Margaretner leben in Baustelle
Wer steckt hinter dem Dauer-Chaos in der Gassergasse 12?
- Die Gänge der Gassergasse 12 sind großteils leer. Wegen der widrigen Lebensbedingungen sind ein Großteil der Mietenden ausgezogen.
- Foto: Nathanael Peterlini/MeinBezirk
- hochgeladen von Nathanael Peterlini
Erneut sollen sich Tauben im Stiegenhaus des Problemhauses in der Gassergasse 12 eingenistet haben. Die Hausverwaltung ist um die Lösung der Probleme bemüht. Der Ursprung aller Probleme: eine nie endende Sanierung.
WIEN/MARGARETEN. Am Geländer im Stiegenhaus der Gassergasse 12 möchte man sich nicht festhalten. Das Holz ist mit Taubenkot verklebt, der Boden macht es ihm nach. Vögel selbst sieht MeinBezirk bei einem Lokalaugenschein keine, doch ein friedliches Gurren verrät ihre Präsenz.
Die Gassergasse 12 gilt seit Jahren als eines der Problemhäuser Margaretens. Der Ursprung allen Übels ist die Sanierung des Gebäudes. Diese wurde vor Jahren losgetreten – und auf halb Weg wieder abgebrochen. Seitdem leben Altmieterinnen und Altmieter auf einer offenen Baustelle.
"Unverzüglich reagiert"
"Das Stiegenhaus ist immer noch mit Taubenkot verdreckt. Erst gestern habe ich wieder ein Taube im Haus gesehen", schreibt eine Person, die MeinBezirk regelmäßig über den Zustand des Hauses informiert. Mal berichtet sie von Tieren, mal von Wasserflecken, mal von behördlichen Kontrollen, mal von den Versprechen der Hausverwaltung.
Die "Rimmo Prime Immobilien" – ehemals als Team Neunzehn bekannt – zeigt sich gegenüber MeinBezirk bemüht. Offenbar wurden Fenster und Türen in den oberen Stöcken durch Wind aufgedrückt, so hätten Tauben den Weg in das Haus gefunden. "Nach Bekanntwerden der Schäden haben wir unverzüglich reagiert und sämtliche erforderlichen Maßnahmen rasch sowie normgerecht umgesetzt", so ein Sprecher der Hausverwaltung.
- Viele der kernsanierten Wohnungen wurden zugenagelt, um Obdachlosen den Zutritt zu versperren.
- Foto: Nathanael Peterlini/MeinBezirk
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Man ließ Türen und Fenster verkeilen und das Stiegenhaus säubern. Doch die Sauberkeit war nicht von Dauer, wenig später meldete die Altmieterin erneut: "Mein Nachbar und ich haben erneut Tauben im Stiegenhaus gesehen."
Insolventer Miteigentümer
Es ist nicht das erste Mal, dass die Tauben ausgesperrt werden, es kam auch schon öfters vor, dass Obdachlose durch die kaputte Haustüre eintraten und sich in den entkernten Wohnungen einhausten. Im Haus herrscht ein reges Kommen und Gehen, eines bleibt gleich: die brache Baustelle.
Die Gassergasse 12 ist auf zwei Gesellschaften aufgeteilt. Der kleinere Teil – darunter das Dachgeschoss – ist im Besitz der "KH1 Immobilienentwicklungs GmbH". Die Gesellschaft ist seit geraumer Zeit insolvent. Das führt laut der Magistratsabteilung 37 – Baupolizei zu bürokratischen Herausforderungen: "Durch die Insolvenz des Miteigentümers bzw. Bauwerbers ist eine Beauftragung durch Bauaufträge derzeit nicht möglich, da eine ordnungsgemäße Zustellung eben nicht erfolgen kann."
"Nur das Dachgeschoss"
Aus dem Büro der Insolvenzverwalterin wird gegenüber MeinBezirk erklärt, das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens sei noch anhängig. Eine Sprecherin betont, die Schuldnerin ist lediglich Minderheitseigentümerin der drei Dachgeschosswohnungen.
- Einzelne Wohnungen sind noch belebt. Rundherum: eine Baustelle.
- Foto: Nathanael Peterlini/MeinBezirk
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Der oberste Stock hätte ausgebaut werden sollen, war aber zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung noch nicht fertiggestellt: "Der Zugang zur Baustelle ist ordnungsgemäß abgesperrt." Die Sprecherin stellt klar: "Sämtliche begonnene Bauarbeiten in den Regelgeschossen des Hauses betreffen die Mehrheitseigentümerin Gassergasse 12 Projektgesellschaft m.b.H.."
Avner Motaev
Hinter der "Gassergasse 12 Projektgesellschaft m.b.H." versteckt sich ein in Immobilienkreisen bekannter Name: Avner Motaev. Er ist Geschäftsführer mehrerer Immobilienunternehmen, viele der Häuser weisen ähnliche Zustände auf. Wieso wurden die Bauarbeiten niedergelegt?Wann wird man sie wieder aufnehmen? MeinBezirk hat versucht, mit Avner Motaev Kontakt aufzunehmen, eine Anfrage wurde aber nicht beantwortet.
Die letzten Bewohnerinnen und Bewohner der Gassergasse 12 harren weiter aus. Einige sind wegen der widrigen Zustände ausgezogen. Ob sich demnächst etwas bessern wird, weiß niemand. Die Tauben im Stiegenhaus sollten zumindest bald wieder ausgesperrt werden. Der Hausverwalter teilte MeinBezirk mit, er werde die Meldung der Anrainerinnen und Anrainer prüfen.
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