„G’scheit g’scheat, g’scheit g’spüt“
Ein Musical über Heimat und Identität
Mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations endete die Uraufführung des Musicals „G’scheit g’scheat, g’scheit g’spüt“, das im Rahmen der diesjährigen Pullenale erstmals gezeigt wurde. Das Stück, eigens für das Festival geschrieben und in Eigenregie vom Künstlerkollektiv „Butz und Reineke“ erarbeitet, überzeugte das Publikum im Oberpullendorfer Rathaussaal mit musikalischer Vielfalt, starken Stimmen und einer spürbar ehrlichen Auseinandersetzung mit Fragen nach Herkunft, Identität und Zugehörigkeit.
OBERPULLENDORF. Im hell erleuchteten Rathaussaal, einem definitiv nicht theatralen Ambiente, entstand, ganz ohne Bühnenlichteffekte, eine unerwartet dichte und authentische Stimmung. Getragen von fünf jungen Darstellerinnen und Darstellern, verband das Stück Dialekt, Musik und Tanz zu einem bewegenden Abend über das Leben junger Burgenländerinnen und Burgenländer zwischen Stadt und Land.
Heimat ist ein Gefühl
Im Mittelpunkt stehen fünf Charaktere, die sinnbildlich für eine Generation stehen, die zwischen Herkunft und Zukunft, Familie und Selbstverwirklichung pendelt. Da ist etwa Peter (Paul Csitkovics), ein Installateur aus Oberpullendorf, der sein Landleben liebt, bis seine Freundin Anna (Ilvy Schultschik) für ein Studium nach Wien zieht und ihn vor die Entscheidung stellt, mitzukommen oder zurückzubleiben.
Der wohlhabende Sören (Fin Holzwart) wiederum flieht vor der Erwartung, die Firma seines Vaters zu übernehmen, und landet im Burgenland, wo er auf die lebenslustige Nanni (Ryta Tale) trifft, eine selbstständige Unternehmerin, die zwischen Freiheit und Bindung schwankt. Penka (Marina Petkov), eine Wienerin mit bulgarischen Wurzeln, ringt mit familiären Erwartungen und der Suche nach einem Platz, an dem sie sich wirklich zu Hause fühlt.
Jede dieser Figuren ist getrieben von der Frage: Was bedeutet Heimat? Ist Heimat ein Ort, eine Sprache, eine Erinnerung? Oder etwas, das man erst dann erkennt, wenn man es verlässt?
- Das Künstlerkollektiv „Butz und Reineke“ überzeugte mit einem eigens für die Pullenale geschaffenen Stück.
- Foto: Rosenberger Victoria
- hochgeladen von Victoria Rosenberger
Wurzeln und kulturelle Vielfalt
Hinter dem Projekt stehen fünf Künstlerinnen und Künstler, die selbst biografisch zwischen Welten leben. Paul Csitkovics, der aus dem Burgenland stammt und heute an der Volksoper Wien tätig ist, entwickelte gemeinsam mit seinem Lebensgefährten, dem norddeutschen Musicaldarsteller Fin Holzwart (Miss Saigon), und den Kolleginnen Ilvy Schultschik, Marina Petkov und Ryta Tale (Ein Käfig voller Narren) das Konzept, die Musik und die Choreografien. Ursprünglich ist das Stück eigens für die Pullenale entstanden, die Gruppe kann sich aber gut vorstellen, dieses auch an anderen Orten aufzuführen.
Das Ensemble widmet sich in seinem Werk auch der sprachlichen Identität des Burgenlands. In 15 eigens komponierten Liedern werden burgenländische Dialekte ebenso hörbar wie ungarische, kroatische, bulgarische und norddeutsche Sprachfarben.
Das Stück endet, wie es begonnen hat, mit dem Lied „Da bin i daham“. Jeder der Figuren findet am Ende seinen Weg: ob in Wien, im Burgenland oder in Frankreich, die Heimat „Oberpullendorf“ bleibt.
Auch interessant:
MeinBezirk auf
MeinBezirk als
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.