Ausgrabungsfunde
Historische Schätze aus dem Mattersburger Erdreich
Der Andrang war groß, als in der Bauermühle Mattersburg die Ausgrabungsfunde der letzten Jahre von Dorothea Talaa präsentiert wurden. Vor Ort konnten auch einige Stücke bewundert werden. Daneben teilte die Archäologin spannende Fakten rund um die gefundenen Gräber und Grabbeigaben.
MATTERSBURG. In den Jahren während und nach der Pandemie fanden in Mattersburg immer wieder Ausgrabungen statt, die teilweise spektakuläre Funde ergeben haben. Im Dezember des Vorjahres konnten im Zentrum von Mattersburg beispielsweise Spuren einer Siedlung der Linearbandkeramik des 6. Jahrtausends vor Christus im Rahmen einer von der Stadtgemeinde finanzierten Ausgrabung nachgewiesen werden. Das bislang älteste Grab von Mattersburg, das Grab einer 25- bis 35-jährigen Frau aus der Mitte des 5. Jahrtausends vor Christus, wurde ebenfalls im Dezember 2024 im Zentrum von Mattersburg gefunden. Bei der jungen Frau dürfte es sich um eine Zuwanderin handeln, da die reguläre Bestattungsart der einheimischen Bevölkerung zu dieser Zeit die Brandbestattung ist. Auch Reste von Siedlungen aus der zweiten Hälfte des 5. vorchristlichen Jahrtausends mit zahlreichen Funden konnten mehrfach auf Mattersburger Gemeindegebiet entdeckt werden.
- Dorothea Talaa präsentierte am Donnerstag die Ausgrabungsfunde aus dem Mattersburger Erdreich.
- Foto: Alejandra Ortiz
- hochgeladen von Jennifer Flechl
Brandgräberfeld der Makó-Kultur
Die Besiedlung von Mattersburg setzte sich im 4. Jahrtausend vor Christus fort, wie mehrere ausgedehnte, bäuerlich orientierte Siedlungen der Badener Kultur mit zahlreichen Funden eindrucksvoll belegen. Im 3. Jahrtausend wurde im Gebiet direkt neben der Fußballakademie Burgenland das bislang einzige Brandgräberfeld der Makó-Kultur Österreichs entdeckt. Gräber aus dieser Zeit sind in Österreich ausgesprochen selten. Insgesamt sind nur drei weitere Gräber der Makó-Kultur in Österreich bekannt, davon eines im Burgenland und zwei in Niederösterreich.
- Grab einer 45- bis 55-jährigen Frau mit Reiterfacette. 5. Jahrhundert nach Christus.
- Foto: D. Talaa
- hochgeladen von Jennifer Flechl
Die Menschen, die im Gräberfeld von Mattersburg bestattet wurden, dürften verschiedene Traditionen des östlichen Karpatenbeckens und/oder Schwarzmeergebietes gepflegt haben, da beispielsweise ein ursprünglich aufgestellter Kalksteinblock von beachtlicher Größe das Friedhofsareal von Mattersburg als sakralen Bereich ausgewiesen hat. Eine Gepflogenheit, die zwar häufig im Schwarzmeergebiet belegt, in unseren Breiten aber nicht eindeutig nachgewiesen ist.
- Einige der Stücke gab es auch live vor Ort zu bewundern.
- Foto: Alejandra Ortiz
- hochgeladen von Jennifer Flechl
Funde aus der frühen Bronzezeit
In der frühen Bronzezeit, im 2. vorchristlichen Jahrtausend, scheinen die Zeiten unsicher gewesen zu sein, da die Siedlung von Mattersburg befestigt wurde, wie ein weitläufiger Befestigungsgraben belegt, der im Zuge der Ausgrabungen neben der Fußballakademie Burgenland gefunden wurde. Im Rahmen der Ausgrabungen des Vorjahres konnte der Wirtschaftsbereich der Siedlung der späten Bronzezeit des ausgehenden 2. und beginnenden 1. Jahrtausends vor Christus am Westen des heutigen Ortsgebietes von Mattersburg lokalisiert werden, unter anderem auch mit Keramikgefäßen, die auf Weinkonsum schließen lassen.
- Beraubtes Grab einer 25- bis 35-jährigen Frau. Mattersburg Zentrum. 5. Jahrtausend vor Christus.
- Foto: D. Talaa
- hochgeladen von Jennifer Flechl
Ein bislang unbekanntes Brandgräberfeld der frühen Eisenzeit des 1. Jahrtausend vor Christus mit 22 Gräbern wurde 2022 und 2023 neben der Fußballakademie Burgenland gefunden. Die Gräber waren Familiengräber der lokalen Oberschicht. Sie wurden ursprünglich mit Grabhügeln überdeckt und enthielten reiche Beigaben, unter anderem große Kegelhalsgefäße, die mit Wein gefüllt waren, mit einem Deckel versehen und mit Erdpech abgedichtet wurden, womit ein eindrucksvoller Beweis für beachtliche Weinproduktion und -konsum erbracht werden konnte. Wein war damals offenbar verbunden mit Reichtum und als Symbol der Wiederauferstehung im Jenseits von sakraler Bedeutung.
- Das Interesse an der Präsentation war enorm. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.
- Foto: Alejandra Ortiz
- hochgeladen von Jennifer Flechl
Zugewanderte Familienclans
Eine weitere Ausgrabung des Vorjahres ergab römische Funde im Umfeld der Villa rustica von Mattersburg. Beim völkerwanderungszeitlichen und frühmittelalterlichen Friedhof des 5.-9. Jahrhunderts von Mattersburg konnten zahlreiche Beigaben aus Bunt- und Edelmetall bereits in den Jahren von 2010 bis 2021 neben der S31 ausgegraben werden. Die Siedlungen aus der Zeit des 5.-11. Jahrhunderts konnten teilweise schon in den Jahren 2008 und 2009, im Wesentlichen aber in den Jahren 2022–2024, erforscht werden.
- Fingerring aus Silber mit Clanzeichen in Form einer 8 sus dem Grab einer 25- bis 35-jährigen Asiatin. Mattersburg awarisches Gräberfeld. 591-660 nach Christus.
- Foto: D. Talaa
- hochgeladen von Jennifer Flechl
Womit der Nachweis von immer wieder stattfindenden Migrationswellen aus dem Karpatenbecken, dem Kaukasusgebiet und Zentralasien gelang, deren Zeitpunkt mittels Radiokarbondatierung genauer festgelegt werden konnte. Das Gebiet, aus dem einzelne Familienclans zuwanderten, konnte anhand von Clanzeichen, von Tamgas, die auf Fingerringen der Clanführer angebracht wurden, eingegrenzt werden. Zudem war es möglich, zwei Körperbestattungen des 8. und 9. Jahrhunderts im Jahr 2022 direkt neben der Fußballakademie Burgenland zu entdecken, die offenbar zu einem weiteren frühmittelalterlichen Friedhof gehört haben.
Auch interessant:
MeinBezirk auf
MeinBezirk als
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.