Otto Wagner Areal Steinhof
Sperrzone Otto Wagner Areal - wie weit fliegen Coronaviren?

Die im Jugendstil gestaltete Otto Wagner Kirche befindet sich seit rund 19 Monaten im "Sperrgebiet" und darf nicht besucht werden.
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  • Die im Jugendstil gestaltete Otto Wagner Kirche befindet sich seit rund 19 Monaten im "Sperrgebiet" und darf nicht besucht werden.
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  • hochgeladen von Gerhard Hertenberger

Eine subjektive Analyse

Als im März 2020 Österreich durch einen COVID-19-Lockdown fast völlig zum Stillstand kam, wurde auch das Otto Wagner Areal am Steinhof in Wien-Penzing zum Sperrgebiet erklärt, um den restlichen noch nicht abgesiedelten Spitalsbetrieb vor Ansteckung zu schützen. Naja, nicht das ganze Areal: Im Ostteil, wo die GESIBA mitten im Jugendstil-Gesamtkunstwerk eher schlichte Neubauten errichtet, galt damals kein Lockdown. Die dortigen Arbeiter waren, wenige Meter vom Pavillon 23 entfernt, in dem psychisch beeinträchtigte Straftäter behandelt werden, sogar in jenen Wochen tätig, als große Baukonzerne wie PORR ihre Baustellen längere Zeit stilllegten.

Als im Sommer 2020 in Wien zeitweise eine gewisse Normalität einkehrte, blieb das Otto Wagner Areal weiterhin Sperrzone. Und auch im Sommer 2021 wunderten sich viele Menschen, dass einerseits am 2. Juli 2021 am Karlsplatz zehntausend Jugendliche dichtgedrängt dem Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, dem Rapper Yung Hurn, dem Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein und einigen anderen Personen zuhören konnten, und einige Wochen später sogar insgesamt 145.000 Zuschauer am Red Bull Ring in Spielberg beim Motorrad-Grand Prix versammelt waren - dass aber das Durchqueren des Otto Wagner Areals mit seinen teilabgesiedelten Spitalspavillons auch für geimpfte oder getestete Einzelpersonen bis heute verboten bleibt. Auch die Bezirkszeitung berichtete ja am 24. August über die noch immer andauernde Sperre.

Welches Stadtrat-Ressort ist zuständig?

Als Biowissenschaftler bin ich mit dem Thema der Übertragung von Viren einigermaßen vertraut. Bei allem Verständnis für eine gewisse Corona-Prävention in einem Grünbereich mit (teilabgesiedelten) Spitalspavillons ist mir klar, dass ein Spaziergänger, der die Steinhofgründe oberhalb des Otto Wagner Areals oder die Otto Wagner Kirche besucht hat und durch die Mittelachse hinunter zum Autobus geht, niemanden gefährdet. Die Pavillons sind teilweise schon leer, um für die Privatuniversität CEU („Soros-Uni“) umgebaut zu werden. Überdies stehen sie so weit von einander entfernt, dass ein Flug von Viren aus der Nase eines Spaziergängers über 30 oder 40 Meter Distanz und dann durch ein womöglich geschlossenes Fenster erfolgen müsste, um (großteils nicht mehr anwesende) Patienten im Inneren der Pavillons anzustecken.

Neugierig erkundigte ich mich am 24.8. telefonisch bei der Pressestelle des zuständigen Gesundheitsstadtrates Peter Hacker, warum das Otto Wagner Areal immer noch Sperrgebiet sei, und ob ein Ende der Sperre schon absehbar ist. Einer der drei Pressesprecher des Stadtrates vermutete, dass die Sperre mit Bauarbeiten in den Pavillons für die CEU-Privatuniversität zusammenhänge und schlug vor, dass ich mich an das für die CEU zuständige Büro von Finanz-Stadtrat Peter Hanke wenden solle. Da ich diese Annahme für definitiv unzutreffend hielt, ersuchte ich den Pressesprecher, beim Herrn Stadtrat nachzufragen, was der tatsächliche Grund für die Sperre sei, ob es nicht doch mit COVID19 zusammenhänge. Der Pressesprecher betonte, es gäbe von Hackers Ressort definitiv keine Sperre des Areals. Er notierte sich, welcher Bereich von der Sperre erfasst sei und versprach, sich zu erkundigen und binnen drei Tagen rückzurufen.

Es kam kein Rückruf, und obwohl sein Mitarbeiter ihm per Mail und Zettel mein Ersuchen um Rückruf dreimal mitteilte, blieb das Pressesprecher-Handy auf Mobilbox geschaltet. Meine Bitten per Mobilbox um Rückruf wurden ignoriert. Nach zehn Tagen beschloss ich, diesen Text ohne Stellungnahme des Stadtratbüros fertigzustellen, jedoch (entgegen der üblichen Gepflogenheiten) die Kommunikation mit dem Pressesprecher zu schildern. In meinen bald 20 Jahren als Publizist für diverse Print- und Onlinemedien habe ich immer wieder erlebt, dass ich auf ein „heißes“ Thema stoße, wenn Pressesprecher plötzlich unerreichbar sind.

Virus-Einschleppung?

Aus Kreisen des Gesundheitsverbundes (früher Krankenanstaltenverbund) weiß ich, dass die Sperre „von oben“ angeordnet wurde. Im Rahmen meiner diversen Erkundigungen erhielt ich von einer Privatperson ein interessantes Schreiben. Die Dame zitierte bereits am 14.8.2021 in einem Schreiben an das Stadtratbüro Hacker einen ORF-Bericht desselben Tages, demzufolge Bauarbeiter im Otto Wagner Areal nun die Fassaden zweier leerer Pavillons für die CEU restaurieren. Sie fragte, welche Gründe für die Sperre des Areals ausschlaggebend seien. Die Antwort kam nicht vom Stadtratbüro, sondern von einem ihm unterstellten Beamten des Gesundheitsverbundes. Dieser schrieb im Auftrag des Stadtrates, dass die sogenannte „COVID19-Schutzmaßnahmenverordnung in der geltenden Fassung“ die „Einschleppung des Virus in das Krankenhausareal“ minimieren solle. Deshalb sei der Zutritt ins Areal nur aus „zwingenden Gründen“ und nur durch den Haupteingang möglich. Die Dauer der Zutrittskontrolle bleibe solange aufrecht, wie es [...] erforderlich sei.

Mit anderen Worten: Die Sperre ist vorerst unbefristet. Falls uns trotz großflächiger Impfkampagne eine gewisse Zahl von Corona-Erkrankungen noch Monate oder Jahre begleiten sollte, wird der Besuch der wundervollen Otto Wagner Kirche (die im Sperrgebiet liegt) und das Durchqueren des Areals von Leuten, die aus den Steinhofgründen kommen, weiterhin verboten bleiben. Für die vielen Arbeiter beim künftigen Umbau der leeren Pavillons im Auftrag der Privatuniversität gilt vermutlich eine Sonder-Betretungserlaubnis, die sich auf den oben erwähnten „zwingenden Grund“ bezieht.

Ich hätte gerne erfahren, ob das Stadtratbüro eine Übertragung von Viren über -zig Meter Distanz von außen bis ins Innere der (teilweise leeren) Pavillons tatsächlich für plausibel hält. Beruflich hatte ich (als Publizist) fachlich mit Immunologen und Managern einer Impfstofffirma zu tun, auch bin ich selbst gegen COVID19 geimpft und halte diesen neuartigen Erreger für durchaus gefährlich für manche Menschen. Trotzdem ist die Sperre des Areals über nun schon rund 19 Monate recht ungewöhnlich - insbesondere, da sich auch vor der Sperre niemals viele Menschen im weitläufigen Gelände aufgehalten haben (siehe beigefügte Fotos aus der Zeit vor der Pandemie).

Das Gefährdungspotenzial von Denkmalschutzexperten

Misstrauische Anrainer vermuten sogar, dass nicht eine gut gemeinte, vielleicht etwas überschießende Vorsicht die Ursache der Sperre ist, sondern dass der vielfach kritisierte geplante Umbau der denkmalgeschützten Jugendstil-Pavillons öffentlich nicht allzu sichtbar sein soll. Immerhin sind auf jener Seite der Pavillons, die der Otto Wagner Kirche zugewendet ist, größere Flächen für moderne Zubauten im Flächenwidmungsplan vorgesehen, zusätzlich gibt es ein Grünareal, unter dem laut neuer Widmung eine große Tiefgarage für CEU-Mitarbeiter errichtet werden kann.

In diesem Zusammenhang wundert mich auch, dass zwar von einer größeren Zahl von Baustellenarbeitern offenbar keine substanzielle Gefahr für die noch nicht abgesiedelten Spitalsbereiche ausgeht, von einem einzelnen Weltkulturerbe-Experten hingegen schon. Seit Jahren wird von verschiedenen Seiten gefordert, das Otto Wagner Areal Steinhof als Kandidat für eine UNESCO Welterbestätte einzureichen, um weitere allzu brutale Baumaßnahmen zu verhindern, wie sie bereits im Ostteil passiert sind. Bereits Anfang 2020 wurde daher beschlossen, dass ein einzelner (!) Experte des Internationalen Rates für Denkmalpflege „ICOMOS“ das Areal besichtigen solle. Am 1. Juli 2021 teilte Kulturminister Werner Kogler dem Parlament in einer Anfragebeantwortung mit, dass der am 8. April 2020 angekündigte Besuch dieses Experten bis jetzt „pandemiebedingt“ nicht möglich war, jedoch „im Idealfall“ im Spätsommer oder Frühherbst 2021 stattfinden werde.

Falls sich der Pressesprecher aus dem Stadtratbüro doch noch meldet, werde ich berichten.

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