„Für den Skitouren-Lehrpfad ist kein einziger Baum umgeschnitten worden“

Wie kamen Sie auf die Idee des Skitouren-Lehrpfades?
PETER „PEZ“ RADACHER: Alles begann damit, dass ich selbst begann Skitouren zu gehen. Ich habe dann nach Literatur gesucht, und mich informiert wo man Tourengehen „lernen“ kann. Ich bin da auch verschiedenste Pfade gestoßen, das waren aber alles Lawinen-Ausbildungs-Pfade. Die Frage „Wie gehe ich eigentlich eine Skitour?“ stellte sich niemand so recht.

Bekamen Sie Hilfe für Ihr Projekt?
RADACHER: Ich habe bei verschiedensten Stellen angefragt, etwa der Bergrettung oder dem Alpenverein, ob Interesse besteht so etwas bei uns heroben im Livingroom Hochkönig zu realisieren.

Die Reaktionen waren eher durchwachsen?

RADACHER: Stimmt, es ist eigentlich kein großes Interesse aufgekommen, ausser bei einer Firma, aber die wollten rund 20.000 Euro dafür haben. Dann habe ich es eben selbst gemacht. Ich habe mir vieles an Literatur besorgt, mich mit Kollegen, die viel Skitouren-Erfahrung haben, ausgetauscht, und gemeinsam haben wir ausgearbeitet, was inhaltlich wichtig wäre.

Was war die Hauptfrage?
RADACHER: Ich wollte vor allem die Frage: „Wie gehe ich eigentlich eine Skitour?“ beantworten. Zeigen wie man eine lange Kurve, eine Spitzkehre, eine Querung und so weiter geht. Auch das Equipment welches ich dabei haben sollte ist auf dem Tourenlehrpfad ein Thema.

Wieso haben Sie gerade den Hochkeil ausgewählt?
RADACHER: Primär weil ich da daheim bin, aber schon auch weil der Hochkeil für Skitouren Anfänger fast perfekt ist. Einfach weil gerade Anfänger oft noch nicht so gut alpin, abseits der Piste abfahren können. Am Hochkeil konnte ich eben eine tolle Route machen, die in Pistennähe verlauft, aber nie das Gefühl aufkommt man würde auf der Piste gehen. Am Gipfel kann dann zwischen einer präparierten normalen Piste, oder einer Abfahrt im freien Gelände entschieden werden.

Also bietet der Pfad sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen etwas?

RADACHER: Ja, auch der Touren-Erfahrene kann diese Tour, vor allem wenn wo anders die Verhältnisse nicht optimal sind, gehen. Die Höhenmeter stimmen, und der Gipfelblick ist so und so fast unschlagbar. Der Profi muss ja nicht bei jeder Tafel stehen bleiben und selbige durcharbeiten. Die Anfänger sollen natürlich stehen bleiben und mit den Tafeln arbeiten. Man kommt auch ohne Spitzkehren zum Gipfel, aber der Pfad bietet die Möglichkeit sie auszuprobieren.

Wie lange dauerte es von der Idee zum fertigen Lehrpfad?

RADACHER: Ein knappes halbes Jahr. Nach Saisonschluss begann die Phase des Recherchierens und Organisierens, und ich habe es wirklich geschafft bis zum nächsten Saisonstart alles beinander zu haben. Ich habe ja alle Lehrbilder für die Schilder mit meinen Freunden zusammen gemacht, und die ganze grafische Arbeit und vieles mehr.

War es am Ende mehr Arbeit als erwartet?
RADACHER: Ganz zu Beginn schon ja. Ich war fest davon überzeugt, dass es so etwas bereits gibt, und ich das nur adaptieren muss. Zusätzlich war ich der Meinung, dass sich dafür ein Partner finden lässt. Im Endeffekt war ich allein, und habe es eben allein durchgezogen.

Wie haben sie das Projekt finanziell gestemmt?
RADACHER: Ich fand zum Glück einen Sponsor, der mir die materiellen Kosten, also vor allem den Druck der Tafeln, abgenommen hat. Was ich defacto dann wirklich investieren musste war Wissen und Zeit.

Welche Ressonanz bekommen sie von Gästen und Tages-Tourengehern?

RADACHER: Also was ich mitbekomme ist durchwegs positiv. Nachdem der Zugang ja frei ist, man muss nichts für den Pfad bezahlen, gibt es hunderte Leute von denen ich nicht weiß wie es ihnen gefallen hat. Ich weiß noch, dass an einem Nachmittag unser Betriebsleiter in der Nähe des Hochkeils war, und er hat in der Zeit in der er oben war 130 Menschen am Gipfel gezählt. Also denke ich er wird angenommen.

Irgendwann haben Sie das Projekt um eine Lawinentrainings-Fläche erweitert.
RADACHER: Das hat sich eigentlich im ersten Winter bereits angeboten. Die Sicherheitsfragen werden auch auf jeder einzelnen Tafel erklärt, aber ich weiße auf der letzten Tafel auch darauf hin, dass für richtige Touren auch dieses Thema einen großen Stellenwert hat.

Hatten Sie hierfür Partner?
RADACHER: Ja, da war die Bergrettung (Peter Radacher ist selbst aktives Mitglied der Ortsstelle Mühlbach, Anmerkung) eine große Hilfe. Alle Pongauer Ortsstellen haben ein Lawinenpieps-Suchfeld, welches sie uns zur Verfügung gestellt haben. Das steht nun am Fuße des Pfades, und kann kostenfrei genutzt werden. Hier werden auch Bergrettungsübungen veranstaltet. Ich denke, das spricht für die Qualität.

Der Skitouren-Lehrpfad passt ja perfekt ins Gesamtkonzept hier heroben am Hochkönig rund um das Arthurhaus. War es ein logischer Schritt?
RADACHER: Wir versuchen dem Namen „Livingroom Hochkönig“ über all unsere Angebote zu stülpen. Heroben ist dein Natur-Wohnzimmer und dein Lebensraum am Berg. Das Arthurhaus besteht seit 130 Jahren, Salzburgs erste Skischule war hier heroben und die Lifte haben Geschichte. Mit unseren kleinen Schleppliften können wir nicht wirklich mit den großen Skigebieten konkurrieren, deshalb ist unser gesamtes Angebot in die vorhandene Natur integriert. Für den Skitouren-Lehrpfad ist etwa kein einziger Baum umgeschnitten worden. Der natürlich bestehende Weg wird nun lediglich besser genutzt.

Also gab es auch keine Probleme mit dem Wild oder sowas?

RADACHER: Ich denke so wie wir es gemacht haben ist es fast perfekt. Die Tourengeher halten sich an die vorgegebene Strecke, daran gewöhnt sich auch das Wild, und wird somit weniger gestresst. Natürlich führte ich den Pfad nicht an der Wildfütterung vorbei. So entstand ein Mehrwert für jeden Beteiligten.

Autor:

Matthias Leinich aus Pongau

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