Bewegung und Entspannung
"Kinderyoga bildet Körper, Geist und Seele"

Die Kinder sind mit Begeisterung bei den Yoga-Kursen dabei.
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  • Die Kinder sind mit Begeisterung bei den Yoga-Kursen dabei.
  • Foto: Schatzl-Palmetzhofer
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Josephine Schatzl-Palmetzhofer erzählt im Interview mit der BezirksRundschau, was Kinderyoga vom Erwachsenenyoga unterscheidet und wie Kinder davon profitieren können.

PLÖCKING. Die Plöckingerin Josephine Schatzl-Palmetzhofer ist freiberufliche Kinderyoga-Lehrerin. Sie bietet außerdem zielgruppenorientierte Yogastunden mit Kindern und Erwachsenen mit Beeinträchtigungen an.

Wie hast du zum Kinderyoga gefunden?
Dass ich zum Kinderyoga gefunden habe, hat sowohl einen beruflichen als auch einen privaten Hintergrund. Im Rahmen meines Pädagogikstudiums habe ich mich mit unterschiedlichen Bewegungsangeboten für Kinder und Jugendliche beschäftigt und dabei ist mir auch Kinderyoga untergekommen. Als meine Tochter zur Welt kam habe ich begonnen, nach unterschiedlichen Entspannungstechniken für Babys und Kleinkinder zu suchen und diese auszuprobieren. Sie war ein Schreibaby und immer unter Anspannung, auch als sie größer wurde, konnte sie kaum zur Ruhe kommen. In dieser Zeit beschloss ich, die Ausbildung zur Kinderyogalehrerin zu machen.

Wo hast du deine Ausbildung gemacht und wie sieht diese aus?
Meine Ausbildung zur Kinderyogalehrerin habe ich bei „Yogawege“ in Linz absolviert. Diese basiert auf den internationalen Richtlinien der Yoga Alliance. Die Ausbildung dauert circa ein Jahr und teilt sich in mehrere Ausbildungsblöcke auf. Diese beinhalten verschiedene Unterrichtstechniken, Anatomie, Entwicklungspsychologie, Yogaphilosophie, Didaktik, Methodik und Hatha Yoga-Techniken. Auch die eigene Yogapraxis kommt in dieser Ausbildung nicht zu kurz.

Was unterscheidet Kinderyoga vom Erwachsenenyoga?
Das Grundprinzip von Kinderyoga und Erwachsenenyoga ist zwar gleich, dennoch gibt es einige Unterschiede. Das fängt schon bei den Gründen an, warum man mit Yoga beginnt. Hauptmotive bei Erwachsenen für die Ausübung von Yoga sind unter anderem die Figur zu formen und sich fit zu halten. Die Gründe warum Kinder zum Yoga kommen sind Spaß zu haben, Freunde zu treffen und die Freude an der Bewegung.


Wie läuft eine Yogastunde für Kinder ab?
Eine Kinderyogastunde findet immer in einem spielerischen Rahmen zu einem bestimmten Thema statt. Die Themen variieren je nach Altersgruppe, Interessen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen. Dabei reisen wir in ferne Länder, machen einen Besuch am Bauernhof, beschäftigen uns mit einem Kinderbuch wie dem Grüffelo oder setzen uns mit Themen auseinander wie Gefühle, Mut, Dankbarkeit und vieles mehr. Im Kinderyoga geht es neben der Vermittlung von Asanas und Phasen der Anspannung und Entspannung auch um die Zusammengehörigkeit in der Gruppe. Neben dem Stärken von Selbstwertgefühl, der Schulung von Achtsamkeit und Körperwahrnehmung geht es auch um die Förderung von Sozialkompetenz und das Erleben von positiven Gruppenerfahrungen abseits von Leistungsdruck und Bewertungen. Eine Kinderyogastunde ist laut, Asanas werden dynamisch ausgeführt und Entspannungsphasen sind kürzer als bei Erwachsenen. Wie eine Kinderyogastunde genau aussieht, hängt aber auch stark von der Kinderyogalehrerin ab. Ich arbeite zum Beispiel viel mit Geschichten, Büchern, Musik und kreativen Methoden. Es gibt fixe Rituale, indem wir zu Beginn gemeinsam singen oder sich die Kinder in einem sicheren Rahmen in Form von Rederunden am Ende der Stunde mitteilen dürfen und lernen, in einer Gruppe zu sprechen. Außerdem werden beim Kinderyoga im Gegensatz zum Erwachsenenyoga keine Positionen korrigiert. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.

Was sind die Herausforderungen bei der Yoga-Arbeit mit Kindern?
Bei der Yoga-Arbeit mit Kindern ist die Voraussetzung für eine gelungene Stunde, dass die Kinder in Altersgruppen, entsprechend ihrem Entwicklungsstand, eingeteilt werden. Ein alters- und entwicklungsgerechter Unterricht vermeidet das Entstehen von Unter- oder Überforderungen bei den Kindern. So sieht etwa der Yogabaum bei einem dreijährigen Kind, welches nur kurz auf einem Bein stehen kann, anders aus als bei einem Sechsjährigen, welches diese Position schon länger halten kann. Je nach individueller Bewegungserfahrung fällt es manchen Kindern leichter eine Übung auszuführen als anderen, diese Unterschiede werden mit zunehmendem Alter der Kinder sichtbarer und da gilt es, individuell auf jedes Kind einzugehen. Als Yogalehrerin bin ich immer aktiv dabei und mache bei jedem Spiel oder bei jeder Ausführung der Asanas mit. Kinder lernen viel durch Nachahmung, manche Kinder sehen etwa in der ersten Yogastunde nur zu, weshalb ich als Modell darauf achten muss, die Asanas exakt auszuführen und das, was ich unterrichte, auch vorzuleben.
 Für mich ist es auch wichtig, die Kinder zu loben und zu bestärken, nicht für ein gutes Ergebnis, sondern dann, wenn ich sehe, dass sie sich besonders bemühen. Es ist auch wichtig einen Rahmen zu schaffen, an dem sich die Kinder orientieren können. Deshalb gibt es sogenannte „Yogaregeln“ welche spielerisch vermittelt und umgesetzt werden, wie beim Ertönen der Klangschale kehren wir auf unseren Zauberteppich – die Yogamatte – zurück, oder es spricht nur das Kind welches den Redestab in der Hand hält.

Kannst du dich noch an eine besondere Stunde oder ein besonderes Erlebnis mit den Yoga-Kids erinnern?
Da gibt es viele Momente, für die ich dankbar bin und die mich berührt haben, wie zum Beispiel das Leuchten der Kinderaugen, wenn wir alle gemeinsam das Begrüßungslied singen, oder wenn mich die Kinder ungläubig ansehen, weil die Stunde schon wieder vorbei ist und sie noch weiter machen wollen. Eine Mutter schickte mir Wochen nach Ende des Kurses ein Video, in dem ihre Tochter die Yogaübungen macht, die wir im Kurs gelernt haben. Das ist besonders schön, weil es auch darum geht, dass die Kinder das Gelernte außerhalb der Yogastunde in ihren Alltag einbauen. Die Unterstützung der Eltern ist dabei sehr wichtig.

Was macht Yoga mit den Kindern? Was kann es bewirken?
Kinderyoga wirkt sowohl auf körperlicher als auch auf mentaler und sozialer Ebene.  Für ruhige Kinder kann es ein Ort sein, an dem sie lernen, aus sich herauszukommen. Bei Kindern mit ADHS konnte eine positive Wirkung bereits wissenschaftlich nachgewiesen werden. Kinderyoga stärkt das Selbstvertrauen und zielt darauf ab, achtsam mit sich, seinem Körper und seiner Umwelt umzugehen. Es wirkt sich positiv auf die Konzentrations- und Merkfähigkeit aus und fördert die Kreativität. Zudem verbessert sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers und es vermittelt Fertigkeiten, die Atmung bewusst einzusetzen. Auch die Kooperationsfähigkeit kann durch Kinderyoga verbessert werden. Außerdem können Haltungsschäden vorgebeugt und eine bessere Körperhaltung erzielt werden. Kinderyoga kräftigt die Muskulatur und fördert motorische Fähigkeiten.
 Kinderyoga bildet damit Körper, Geist und Seele.

Wann und für wen ist Kinderyoga besonders geeignet? Und gibt es Kinder für die das eher nichts ist?
Yoga ist für alle gesunden Menschen geeignet, dies gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Deshalb ist es wichtig, sowohl allgemeine als auch akute Kontraindikationen zu berücksichtigen. Neben den allgemeinen Kontraindikationen wie chronische Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats, Stoffwechsel- und Immunerkrankungen gibt es auch akute Erkrankungen, über die man als Yogalehrerin Bescheid wissen muss. Etwa nach Impfungen, während einem Wachstumsschub oder wenn Kinder zahnen und Schmerzen haben. Jedes Asana, jede Atemübung und jedes Mantra hat seine Wirkung. Ich habe deshalb kein fixes Programm, sondern schaue mir zuerst die Gruppe mit ihren Besonderheiten an, dann werden die Bewegungsvarianten darauf abgestimmt. Ich gestalte meine Kinderyogastunden inklusiv, das heißt, es können auch Kinder mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen nach Absprache daran teilnehmen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.

Machst du selbst auch Yoga? Was bedeutet Yoga für dich selbst?
In meiner Studienzeit habe ich das erste Mal einen Yogakurs belegt . Ich begann ein paar Jahre später, mich intensiver mit Yoga auseinanderzusetzen, als ich aufgrund meiner Endometrioseerkrankung starke Schmerzen hatte und meine Lebensqualität sehr beeinträchtigt war. Seitdem habe ich Yoga für mich entdeckt und begonnen, es regelmäßig zu praktizieren. Ich bin auf „Endoyoga“-Konzepte gestoßen, die Yogatechniken beinhalten, welche speziell für Endometriosepatientinnen ausgerichtet waren. Dies half mir, Beschwerden zu lindern und Verspannungen entgegenzuwirken, welche ich aufgrund der chronischen Schmerzen aufgebaut hatte.
 Mittlerweile ist Yoga für mich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden. Es macht mir Spaß, auch gemeinsam mit meiner Tochter, Yoga zu praktizieren. Es hilft mir, mit den Asanas meinen Körper beweglich zu halten, mich durch Meditation auf das Wesentliche zu fokussieren und vor allem in beruflich sehr intensiven Zeiten, unter anderem mit Atemtechniken, Spannungen abzubauen.

Wo kann man Yoga-Angebote mit dir besuchen? Gibt es derzeit Kurse?
Meine Indoor-Yogakurse finden im Zentrum der inneren Kraft in St. Martin im Mühlkreis statt. Es gibt auch ein Kinderyoga-Outdoor-Programm, welches ich im Sommer in der Granitarena in Plöcking anbiete. Es besteht aber auch die Möglichkeit, mein Angebot Vormittags für Kindergärten oder Schulen im Rahmen einer Kinderyoga-Schnupperstunde oder eines Workshops zu buchen. Den Herbstkurs habe ich aufgrund der aktuellen Covid-19-Bestimmungen abgesagt. Ich hoffe dass es im Frühling 2021 mit den privaten Kinderyoga-Kursen wieder weitergehen kann.

Mehr Infos erhalten Interessierte unter josephine.schatzlpalmetzhofer@gmx.at

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