30.08.2016, 06:30 Uhr

Wir sollten unsere Berge und die gute Luft genießen

Bauernherbst-Leiterin Eveline Bimminger (Foto: Franz Neumayr)

Eveline Bimminger im Chefinnen-Gespräch über den Bauernherbst und die Sehnsucht nach Idylle

Sie kommen aus Eugendorf, vom Holznerwirt samt Bauernhof und waren jetzt beruflich vier Jahre in Berlin. Entwickelt man dort eine neue Sicht auf die heimische Landwirtschaft?
EVELINE BIMMINGER:
Ja, auf jeden Fall. In einer Stadt wie Berlin ist es nicht so einfach, an frische Bauernprodukte zu kommen, wie hier. Außerdem bekommt man dort Sehnsucht nach dem Grün, nach unseren Wiesen, Bergen und Seen.

Sie sind Leiterin des Bauernherbstes: Was fällt unter Ihre Aufgaben?
EVELINE BIMMINGER: Ich koordiniere die 72 Bauernherbst-Orte. Wir geben jedes Jahr ein Motto vor – so wie heuer "Kräuter, Wild- und Heilpflanzen" – und achten darauf, dass unsere Bauernherbst-Kriterien eingehalten werden. Dazu zählt, um nur ein Beispiel zu nennen, etwa ein Bauernherbst-Baum beim Ortsanfang. 'Überprüft' wird das durch einen Mystery-Check.

Was ist die zentrale Botschaft des Bauernherbstes?
EVELINE BIMMINGER: Dass es dabei um nichts Ge- künsteltes, sondern um unsere Traditionen, um unser Handwerk und unser Brauchtum geht. Und dass es ein Miteinander von Einheimischen und Touristen sowie ein Miteinander der Landwirtschaft, der Tourismusbetriebe, der Vereine und der vielen Freiwilligen ist.

Wenn man sich die schwierige Situation der heimischen Landwirte vor Augen führt – wieviel Idylle soll der Bauernherbst vermitteln?
EVELINE BIMMINGER: Beim Bauernherbst geht es um Feste, und da steht das Feiern im Vordergrund. Und nicht selten ist der Bauernherbst auch der Einstieg in ein neues Einkaufsverhalten für unsere Besucher.

Beim Bauernherbst geht es viel um Traditionen und altes Handwerk. Wie groß ist die Gefahr, dass das ein bisschen verstaubt wirkt?
EVELINE BIMMINGER: Gering. Wir präsentieren dort ja keine Dinge, die es nicht mehr gibt. Wenn der Rechenmacher sein Handwerk vorführt, dann ist der Rechen ja etwas, das der Bauer auch heute noch verwendet. Das Gleiche gilt für die Goldhauben- oder Federkielstickerei. Auch Trachten entwickeln sich, es gibt immer wieder neue Trends – und die zeigen wir.

Welche Ziele haben Sie für den Bauernherbst?
EVELINE BIMMINGER: Wir wollen die hohe Qualität weiter halten, aber auch schauen, wie wir in Zukunft noch mehr Familien ansprechen können. Wir denken da an eine Zusammenarbeit mit dem Tourismuszweig der FH Salzburg.

Gibt es etwas, das wir in Salzburg von den Berlinern lernen können?
EVELINE BIMMINGER: Nein, das würde ich nicht sagen. Eher, dass wir unsere Berge und die gute Luft hier bewusst genießen sollten. Das ist mir in Berlin sehr abgegangen.
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