22.02.2014, 16:40 Uhr

"Ski Heil" garantiert Gänsehaut

Hoch hinaus ging es kürzlich für die Besucher des Dieselkinos in Bruck - im Rahmen der Bergfilmwoche wurden mehrere hochspannende Movies gezeigt. Darunter auch eine Produktion „made in Pinzgau“. Denn: Der Streifen „Ski Heil - Die zwei Bretter, die die Welt bedeuten“ stammt von dem Saalfeldner Richard Rossmann. Es ist der erste unabhängige Dokumentarfilm des Pinzgauer‘s und wurde in Paris und den USA ausgezeichnet. Mit „Tagaus, tagein“ und mit „Max und die Anderen“ hat Rossman inzwischen mit zwei spannenden Dokus nachgelegt, nichtsdestotrotz bergeistert sein erster Film nach wie vor - das merkte man bei seinem „Heimspiel“ – es „knisterte“ im Kinosaal in Bruck.

Zum Film: Volkssport, Wettkampfdisziplin und Tourismus-Attraktion: Skifahren ist heute selbstverständlich, doch das war nicht immer so. „Vor 80 Jahren donnerten vier österreichische Buben auf selbstgezimmerten Eschenbrettern die verschneiten Berge hinunter, brachten es zu ersten sportlichen Erfolgen und wurden damit zu den Mitbegründern einer Massenbewegung. ,Ski Heil‘ ist eine persönliche Reise durch das Leben meines Vaters Richard Rossmann und seiner Skifahrerkollegen Karl Koller, Eberhard Kneisl und Guzzi Lantschner. Der Film erzählt von ihren Pioniertaten, ihrer gemeinsamen Liebe zum Skisport und zu den Bergen, die sie ihr Leben lang begleitete, ihnen ein Tor in eine schillernde Welt öffnete und ihnen manchmal half, persönliche und politische Abgründe zu überbrücken. Vom Privatskilehrer Albert Speers, zu Mitgliedern der Olympischen Skimannschaft 1936, zum Student an der Reichsakademie in Berlin, zum Kameramann von Leni Riefenstahl, bis hin zu den Neugründern des österreichischen Skischulwesens nach dem Krieg - das Schicksal der vier Sportler war von Anfang an eng mit der österreichischen und deutschen Zeitgeschichte verbunden“, erzählt Richard Rossman. „Ski Heil“ ist ein Film über Leidenschaft und Verdrängung, über Menschen und ihre Werte, die aus heutiger Sicht schwer einzuordnen sind. Die Tourismusregion Pinzgau lebt großteils vom Skisport - Rossman ist es in einmaliger Art und Weise gelungen, den Beginn des Sports auf die Leinwand zu brigen, authentisch und mit Gänsehaut-Garantie.

Original-Interview zwischen Filmemacher Richard Rossmann und seinem Vater Richard Rossmann sen. in Saalfelden:

Richard Rossmann: Du warst gemeinsam mit Eberhard Kneisl in der österreichischen Olympiamannschaft. Warum durftet ihr nicht starten?
Richard Rossmann sen: Wir sind schon hinaus gefahren nach Garmisch zum Training. Auf das Kreuzeck, wo die Abfahrt war. Ich bin schon zwei, drei Mal die Abfahrt gefahren, zum Training. Zwei Tage später hat es geheißen: “Wir müssen Heim fahren, wir dürfen nicht starten.” Und zwar deswegen, weil die Deutschen gesehen haben, dass sie keine Chance hätten. Die haben zwar damals gute Leute gehabt. Das war der Pfnür aus Berchtesgarden. Er war der Einzige, der eine Chance gehabt hätte. Aber er hätte natürlich gegen unsere Mannschaft, gegen Leute wie die Öztaler, wie den Josl Gstrein oder den Eberhard Kneisl, keine Chance gehabt. Wir hätten alles gewonnen. Die FIS, dieses Gremium aus lauter neutralen Staaten, hat über einen Antrag der Deutschen, der Nazis beschlossen, dass die Österreicher nicht starten dürfen. Es ging jedoch darum, dass Deutschland sonst niemals die Olympiade gewonnen hätte. Weil wir unter der Woche als Skilehrer 6 Schilling verdient haben, galten wir als Profis. Der Pfnür hat dann gewonnen. Den Toni Seelos haben sie eingeladen als Vorläufer zu fahren. Und da ist er laut Aussagen unserer Leute 6 Sekunden schneller gefahren als der Olympiasieger Pfnür."

Richard Rossmann: Und ist das noch irgendwo aufgetaucht?
Richard Rossmann sen: Das hat man gewußt in Skiläuferkreisen. Das wurde natürlich schon kolportiert. Aber das haben sie geheim gehalten. In der Zeitung haben sie das nicht geschrieben. “Deutschland hat die olympischen Spiele im alpinen Skilauf gewonnen!” Das stand drin.

Richard Rossmann: Hatte Österreich beim olympischen Komitee Einspruch eingelegt?
Richard Rossmann sen: Bei den Nazis hast keinen Einspruch erheben können, die haben dich über die Grenze hinaus gejagt.

Richard Rossmann über seine Kenntnisse von Konzentrationslagern als Heeresbergführer in den Alpen

Richard Rossmann: Was wußtet ihr in den Bergen von den Konzentrationslagern? Hast du mit deinen Kameraden darüber gesprochen?
Richard Rossmann sen: Der Söllner hat mir was erzählt. Er war einmal eine Zeit lang als Sanitäter in Russland. Er war Sanitätsfeldwebel. Und dort ist er abkommandiert worden zu einem Erschießungskommando von der SS. Da haben sie Juden in Lastwägen hingefahren. Sie haben sie an einer Schottergrube am Rand hinknien lassen. Einen neben dem anderen. Dann sind sie entlang gegangen mit Kleinkaliberpistolen: Die 22 Langlöffel, die haben sie ja gehabt. Eine ganz gemeine Waffe! Und haben die Juden mit Genickschuss reingeschossen, so dass sie vornüber hinein gefallen sind. Wenn der den nicht genau in der Mitte erwischt hat mit der kleinen Patrone, dass die Wirbelsäule kaputt war, dann hat er daran vorbeigeschossen, und da heraus! Und die Leute sind da unten gelegen, haben geschrieen und sich gewunden. Und da hat er zuschauen müssen. Komischerweise haben sie ihn als Sanitäter hingestellt, obwohl er gar nicht bei der SS war. Und er musste für den Fall, dass den Schützen etwas passiert, für den Fall musste er da mitgehen. Er hat gesagt, das war furchtbar. Das war das erste Mal, dass ich so etwas gehört habe, dass sie die Juden da in Russland so ausrotten. Die haben ja ganze Dörfer ausgerottet. Frauen und Kinder. Alles! Ich meine, sie waren schon Dreckschweine.

Richard Rossmann: Was ging in dir vor, als du diese Geschichte gehört hast?
Richard Rossmann sen: Ja, ich habe sie wieder vergessen, weil du hast ja nichts anderes tun können. Ich habe es ja nicht ändern können. Wir haben es erst dann
ändern können, als die Amerikaner einmarschiert sind, und die anderen abhauen mußten.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.