17.10.2017, 15:43 Uhr

Neun Würgeschlangen sind in Großgmain verendet

Die Schlangen dürften einfach "abgeladen" worden und im Wald erfroren sein. (Foto: M. Kyek/Haus der Natur)

Die Tiere dürften versucht haben, sich noch in sonnige Gefilde zu retten. Unter den toten Schlangen befand sich auch ein geschütztes Exemplar.

GROSSGMAIN (buk). Neun tote Würgeschlangen hat ein Einheimischer in seinem Großgmainer Waldstück gefunden, wie die Polizei berichtet. Konkret handelt es sich dabei um sechs Abgottschlangen, einen Tigerpython, einen Königspyhton und eine Madagaskarboa, wie Experten des Hauses der Natur bestätigten. "Die Tiere waren vermutlich bereits zwei bis drei Tage tot", sagt Martin Kyek, Biologe des Hauses der Natur.

Schlangen versuchten sich zu retten

Der Grundbesitzer habe schon vergangene Woche Hackschnitzel, Sägespäne und Terrarienerdhaufen auf seinem Grundstück gefunden, sich aber vorerst dabei gedacht, dass lediglich jemand seinen Müll unsachgemäß entsorgt hätte. Die Schlangen selbst haben beim Aussetzen noch gelebt und – laut Kyek – versucht, sich selbst zu retten. "Bei unserer Wetterlage haben die tropischen Tiere im Freien eine Lebenserwartung von rund zwei Tagen", erzählt er. Sie seien genau in Richtung der Sonnenachse gekrochen und in einer Linie liegend aufgefunden worden. Er geht von einer Affekthandlung aus.

Straftatbestand liegt nahe

Und genau diesen Punkt, dass die Tiere in unserem Klima nicht überleben können, hätte der Besitzer wissen müssen, ist Landesveterinärdirektor Josef Schöchl überzeugt: "Hier liegt der Verdacht der Tierquälerei nahe, was einen Straftatbestand erfüllen würde. Der Fall wird nun voraussichtlich bei der Staatsanwaltschaft angezeigt." Allerdings gebe es noch weitere polizeiliche Erhebungen, die dann zeigen werden, welche Verdachtsmomente tatsächlich erfüllt sind.

Kadaver als "Beweismittel" eingefroren

Die Tierkadaver werden derzeit in eingefrorenem Zustand im Haus der Natur aufbewahrt, um "Beweismittel" zu haben – sollte der Täter gefasst werden. Und das sei laut Kyek "nicht ganz unwahrscheinlich". Neben der Tierquälerei wurde in diesem Fall auch gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen verstoßen, auf deren Liste die Madagaskarboa eingetragen ist. Dass die Gesetze zur Schlangenhaltung zu lasch sind, glaubt er nicht: "Diese sind vor zwei, drei Jahren verschärft und präzisiert worden. Die Haltungsvorgaben sind ganz klar, zudem müssen Schlangen der Bezirkshauptmannschaft gemeldet werden."

"Die Gesetze sind streng genug"

Einen derartigen Fall wie in Großgmain haben bislang weder Kyek noch Schöchl erlebt. "Leider gibt es immer wieder Menschen die sich nicht an Gesetze halten", so Kyek. Grundsätzlich sei eine artgerechte Haltung aber auch in Terrarien möglich. "Man darf die Tierhalter nicht über einen Kamm scheren. Die Schlangenhaltung ist ein verantwortungsvoller Job, aber – wenn sie vernünftig und sauber betrieben wird – ein schönes Hobby", ist der Biologe überzeugt.  "Wenn das nicht funktioniert, sind es sicher Ausnahmefälle", sagt auch Schöchl. "Man muss nicht immer nach strengeren Gesetzen rufen, sondern die bestehenden einhalten."

Bei Schlangenfunden Ruhe bewahren

Wer eine Schlange entdeckt sollte vor allem Ruhe bewahren. "Hektik kann sich auf die Tiere übertragen", weiß Kyek. Wichtig sei zudem, die Tiere nicht anzugreifen und sie mit Respekt zu beobachten. Ideal sei es, das Haus der Natur oder einen Veterinär zu verständigen und – wenn möglich – in der Nähe des Tieres zu bleiben, damit diese dann auch gefunden werden können.

Polizei bittet um Hinweise

Die Polizei ersucht nun um sachdienliche Hinweise auf die Person, die derartige Würgeschlangen noch bis vor kurzem gehalten hat. Auch sonstige Zeugenaussagen werden bei der Polizeiinspektion Wals oder jeder weiteren Polizeidienststelle angenommen.
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