16.10.2014, 00:00 Uhr

Aus den Regionen in die digitalen Netze

WKS-Präsident Konrad Steindl (Foto: WKS/Neumayr)

WKS-Präsident Konrad Steindl im Interview über Regionalwirtschaft

Wie stehen Sie als WKS-Präsident zu regionalen Wirtschaftskreisläufen?
KONRAD STEINDL:
Regionale Wirtschaftskreisläufe haben für die heimische Wirtschaft eine besondere Bedeutung. Sie garantieren den Menschen in den Regionen, dass sie vor Ort eine Beschäftigung finden. Anhand der Verkehrsproblematik sehen Sie ja selbst wie schwierig es ist, wenn alles in die Ballungsräume strömt.

Sind globale Märkte und Regionalwirtschaft ein Widerspruch?
KONRAD STEINDL:
In keiner Weise. Wir haben Betriebe in den Regionen, die mit innovativen Produkten international sehr erfolgreich sind. Damit leisten sie einen großen Beitrag zum Bruttosozialprodukt. 62 Prozent des BSP werden aus der Exportwirtschaft lukriert.

Welche Auswirkungen hat das auf die Konsumenten selbst, wenn sie Bücher, Schuhe oder Möbel bei großen Online-Anbietern bestellen?
KONRAD STEINDL:
Diesen Trend zum Online-Einkaufen sehen wir mit großer Sorge, weil das unseren Einzelhändlern Umsatzeinbußen beschert. Das bewirkt, dass auch die Beschäftigung der Menschen nicht mehr gesichert werden kann. Man sollte sich also schon überlegen, ob man jedes Buch online kauft oder nicht lieber eine örtliche Buchhandlung wie zum Beispiel die in Tamsweg bestehende, hervorragende Buchhandlung, besuchen möchte.

Wenn weniger bei den heimischen Händlern eingekauft wird, sind dann nicht auch die Lehrstellen vor Ort in Gefahr?
KONRAD STEINDL:
Ganz genau. Die Beschäftigung, und da gehört die Lehrlingsausbildung dazu, ist abhängig vom Erfolg der Unternehmer. Zwei Drittel der Menschen arbeiten bei den kleinen und mittleren Unternehmen, und vier Fünftel sind bei einem Privatunternehmer beschäftigt. Wir sollten also immer daran denken, dass wir mit unserem eigenen Kaufverhalten die eigenen Arbeitsplätze sichern oder eben auch wegrationalisieren können. Und: Wir – Arbeitnehmer und Arbeitgeber – sitzen hier im selben Boot.

Der Trend dazu ist aber ungebrochen, wie sollen die heimischen Betriebe hier wieder mehr Terrain gewinnen?
KONRAD STEINDL:
Wir als WK unterstützen Unternehmer, wenn es um die Entwicklung von Online-Plattformen geht. Und wir haben hier schon hervorragende Beispiele wie etwa Schmidhubers Möbelwerkstätte in Seekirchen: Die bietet online ein Baukastensystem an, das passgenau zusammengestellt, geliefert und montiert wird. Wir wissen aber, wie schwierig es ist, gegen die Werbe- und Logistikmacht großer Konzerne zu bestehen. Nur würde ich mir wünschen, dass wir uns als Konsumenten auch überlegen, wie ökologisch sinnvoll es ist, bei großen Anbietern online zu bestellen, die dann die Waren quer durch Europa karren.

Wie wichtig sind mobile Netze bzw. deren Ausbau für die regionale Wirtschaft?
KONRAD STEINDL:
Gerade die Breitbandtechnik ist ein Infrastrukturvorteil. In Salzburg sind wir im Großen und Ganzen ganz gut versorgt, aber es gibt schon noch Nachholbedarf. Gerade wenn ich an die Möglichkeiten eines 3D-Druckers denke – dafür braucht man eben enorme Datenvolumen. Wir brauchen dann aber auch die Firmen, die dieses Breitband bespielen – sonst machen es Zalando & Co. Wenn wir von Regionalwirtschaft sprechen, haben wir oft ein romantisierendes Bild vor Augen, wie den Bauern, bei dem wir die Kartoffeln kaufen. Das ist natürlich auch ein wichtiger Teil davon, aber in Wahrheit sind wir ja schon globalisiert und vernetzt bis fast in das letzte Tal. Und das müssen wir noch besser nützen – so wie die vorhin erwähnte Firma Schmidhuber, die sich online als Tischlerei neu definiert hat.
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