Auf dem Prüfstand
Tschirganttunnel "wackelt" mehr denn je

Der bau neuer Straßen, vor allem in Form von langen Tunnels, wird intensiver denn je diskutiert.
  • Der bau neuer Straßen, vor allem in Form von langen Tunnels, wird intensiver denn je diskutiert.
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  • hochgeladen von Günther Reichel

Verkehrsministerin Leonore Gewesser (Grüne) lässt die Straßenbauprojekte der Asfinag prüfen. Vor "Streichungen" geplanter Projekte schreckt sie nicht zurück. Auch dem Tschirganttunnel droht nun das endgültige Aus.

OBERLAND/AUSSERFERN. Es gibt nur eine einzige direkte, ganzjährig befahrbare Straßenverbindung vom Außerfern in den Innsbrucker Zentralraum. Jene über den Fernpass. Hinter dem Pass, in Nassereith, kann  man dann entweder über den Holzleitensattel Richtung Obsteig und weiter nach Innsbruck fahren, oder sich durch das Gurgltal in Richtung Imst bewegen. Die Bedeutung der genannten Strecken ist groß, ebenso die Belastungen entlang der B179 (Fernpassstrecke) und in der Folge auf den beiden genannten Strecken auf Imster Gebiet.
Der Tschitganttunnel, der vom Gurgltal auf direktem Weg ins Inntal, und damit zur Autobahn A12 führen würde, könnte den Weg in Richtung Innsbruck - bzw. von dort in die Gegenrichtung ins Außerfern - verkürzen und auch die Ortschaften des betroffenen Tiroler Oberlandes vom Verkehr entlasten.

Umstrittenes Projekt

Doch der Tschirganttunnel ist umstritten. Seit vielen Jahren wird über seine Sinnhaftigkeit diskutiert. Und obwohl es sich um ein Straßenbauprojekt auf Imster Boden handelt, beschäftigt dieses Vorhaben das Außerfern  mindestens ebenso sehr, wie unseren Nachbarbezirk.
Es geht um eine bestmöglich Anbindung des Bezirks Reutte an den Rest von Tirol. Doch hier scheiden sich die Geister, was das "Beste" ist. Der Ruf nach einem Straßenausbau mit (zumindest) dem Fernpass-Scheiteltunnel und kurz dahinter mit dem Tschirganttunnel ist laut. Ebenso der Widerstand gegen diese Projekte.

Bahntunnel als Alternative

Ein Bahntunnel von Ehrwald in Richtung Inntal schwebt den Grünen vor. Auch die SPÖ tritt für einen solchen ein. Ein echtes Zukunftsprojekt. Ob und wann dieses umgesetzt werden kann - man weiß es nicht.
Seit einiger Zeit lässt Klimaschutz- und Verkehrsministerin  Gewessler neue Straßenbauprojekte der Asfinag genau prüfen. Und Gewessler scheut dabei nicht, den Rotstift anzusetzen. Der Tschirganttunnel fällt, im Gegensatz zum Fernpass-Scheiteltunnel, in die Zuständigkeit Gewesslers. Und aus ihrem Umfeld sieht man angesichts der jüngsten Entscheidungen der Grünen Ministerin den Tschirganttunnel "in weite Ferne" gerückt. Entschieden ist in der Sache bislang aber noch nichts, die Debatte hat aber wieder an Fahrt aufgenommen.
Die BezirksBlätter haben Stimmen zum Thema für Sie zusammengefasst:

Regina Karlen, Grüne, Reutte: "Ministerin Gewessler hat klargemacht, dass der Schutz unseres Klimas das oberste politische Ziel ist. Alle Projekte müssen sich künftig an diesem Ziel messen lassen müssen. Der Tschirganttunnel rückt damit in weite Ferne."

"Der Tschirganttunnel würde laut allen vorliegenden Untersuchungen mehr Verkehr in der Region verursachen und nicht die gewünschten Entlastungswirkungen erzielen. Klimaschutz und Tschirganttunnel passen deshalb einfach nicht zusammen. Ich gehe nicht davon aus, dass sich daran mit weiteren Verkehrsuntersuchungen etwas ändern wird", so Michael Mingler, Verkehrssprecher der Grünen im Landtag.

"Die Menschen im Außerfern ersticken (...) buchstäblich im Verkehr. Dieses Problem müssen wir endlich lösen. Stattdessen verwickeln sich Grüne und ÖVP permanent in parteiinternen Streitigkeiten und schieben die Verantwortung zwischen Innsbruck und Wien hin und her. Was wir brauchen, ist ein Bahntunnel zwischen dem Ehrwalder Becken und dem Inntal. Alles andere ist und bleibt sinnlos", sagt SPÖ-Bezirksvorsitzender BR Stefan Zaggl-Kasztner.

„Zu langgeplanten Infrastrukturprojekten einfach Nein zu sagen, ohne realistische Alternativen zu präsentieren, ist der falsche Weg. Seit Jahren verspricht das Verkehrsministerium der Bevölkerung eine spürbare Entlastung. Wenn es dann aber ans Eingemachte geht, schaut die Realität leider anders aus“, kritisiert die Außerferner Nationalratsabgeordnete Elisabeth Pfurtscheller (ÖVP). "Hier werden Entscheidungen auf Basis fragwürdiger Zwischenberichte getroffen. Das ist nicht die Art und Weise, wie wir uns Unterstützung aus Wien bei der Verkehrsfrage vorstellen. Gerade die Menschen im ländlichen Raum sind auf die Straßeninfrastruktur angewiesen, nicht zum Spaß, sondern aus Notwendigkeit."

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