Mythos Hochquellenwasser

Franz Dinhobl, Geschäftsführer EVN-Wasser in einem Hochbehälter
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Seit dem großen Rohrbruch im Herbst kommt das Wasser für Mauerbach, Gablitz und weite Teile von Purkersdorf aus einem Brunnen südlich von Krems. Viel wird nun über die Qualität gemotzt – wir haben nachgefragt.

PURKERSDORF/GABLITZ/MAUERBACH (ae). „Meine Katze trinkt das Wasser nicht.“ „Meine Pflanzen gehen ein.“ „Der Chlorgeruch ist ekelerregend, ist das wirklich genießbar?“ „Die Gemeinde soll endlich was tun, damit wir wieder unser wunderbares Hochquellenwasser bekommen.“ Zu diesen Auszügen aus verschiedenen Facebookpostings haben die Bezirksblätter bei der EVN nachgefragt – die als Lieferantin des Wassers und als Besitzerin der Hauptleitungen dafür verantwortlich ist.

Harte Sache

Das Dilemma begann mit einem Rohrbruch unter der B44 auf Höhe Rechenfeldsiedlung in Purkersdorf. Nach mehreren Versuchen einer Sanierung gab die EVN fürs Erste auf und legte diesen Leitungsstrang vorübergehend still – und versorgt seither die Bewohner von Mauerbach, Gablitz und aller Siedlungsteile von Purkersdorf, die unterhalb dieses Bereichs liegen, mit Wasser von ihrem Brunnenfeld in Palt südlich von Krems. „Das Wasser hat einen Härtegrad von derzeit rund 13,8 Grad dH – was gar nicht so dramatisch vom Wiener Hochquellenwasser abweicht, das bei 8 Grad liegt. Zum Vergleich: 60 Prozent der NÖ Haushalte haben höhere Grade, manche Regionen im Weinviertel halten gar bei 30 Grad“, erklärt Franz Dinhobl, Geschäftsführer von EVN-Wasser, „Die Härtegrade haben keinerlei Einfluss auf Geschmack oder Qualität des Trinkwassers, das Problem ist eher technischer Natur, weil die Geräte schneller verkalken.“

Läuft eins schief, kommt das zweite dazu

Die Sache mit dem Chlor fällt unter dumm gelaufen, Dinhobl: „Die Chlorierung ist die Folge eines Gebrechens Anfang November an einer Hauptleitung in der Nähe des Hochbehälters Hainbuch. Hier sind noch Restarbeiten in Gange. Die Schutzchlorierung wird daher voraussichtlich noch bis Anfang Dezember andauern.“ Diese vorsorgende Maßnahme gegen eventuell durch Verunreinigungen eingeschleppte Keime kann sich durch einen leichten Chlorgeruch bemerkbar machen, das Trinkwasser ist aber uneingeschränkt und bedenkenlos genießbar. „Im Übrigen wird auch das Wiener Hochquellenwasser immer chloriert“, verrät der EVN-Wasser-Chef, der zudem versichert: „Unser Palter Brunnenwasser ist ebenso gutes Wasser wie jenes aus der Hochschwabregion.“

Sanierung fix

Wer das nicht glauben möchte: die Sanierungsarbeiten an der schadhaften Leitung unter der B44 werden noch heuer beginnen, die Arbeiten sollen rund drei Monate andauern – danach wird in die betroffenen Ortsteile wieder Wiener Hochquellenwasser fließen. „Die Leitung stammt aus 1900 und muss auf einer Länge von 4,5 km, bis hinauf zum Wienerwaldsee, saniert werden. In der ersten Etappe arbeiten wir am Abschnitt von der Ampel bei der Kaiser-Josef-Straße bis hinauf zur Postsiedlung“, zeigt uns Franz Dinhobl seine Pläne, „Aufgrund der Verkehrssituation haben wir beschlossen, das In-liner-Verfahren anzuwenden: in die alte Leitung wird die neue eingezogen. So müssen wir keine riesigen Künetten graben und können die Verkehrsbehinderungen in Grenzen halten.“ Einstellen müssen wird man sich auf temporäre Gegenverkehrsbereiche sowie gegebenfalls Umleitungen, wo möglich, über Siedlungsstraßen. Der zweite Abschnitt ist dann ab 2022 an der Reihe, in Summe wird die Sanierung 2,7 Mio. Euro kosten, die zur Gänze von der EVN getragen werden.

Zur Sache

Die EVN stellt das Wasser für alle unsere Gemeinden bereit und ist im Besitz der Hauptleitungen – wem die lokalen Netze von den Hochbehältern zu den einzelnen Haushalten gehören, ist unterschiedlich: in Mauerbach und Gablitz sind sie ebenfalls im Besitz der EVN, die anderen Gemeinden sind selbst Eigentümer. Das erklärt, warum die einen die Rechnung direkt von der EVN, die anderen von der Gemeinde erhalten.

Franz Dinhobl, Geschäftsführer EVN-Wasser in einem Hochbehälter
Rot wird bis Ende Februar saniert, gelb ist für 2022 geplant

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