23.08.2016, 11:01 Uhr

Musikalische Gassenhauer, Mafia am Gaisberg und europäische Grundwerte

Seit Beginn dieser Woche laufen die Proben für das Gute-Laune-Musical „Monty Python’s Spamalot“: Pia Douwes, Andreas Gergen und Uwe Kröger (Foto: Anna-Maria Löffelberger)

Das Salzburger Landestheater meldet sich am 18. September mit der Premiere des Musicals "Monty Python’s Spamalot" aus der Sommerpause zurück.

Mit einem Gute-Laune-Musical startet das Salzburger Landestheater am 18. September in die neue Spielsaison: Basierend auf dem Spielfilm „Die Ritter der Kokosnuss“ der britischen Komikergruppe Monty Python inszeniert Andreas Gergen die Legende von König Artus‘ Tafelrunde. Auf der Bühne: das Musicaltraumpaar Pia Douwes und Uwe Kröger sowie die Publikumslieblinge Sascha Oskar Weis und Marco Dott.

Die Sparte Schauspiel wird mit zwei Produktionen in den Kammerspielen eröffnet:
Philipp Löhles "Wir sind keine Barbaren!" (Premiere am 24. September) und Franz Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie" – inszeniert von Landestheater-Intendant Carl Philip von Maldeghem (Premiere am 28. September).

Außerdem arbeitet Alexandra Liedtke bereits mit dem Schauspielensemble bereits an der Inszenierung eines Klassikers: Friedrich Schillers „Don Carlos“ (Premiere 1. Oktober 2016). Verkörpert werden die Rollen des Kronprinzen Don Carlos und des Marquis von Posa von den beiden Jungschauspielern Gregor Schulz und Gregor Schleuning.

Die thematische Klammer der neuen Spielsaison sind Freiheit und Gleichheit. "Wir stellen die Spielzeit 2016/17 unter den Titel 'Frei und gleich geboren'", erläutert Maldeghem. Die Formulierung aus der europäischen Menschenrechtskonvention sei angesichts der unruhigen politischen Weltlage dazu geeignet, sich zu besinnen. Nämlich darauf zu besinnen, "wer wir sind und was unsere Grundwerte sind."


Europäische Grundwerte durchspielen

Diesen Gedanken durchspielen will Maldeghem unter anderem mit einer Uraufführung von Berthold Brechts "Flüchtlingsgesprächen" – einer Kooperation mit der Universität der Künste Berlin, dem Thomas Bernhard Institut und der Universität Mozarteum, in der sich ein Intellektueller und ein Arbeiter darüber unterhalten, was es bedeutet auf der Flucht zu sein.

Oder wenn in Philipp Löhles "Wir sind keine Barbaren!" in der Inszenierung von Claus Tröger die heile Welt durch die Präsenz eines Fremden aus den Fugen gerät. In Ferdinand von Schirachs "Terror" – inszeniert von der israelischen Regisseurin Dedi Baron – geht es um die Frage, was ein Menschenleben wert ist und ob ein Menschenleben gegen das eines anderen abgewogen werden. Was es bedeutet, sich eine neue Heimat zu suchen, oder das Scheitern einer Revolution mitzuerleben, das können schon Fünfjährige in Michael Endes Klassiker "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" bzw. Zwölfjährige in George Orwells "Farm der Tiere" erleben.


Nachwuchstar Matthew Aucin (26) dirigiert europäische Erstaufführung "Orfeo2"

Auf neues Terrain begibt sich das Landestheater zudem mit der europäischen Erstaufführung von "Orfeo2". Der vom Wall Street Journal als der "neue Leonard Bernstein" bezeichnete Komponist, Dichter und Dirigent Matthew Aucin hat die musikalische Leitung für dieses Projekt übernommen. Seine dramatische Kantate "Orphic Moment" – jener Moment, in dem sich Orpheus zu seiner Geliebten umdrehte und sie damit in den Tod zurückschickte – soll sich bei der Produktion zu einem Ganzen mit Christoph Willibald von Glucks "Orfeo ed Euridice" fügen.

Weihnachtsmärchen der Brüder Grimm als Tanzmärchen in der Felsenreitschule

Neben der Sparte Ballett, die mit zwei Uraufführungen aufwartet – "Gesualdo", bei dem ein Fürst, Mörder und Komponist im Mittelpunkt steht, und "Forever 27", das das Geheimnis beeindruckender Musiker, die alle mit 27 Jahren starben, auf den Grund geht – darf sich das junge Publikum (Junges Land) auf die Uraufführung eines Tanzmärchens zu Johann Wolfgang von Goethes "Der Zauberlehrling" freuen.

Gassenhauer wie "La Bohème" und "The Sound of Music"

Auch ein paar Gassenhauer stehen auf dem Programm: Nach Eric Idles und John Du Prezs Musical "Monty Python's Spamalot" erwartet die Besucher ab 26. Februar Giacomo Puccinis "La Bohème" im Haus für Mozart" und "The Sound of Music" geht in seine sechste Saison. Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" in der Felsenreitschule hat das Zeug, alle Altersklassen zu begeistern.


Mafia meets Gaisberg

Einen speziellen Salzburg-Bezug stellt Regisseur Thomas Enzinger mit der Uraufführung von Peter Blaikners "Virgina Hill" her: In dem Schauspiel mit Musik von Konstantin Wecker und Peter Blaikner geht es um die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Mafia und Gaisberg: Die mit reichlich Sex-Appeal ausgestattete und den finanziellen Zuwendungen der Mafia nicht abgeneigte Amerikanerin Virginia Hill verliebt sich nach zahlreichen, mal leidenschaftlichen, mal tödlichen Affären in den Skilehrer Hans Hauser von der Zistelalm am Gaisberg. Um ihren Lebensstil ebendort aufrecht zu erhalten, erpresst sie die Mafia – das kann nicht gut ausgehen.

Litauen-Schwerpunkt zum Ausklang

Den Ausstieg der Spielzeit markiert ein Litauen-Schwerpunkt rund um den litauischen Komponisten Bronius Kutavičius: In der Kollegienkirche und im Steintheater bei Schloss Hellbrunn kommen im Frühsommer zwei seiner Werke – das Steinoratorium "Von Wasser und Steinen" sowie sein zentrales Werk "Die Tore von Jerusalem" zur österreichischen Erstaufführung. Damit neigt sich nicht nur die Spielzeit zu Ende, sondern auch das Engagement von Musikdirektorin Mirga Gražinytė-Tyla.
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