Neun Haushalte in Neusiedl bei St. Egyden werden von Wanzen-Armeen heimgesucht
Das große Krabbeln: Wanzenplage in Neusiedl

<f>Helmut Walenta</f> mit Wanzen, Wanzen, Wanzen.
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  • <f>Helmut Walenta</f> mit Wanzen, Wanzen, Wanzen.
  • hochgeladen von Thomas Santrucek

BEZIRK NEUNKIRCHEN. Seit 27 Jahren lebt Helmut Walenta in seinem Häuschen in Neusiedl am Steinfeld, direkt neben dem Föhrenwald. Die vergangenen beiden Wochen wurden dem Pensionisten aber gehörig vergällt. Er konnte sich nicht im Freien aufhalten, ohne von den sogenannten amerikanischen Kieferwanzen besprungen und besprüht zu werden.

Video zum Lokalaugenschein im verwanzten Ortsteil

Es sind nicht ein paar Tierchen, sondern hunderte. – Und die stinken gehörig, wie sich die Bezirksblätter beim Lokalaugenschein mit dem Putzmannsdorfer Biologen Herbert Schramm am 11. Oktober überzeugen konnten.
Selbst während des Interviews hatte Walenta immer zwei oder drei Wanzen am Hemd hängen. Die Tiere sondern dann einen intensiven Geruch ab. Wie sein Haus sind noch weitere acht betroffen.

Wanzenwirt Monokultur

Für Schramm steht fest, dass die Plage in Neusiedl durch den trockenen Spätsommer begünstigt wird. Und auch die Monokultur Föhrenwald begünstigt das Wanzenüberleben. "Ich kann mich nur mit einem Besen gegen die Tiere wehren. Ich habe sie im WC, im Schlafzimmer, am Auto", so Walenta.
Walenta erhofft sich Hilfe, fühlt sich aber bislang von Behörde und Gemeinde schmählich in Stich gelassen. Nun baut Walenta auf Hilfe von höchster Landesstelle – von LH Johanna Mikl-Leitner.

Das sagt der Biologe
Herbert Schramm aus Putzmannsdorf: "Nach Einschleppung durch die Holzwirtschaft gelangte die amerikanische Kiefernwanze ungefähr 2005 von Nordamerika nach Österreich. Diese Wanzenart etablierte sich nach deren Ausbreitung durch ihr hohes Potential an Anpassungsfähigkeit und dem Fehlen natürlicher Fressfeinde schnell als stabile Population. Natürliche Fressfeinde fehlen meist bei erfolgreich eingeschleppten Arten, so anscheinend auch bei dieser Wanzenart. In ihrer ursprünglichen Heimat werden aufgrund natürlicher Feinde nur 10% der Tiere geschlechtsreif, das aber auch nur in intakten Lebensräumen. Als fast ausschließliche Kiefernmonokultur besteht eine hohe Anfälligkeit des Föhrenwaldes für biologische Invasoren, wie diese Wanzenart, da dieser Wald eine geringe Biodiversität aufweist. Man müsste also die Attraktivität des Föhrenwaldes für die Kiefernwanzen reduzieren, indem man einen Mischwald fördert und so zunehmend den Kiefernbestand reduziert, wie es ja durchaus in einigen Bereichen des Föhrenwaldes zwischen Wiener Neustadt und Neunkirchen schon zu beobachten ist. Zur Überwinterung werden gerne, wie man auch bei heimischen Wanzenarten manchmal beobachten kann, geschützte Bereiche wie Gebäude aufgesucht, wo es zu großen Ansammlungen mit bis zu 2000 Tieren kommen kann."

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