Nach ersten Messungen
Vorerst kein relevantes Gesundheitsrisiko durch Asbest
- Am Donnerstagnachmittag lud die Asbest-Taskforce Journalisten zu einem Hintergrundgespräch.
- Foto: Franz Tscheinig
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Nach dem von der Umweltorganisation Greenpeace ausgelösten Asbest-Alarm hat die vom Land Burgenland eingesetzte Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“ in dieser Woche ihre Arbeit aufgenommen und bereits einen ersten Durchgang an Luftmessungen abgeschlossen. An insgesamt neun Messpunkten, an denen zuvor Greenpeace Gesteinsproben entnommen hatte, wurden keine Hinweise auf ein relevantes Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung festgestellt, so die Fachleute.
OBERWART. "Die Erstmessungen zeigen, was wir bereits erwartet haben", erklärt der Leiter der Taskforce, Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien. Die gemessene Freisetzung von Asbestfasern liege innerhalb der üblichen Schwankungsbreite und entspreche dem natürlichen Hintergrundniveau, das in geologisch entsprechend geprägten Regionen wie dem Rechnitzer Fenster bekannt sei. Eine abschließende Bewertung sei jedoch erst nach Vorliegen aller Messergebnisse möglich.
- Laut Umweltmediziner Hans Peter liegt Faserfreisetzung in der üblichen und erwarteten Schwankungsbreite. Weitere Messungen sollen Klarheit bringen.
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Langfristige Messungen notwendig
Da die Freisetzung von Asbestfasern stark von Witterungseinflüssen wie Wind, Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängt, sind einmalige Messungen nicht aussagekräftig. Aus diesem Grund werden die Untersuchungen über einen längeren Zeitraum hinweg und unter unterschiedlichen Wetterbedingungen fortgesetzt. Zusätzlich werden Vergleichsmessungen durchgeführt, um die natürlich vorkommende Hintergrundbelastung korrekt einzuordnen. Die Fachleute wollen bis Ende des Sommers aussagekräftige Ergebnisse liefern, hieß es beim Hintergrundgespräch am Donnerstag.
Unterstützt wird die Messstrategie durch Ausbreitungs- und Modellrechnungen nach aktuellen wissenschaftlichen Standards. Neben den bereits festgelegten Standorten sollen weitere Messpunkte hinzukommen. Welche Orte dafür geeignet sind, entscheidet die Taskforce auf fachlicher Basis.
- Taskforce-Mitglieder: Michael Kochberger, gerichtlich zertifizierter Asbest-Sachverständiger und Mediziner Hanns Moshammer, stellvertretender Leiter der Taskforce (v.l.).
- Foto: Franz Tscheinig
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Nur problematisch, wenn Fasern freigesetzt werden
Der stellvertretende Leiter der Taskforce, Mediziner Hanns Moshammer, betont, dass eine mögliche Gefährdung ausschließlich durch in die Luft freigesetzte, lungengängige Asbestfasern entsteht. "Das bloße Vorhandensein asbesthaltiger Materialien stellt grundsätzlich noch keine Gesundheitsgefahr dar", so Moshammer. Die bisherigen Messwerte lägen allesamt unter den Richtwerten, an denen sich die Taskforce orientiert.
Proben in Steinbruch Pilgersdorf entnommen
Mittlerweile hat die Taskforce auch damit begonnen, die vier nach wie vor behördlich gesperrten Steinbrüche zu untersuchen. Am Donnerstag war man etwa im Steinbruch Pilgersdorf, die dortigen Probenentnahmen würden nun im Labor analysiert. Nächste Woche nehme man sich die drei weiteren Steinbrüche vor. Es gehe dabei neben dem Schutz der dort beschäftigten Arbeitnehmer auch um die angrenzenden Gemeinden. Bis Ergebnisse vorliegen, dürfte es jedenfalls noch etwas dauern. Wann und unter welchen Auflagen in den Steinbrüchen wieder gearbeitet werden darf, liegt an den Behörden. Zumindest einer der Steinbrüche wehrt sich derweilen mit einer Klage gegen die behördliche Schließung.
Gemeinden können Messpunkte vorschlagen
Wie der stellvertretende Landesamtsdirektor Andreas Temmel erläutert, können Gemeinden weitere Standorte auf öffentlichem Grund für Messungen vorschlagen. Ob eine Messung dort sinnvoll und aussagekräftig ist, wird vorab von den Experten geprüft. Luftmessungen können ausschließlich auf öffentlichem Gut und bei entsprechender Zweckmäßigkeit durchgeführt werden.
- Greenpeace stellte in mehreren Proben asbestbelastetes Material fest.
- Foto: Greenpeace/Mitja Kobal
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So wird gemessen
An den ausgewählten Standorten kommen jeweils drei Standgeräte zum Einsatz, die über acht Stunden hinweg Außenluft ansaugen. Zusätzlich werden an stark frequentierten Orten sogenannte Personalsamples durchgeführt. Die Luft wird dabei über einen Goldfilter geleitet, die gesammelten Fasern anschließend mittels Rasterelektronenmikroskop analysiert und gezählt. Grundlage sind international anerkannte Normen (ISO 14966, VDI 3492).
Um reale Nutzungsszenarien abzubilden, werden Messungen teils unter simulierten Bedingungen vorgenommen, etwa durch den Einsatz von Lkw-Verkehr in Gewerbegebieten. Erste Zwischenergebnisse können innerhalb eines Monats vorliegen, eine vollständige Bewertung ist jedoch erst nach Abbildung eines gesamten Jahresverlaufs möglich.
- Ein betroffener Standort befindet sich bei der Klinik Oberwart. Greenpeace fordert Maßnahmen.
- Foto: Greenpeace/Mitja Kobal
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Gesteinsproben allein nicht entscheidend
Die Fachleute weisen darauf hin, dass der Nachweis einzelner Asbestfasern in Gesteinsproben nicht automatisch auf eine Gesundheitsgefährdung schließen lässt. Entscheidend ist, ob und in welchem Ausmaß Fasern tatsächlich in die Luft gelangen. Aussagekräftige Ergebnisse erfordern standardisierte Probenahmen, normgerechte Analysen und eine quantitative Bewertung.
Fachlich breit aufgestellte Taskforce
Die Taskforce "Vorsorgeabklärung Luftqualität" setzt sich aus Experten aus Umweltmedizin, Wissenschaft, Verwaltung und Recht zusammen. Ziel ist es, die Messergebnisse fachlich korrekt einzuordnen und der Bevölkerung eine fundierte, transparente Grundlage für die gesundheitliche Bewertung zu liefern.
Greenpeace: Risikolage bleibt
Dass bisher an den überprüften Orten anscheinend nur geringe Werte festgestellt werden konnten, bedeute keineswegs eine Entwarnung, reagiert Greenpeace auf die ersten Ergebnisse. Die derzeit feuchte Witterungslage lasse keine verlässliche Risikobewertung zu.
Auch ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits warnt davor, die aktuellen Messergebnisse falsch zu interpretieren: „Diese Luftmessungen sind lediglich eine Momentaufnahme unter begünstigten Bedingungen. Tatsache ist, dass Asbestfasern in den Proben nachgewiesen wurden. Selbst die Taskforce relativiert in ihrer Stellungnahme die Aussagekraft der Ergebnisse.“ Im von der Volkspartei eingeforderten Sonderlandtag am 16. Februar werde man zudem klar die politische Verantwortung aufarbeiten müssen und die Frage stellen, wie es überhaupt so weit kommen konnte.
Die FPÖ sprach bereits am Mittwoch von einer erklärungsbedürftigen Situation, die viele Menschen im Burgenland verunsichere. Es brauche eine seriöse Aufarbeitung, fordern die Freiheitlichen.
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