Unser Forstau
Sehnsuchtsort Forstau beflügelt die Fantasie

Die alte Schule in Forstau ist für Mignon Kleinbek ein wichtiger Handlungsort der Wintertöchter Trilogie.
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  • Die alte Schule in Forstau ist für Mignon Kleinbek ein wichtiger Handlungsort der Wintertöchter Trilogie.
  • Foto: Kleinbek
  • hochgeladen von Anita Marchgraber

Die kleine Gemeinde Forstau an der Grenze zwischen Salzburg und der Steiermark wurde von der Deutschen Autorin Mignon Kleinbek als Schauplatz ihrer "Wintertöchter" Trilogie gewählt. Die Bezirksblätter Pongau trafen sie zum Interview.

FORSTAU. In gleich drei Büchern wird Forstau zum Schauplatz einer fantastischen Familiengeschichte. Bei einem Kurzbesuch im Pongau hatten die Bezirksblätter die Möglichkeit mit der Autorin von "Wintertöchter" Mignon Kleinbek über ihre Bücher und Forstau zu sprechen.

BEZIRKSBLÄTTER: Forstau ist eine sehr kleine Gemeinde, welchen Bezug haben Sie zu ihr?
MIGNONG KLEINBEK: Die Forstau ist bezaubernd schön und ich war schon viele Male da, das erste Mal mit drei oder vier Jahren. Meine Familie und ich haben oft dort Urlaub gemacht, zum Wandern und Skifahren. Wir wohnten immer privat und die Menschen wurden zu Freunden und Wegbegleitern. Als Kind war ich oft im Stall dabei – mir gefiel das ländliche Leben. Wie auch, dass die Bäuerin mich in der Rauhnacht zum Räuchern mitnahm oder ich bei ihr in der Küche sitzen durfte.

"Juli Hohenwallner war mir eine liebe Freundin und die Romane sind ihr gewidmet."Mignon Kleinbek

    
    
    
Was bewegte Sie ihre Geschichten hier anzusiedeln?
Der Reiz besteht für mich darin, dass sich das Dorf in den fast fünfzig Jahren kaum verändert hat. Natürlich ist vieles modern geworden und auf den Tourismus zugeschnitten, aber Bräuche und Traditionelles wurden eben auch bewahrt und gepflegt. Durch unsere Gastgeber kamen wir in Kontakt zu anderen Forstauern, besuchten die Höfe und durften einen Blick in deren Leben tun. Und ich mag die herzlichen Menschen. Als die Geschichte um Anna in meinem Kopf entstand, war sie sofort in der Forstau angesiedelt. Es passte einfach alles, die Plätze, die Höfe, die schöne Gegend. Warum sollte ich mir also etwas ausdenken, das es schon gibt? Wobei mich die Beschreibung der Örtlichkeiten schon manchmal geradezu herausforderte, denn wenn man reale Schauplätze hernimmt, muss halt alles originalgetreu passen.

Wie reagierten die Forstauer als Sie ihre Idee bekannt gaben?
Bevor ich damals mit dem Schreiben loslegte, nahm ich Kontakt zum damaligen Amtsleiter Robert Ertl auf. Fragte vorsichtig nach, ob er überhaupt damit einverstanden ist, dass ich meinen Roman in der Forstau anlege. Ich traf auf offenen Türen und ganz großartige Unterstützung. Herr Ertl und auch einige ältere Forstauer versorgten mich mit Informationsmaterial und Erlebnissen aus ihrer Erinnerung. Dafür bin ich sehr dankbar, denn dadurch durfte die Erzählung auf einem echten Hintergrund fußen.

Welche Plätze in Forstau inspirierten Sie zu den Schauplätze in ihrem Buch?
Zuerst einmal natürlich der Haindlhof, der in der Trilogie seinen Namen behalten durfte. Das schöne Bauernhaus der Familie Hohenwallner – übrigens eins der ältesten in der Forstau – hat schon immer meine Fantasie beflügelt. Auch dort wurde sehr behutsam modernisiert, um seine Atmosphäre zu bewahren. Der Haindlhof erzählt Geschichten und er ist wunderschön. Deshalb darf meine Barbara, eine der Hauptfiguren aus "Wintertöchter", dort leben. Der zweite wichtige Schauplatz ist eine Alm in Forstau, im Roman der Julianenhof und Anna Hohleitners Refugium. Er liegt weit über dem Dorf, dort ist man dem Himmel ganz nah. Ich durfte dort für eine Woche wohnen; die urige Almhütte war wie eigens gemacht für meine Erzählung.
Dann der Forstauer Wirt in der Dorfmitte, das alte Schulhaus am Kirchbichl, die St. Leonhard Kirche, der Friedhof und die Lourdes Kapelle. Das alles sind weitere Handlungsorte, bilden die Bühnen für das Geschehen ab. Auch eine Wandertour zu den Giglach-Seen und in die Zinkwand fehlt nicht.

Wie wurden die Bücher in Forstau angenommen? 
Die Wintertöchter-Saga ist natürlich längst in Forstau angekommen und wird fleißig gelesen. Der Tourismusverband hat immer Exemplare zum Verkauf ausliegen. Es macht mich glücklich, dass mir gerade aus Forstau so unglaublich viel Akzeptanz und Unterstützung entgegengebracht wird. Die Rückmeldungen sind durchwegs mehr als positiv. Es ist ja schon ein Wagnis, als deutsche Schriftstellerin über Österreich zu schreiben; diese Verantwortung war mir zu jeder Zeit und sehr bewusst. So habe ich keine Personen abgebildet, die dort leben, geschweige denn gebräuchliche Namen verwendet. Letzten Monat erhielt ich eine persönliche Nachricht von einer Forstauerin, die mich sehr gerührt hat. Sie bedankte sich, dass sie manche Plätze ihres Heimatorts nun mit anderen Augen betrachtet. Solche Feedbacks sind wundervoll.

"Dialekt habe ich mir möglichst verkniffen. Ich wollte so schreiben, dass es jeder verstehen kann und ich wollte auch nicht in die Heimatroman-Ecke abrutschen." – Mignon Kleinbek

Haben Sie ihre Bücher dort selbst vorgestellt?
Letzten Sommer durfte ich im Rahmen eines Frauenfrühstücks in Forstau eine Autorenlesung halten. Ich war ehrlich überrascht von der großen Zahl Forstauerinnen, die kamen. Das war ein besonders schönes Erlebnis und ich erlebte in den Gesprächen berührende Momente. Ich glaube, die Forstauer sind fast ein bisschen stolz, dass es eine Geschichte gibt, die bei ihnen spielt. Mein großer Dank gilt vor allem ihnen, weil sie meine Erzählung, und damit auch mich, mittragen.

"Wenn man so etwas abliefert gibt man auch etwas von seiner eigenen Haut dazu." – Mignon Kleinbek

Würden Sie ein wenig aus der Geschichte der „Wintertöchter“ erzählen?
Die Erzählung beginnt in den Kriegsjahren und spannt den Bogen über Annas Leben. Eine Generationengeschichte, die von der Geburt – in den Kriegswirren 1940 – bis ins Jahr 2005 reicht.
Anna ist ein besonderes Kind, sie trägt die Gabe ihrer Vormütter. Sie kann schmecken, mehr als andere Menschen, sieht, wie Dinge entstanden sind oder wer sie berührt hat. Ein wundersames, aber auch gefährliches Vermächtnis. Anna wächst ohne Vater auf, behütet von ihrer Mutter Marie und der Tante Barbara, die die Hebamme im Ort ist. Barbara unterweist das Mädchen in der Ausbildung der Gabe und Anwendung der Heilkunst. Annas Zukunftspläne werden von äußeren Zwängen durchkreuzt, von der Erkrankung und frühen Tod der Mutter, vom Missbrauch durch den Stiefvater.

Wie kamen Sie auf die Idee die Familiensaga um ein fantastisches Element zu erweitern?
Ich kann das nicht an einem Punkt oder Erlebnis fest knüpfen. Tatsächlich gibt es Menschen mit ähnlichen Fähigkeiten. Als ich das recherchiert und mich in das Thema Synästhesie eingelesen hatte, war sofort klar, dass dies genau die Komponente war, die meiner Figur noch fehlte.
Die Gabe ist Annas zweites Ich.

Dennoch handelt es sich nicht um einen Fantasy-Roman...
Annas reales Leben spielt ja in einem begrenzten Raum, auf der Alm, im Haus der Tante, im Tun mit den Heilkräutern. Stets im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten, aber einsam. Mir lag daran, das harte und karge Leben der Almbauern darzustellen, das Eingeschlossensein im Winter, die wenigen sozialen Kontakte. Fast notgedrungen bringt solch ein Leben mit sich, dass man allein mit allem, auch mit sich selbst, fertigwerden muss. Die Gabe stellt dem eine extreme Komponente entgegen. In ihren Visionen erlebt Anna, was die Realität ihr nicht bieten kann. Und erst darin erkennt sie, was sie vermag, im Guten und im Bösen. Bei aller Mystik hielt ich die Geschichte hart am Rand zur Realität. Daher zählen die Wintertöchter eher nicht ins Genre Fantasy.

Mit der Autorin unterwegs

Zur Autorin

Mignon Kleinbek, Jahrgang 1964, ist ausgebildete Erzieherin und hat vor der Wintertöchter Trilogie bereits zwei erfolgreiche, autobiografische Bücher über ihre Rheuma-Erkrankung („Nach Oben“, 2015 und „Bähmulle“, 2016) veröffentlicht. Die Romantrilogie „Wintertöchter“ ist ihr erstes belletristisches Werk. Kleinbek lebt mit ihrem Mann und zwei erwachsenen Söhnen, ohne die Nichts von alle dem möglich wäre, im baden-württembergischen Enzkreis bei Pforzheim.
Die Bücher "Wintertöchter – Die Gabe", "Wintertöchter – Die Kinder" und "Wintertöchter – Die Frauen" sind im Pinguletta Verlag erschienen und über den Buchhandel beziehbar.

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Autor:

Anita Marchgraber aus Pongau

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