähigkeit verloren, sind in punkto Reformfreudigkeit und Steuerbelastung auf den letzten Plätzen und die Liste der Notwendigkeiten ist extrem lang. Ich glaube nicht, dass es zu vorgezogenen Wahlen kommt. Aber trotzdem bremst die Regierung dieses permanente Denken an eine vorzeitige Wahl darin, Reformen umzusetzen. Die einen gleiten Richtung links, die anderen versuchen, den rechten Rand abzudecken. Das heißt: Die gemeinsame Schnittmenge wird immer geringer. Und wie soll sich das bitte dann für große Reformen ausgehen, wenn ich mich auseinanderbewege statt aufeinander zu. Die Herren Kern und Mitterlehner positionieren sich, um ein Profil zu bekommen – bis jetzt glaube ich, mit mäßigem Erfolg. Und durch diese Positionierung wird die Chance auf Kompromisse immer geringer.

Wann wird der Generationswechsel an Oberösterreichs Spitze "endlich" vollzogen?


Wie beurteilen Sie die Arbeit von Schwarz-Blau in Oberösterreich?
Das Bemühen ist da. Die von manchen verpönte Koalition arbeitet gut, das Schreckgespenst Schwarz-Blau ist weg. Ich bin kein Befürworter, aber sie leisten durchaus gute Sacharbeit. Die ÖVP befindet sich in einer Übergangsphase. Und es ist natürlich abzuwarten, wann der Generationswechsel endlich vollzogen wird, auf den viele warten. Was sich keiner in den Mund zu nehmen traut: Es sind ja auch die Kronprinzen nicht mehr Jünglinge.
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