29.11.2016, 07:30 Uhr

(K)Eine Wahl wie jede andere

BH Konrad Geisler sieht der Wahl gelassen entgegen. Eine gewisse Spannung sei aber spürbar.

Die Bundespräsidentenwahl am Sonntag beschäftigt die Wahlbeisitzer ganz besonders.

AUSSERFERN (rei). Am 4. Dezember wird entschieden, wer neue österreichischer Bundespräsident wird: Norbert Hofer oder Alexander van der Bellen. Diese Entscheidung, wer das höchste Amt im Land bekleiden wird, geht auf besondere Art und Weise in die Geschichte ein.

Kuriose Vorgeschichte

Wahl, Stichwahl, Wahlanfechtung samt Aufhebung des Ergebnisses, neuer Termin, dieser aufgrund von Problemen mit den Wahlkuverts aufgehoben, und anschließend für den 4. Dezember neu festgesetzt. Da war einiges geboten.
Diesen Sonntag ist es nun soweit: Herr und Frau Österreicher schreiten zu den Urnen und machen ihr Kreuz, wo sie es für richtig erachten.
Viele andere sind nicht nur als Wähler bzw. Wählerin gefragt, sondern als Wahlbeisitzer. Aber mögen die überhaupt noch? Haben Sie Ängste und Sorgen etwas falsch zu machen?

Wir haben nachgefragt

Wir haben bei einigen "langgedienten" Wahlbeisitzern nachgefragt.
Etwa bei Daniel Friedle aus Elmen. Für ihn ist es eine wichtige Aufgabe, aktiv bei diesen Wahlen als Beisitzer dabei zu sein. "Ich mache das eigentlich gerne", sagt der Lechtaler. Dass er heuer aber gleich mehrere Termine besetzen, bzw. für dieses Amt freihalten musste, erachtet er dann schon "als sehr viel." Sorgen, dass er oder seine Kollegen in der örtlichen Wahlbehörde etwas falsch machen könnte hat er aber nicht.

Demokratsiche Verpflichtung

Viel Erfahrung als Wahlbeisitzer hat in den vergangenen Jahren Andreas Inwinkl aus Pflach gesammelt. Er ist Ortsparteiobmann der ÖVP in seiner Heimatgemeinde. "Da ist es naheliegend, als Wahlbeihelfer dabei zu sein." Für ihn ist es aber ohnehin eine demokratische Verpflichtung, dieses Amt auszuüben.
Dass er heuer gleich mehrfach gefordert war bzw. ist und so viele Wochenenden frei halten musste, findet er dann schon als ärgerlich. Die Angst, dass man als Wahlbeisitzer etwas falsch machen und plötzlich vor dem Richter steht, erkennt er sehr wohl: "Ich kenne Personen, die dieses Amt aufgrund der Vorkommnisse nicht ausüben wollen."
Um ja nichts falsch zu machen, hat Inwinkl vorher die gesetzlichen Richtlinien ganz genau studiert. "Ich habe mir auch die Mühe gemacht, einen Wissenstest im Internet zu machen." Außerdem vertraut er darauf, dass der Wahlleiter alle Wahlbeisitzer noch einmal ganz genau instruieren wird, "denn die Sorge, dass die Wahl wieder beeinsprucht wird, ist schon da!"

Seit 20 Jahren dabei

Bettina Fasser kennt sich mit Wahlen bestens aus. Seit etwa 20 Jahren ist sie in Ehrwald nicht nur als Wählerin dabei, wenn politische Entscheidungen anstehen, sondern auch als Wahlbeisitzerin. Die Ehrwalder ÖVP-Gemeinderätin sieht darin keine Verpflichtung, sondern ein demokratisches Recht, "und eine Möglichkeit, meinen Beitrag an der Gesellschaft zu leisten."
Doch was sich heuer rund um die Bundespräsidentenwahl abgespielt hat, freut sie dann doch nicht mehr: "Da fängt man schon an zu zweifeln. Dieser Termin ist jetzt schon irgendwie komisch."
Damit alles klappt und sie vor Überraschungen sicher ist, hat sie sich entsprechend genau in die Materie eingelesen.
Grundsätzlich ist Bettina Fasser aber wieder gerne dabei. "Das ist auch eine spannende Aufgabe. Und man sieht viele Menschen aus dem Ort. Für mich war die Wahlanfechtung nie ein Grund daran zu zweifeln, ob ich wieder als Wahlbeisitzerin dabei bin."

Ärgerliche Vorkommnisse

Als interessante Aufgabe sieht auch Claudia Angerer aus Breitenwang die Arbeit als Wahlbeisitzerin. Sie ist seit rund zehn Jahren dabei, wenn Wahlentscheidungen fallen. Dass die Entscheidung der Stichwahl aufgehoben wurde und es dann sogar zu einer Verschiebung des Wahltermins kam, empfindet Angerer als sehr ärgerlich. "Man stellt sich ja auf jeden Termin ein und muss ihn frei halten. Diesmal ist es schon etwas viel, was von uns gefodert wird." Der Oktobertermin wäre für sie fast nicht ausgegangen, jetzt am 4. Dezember passt es aber. Doch hofft sie sehr, dass das Thema Bundespräsidentenwahl damit abgehakt werden kann.

Keine Anfeindungen

Christina Luttinger aus Bichlbach hat ebenfalls schon einige Erfahrungen als Wahlbeisitzerin gesammelt. Während die vorgenannten Beisitzer von Seiten der ÖVP bei der Wahlbehörde namhaft gemacht wurden, ist Luttinger für die FPÖ dabei. "Mir gibt das was. Ich bin gerne dabei", sagt sie mit Überzeugung. Das Gefühl, dass sie als Freiheitliche "schräg" angesehen wird und mitverantwortlich für die neuerliche Wahl gemacht wird, hat sie nicht. "Es ist richtig, dass die Wahl wiederholt wird. Es hat nicht gepasst. Also wird neu gewählt."

Wenige FPÖ-Wahlbeisitzer
Eine Kritik in Richtung der FPÖ bekamen wir im Zuge unserer Recherchen aber doch immer wieder zu hören: Die FPÖ verursachte mit ihrem Einspruch die Neuwahlen. Selber ist die FPÖ aber in vielen Gemeinden nicht mit Wahlbeisitzern vertreten, schickt aber Wahlzeugen. Das stößt anderen Wahlbeisitzern durchaus "sauer" auf.
FPÖ-Bezirksparteiobmann Fabian Walch weist die Kritik zurück. In elf der 37 Außerferner Gemeinden sei man mit FPÖ-Wahlbeisitzern vertreten. In 23 weiteren Gemeinden werden Wahlzeugen anwesend sein. Außerdem sei man ja auch in der Bezirkswahlbehörde vertreten. Für ihn ein guter Wert.

Bezirkswahlbehörde gut vorbereitet

Gelassen blickt Konrad Geisler dem Wahltag entgegen. Der stellvertretende Bezirkshauptmann leitet die Bezirkswahlbehörde. Zwei Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft und sieben Beisitzer sowie Ersatzpersonen helfen ihm bei der nicht einfachen Aufgabe.
Er und weitere Vertreter der Bezirkswahlbehörde mussten im Zuge der Wahlanfechtung in Wien als Zeugen aussagen. Nervös ist Geisler deshalb aber nicht. "Wir haben richtig ausgezählt und werden auch diesmal richtig auszählen."
Geisler gibt aber zu, dass die Stimmung innerhalb der Bezirkswahlbehörden nicht mehr so gut ist. Der Druck ist groß: "Natürlich sitzt jeder ein wenig auf Nadeln. Niemand will einen Fehler machen." Und das werde auch nicht passieren, ist der oberste Beamte im Bezirk überzeugt.

Kontrollen bei der Wahl

Diese von Geisler genannte Nervosität ist auch in den Gemeinden spürbar. So weisen Kommunen im Vorfeld auf "verschärfte Kontrollen" hin. Alle Wahlberechtigten werden aufgefordert, neben der Wahlverständigungskarte unbedingt auch einen Lichtbildausweis zur Wahl mitzubringen. Auch dann, wenn man "amtsbekannt" ist. Wer den Ausweis vergisst, dem könnte die Stimmabgabe verwehrt werden.
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