Lange Nacht der Kirchen im Bibelzentrum
Die Bibel hören wie dem Wiener der Schnabel gewachsen ist

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„Ãngfãngen håt s mit den, dåss da Scheff in Himme und d Ead gmåcht håt.“ Mit dem ersten Satz der Bibel beginnt Roland Kadan, Lehrer für evangelische Religion und Latein, seine Lesung aus seinem Buch „Da Josef und seine Briada“.

Das Bibelzentrum in der Breite Gasse hat sich dafür in einen Wiener Heurigen verwandelt: Heurigentische, karierte Tischdecken, kulinarische Schmankerl und Wiener Wein zwischen alten Bibelausgaben, Ausstellungsvitrinen und modernster Museumstechnik.

Dicht gedrängt sitzen die Besucher auf den Heurigenbänken. Schon nach dem ersten Satz wird gelacht. Gott erschafft die Erde und auf den siebten Tag legt er einen besonderen Segen, „weul ãn eam håt a knozt, nåch da gãnzn Håckn, die wås a ghåbt håt.“

Hauptsache: Bibel kommt an

Das Wienerische ist nicht als der charmanteste Dialekt bekannt und doch geht er wie jeder Dialekt zu Herzen, mehr als die Standardsprache. „Er schafft Sprachbilder, überzeichnet, ist drastischer und kantiger. Dialekt kann Dinge so formulieren, wie es keine akademische Übersetzung kann“, sagt Jutta Henner, Leiterin des Bibelzentrums.

Für Roland Kadan begann alles im Elternhaus. Dort vermischte sich bürgerlicher Wiener Dialekt mit dem Slang von Erdberg, dem dritten Wiener Bezirk. Und später, als Lateinlehrer mit den Schülern auf der Suche nach präzisen Übersetzungen, drängte sich das Wienerische immer wieder als die Sprache auf, die dem Urtext am nächsten kommt.

Sängerin Marlis Birkner begleitet die Texte mit klassischem Wienerlied und anderen Mundartliedern. Ihre Interpretation von Reinhard Fendrichs „Vü, vü schöner is des Gfühl“ bietet einen idealen Rahmen für die biblischen Passagen.

Roland Kadan geht es darum, die Aussagekraft des Urtextes möglichst genau zu treffen und mit der Welt des Wienerischen zu verbinden. Er holt die Geschichten „von ihrem Podest, damit sie direkt zu sprechen beginnen“. Besucher Christian Adensamer bestätigt: „Adam und Eva versteht man erst, wenn man die Geschichte im Dialekt gehört hat“.

Zur Autorin

Doris Schmidt ist katholische Theologin und Leiterin von „Movi – das Magazin der Jungen Kirche Wien".

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