Andreas Panhuber
"Streuobstwiesen sind das Gegenmodell zur klassischen Landwirtschaft"

Familie Panhuber aus Zell an der Pram setzt auf Biolandwirtschaft und den Erhalt alter Obstsorten sowie Artenvielfalt.
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  • Familie Panhuber aus Zell an der Pram setzt auf Biolandwirtschaft und den Erhalt alter Obstsorten sowie Artenvielfalt.
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Bio-Landwirt Andreas Panhuber gab der Initiative "Nachhaltig im Innviertel" ein Interview über das Prinzip Streuobstwiese und welche Vorteile diese Wirtschaftsform hat.

ZELL AN DER PRAM. Andreas Panhuber betreibt mit seiner Familie eine biologisch geführte Landwirtschaft mit Schwerpunkt Streuobstwiesen-Obstbau. Im Interview erklärt er, warum Streuobstwiesen besonders gut für die Natur sind.

Streuobstwiesen sind manchen nicht ganz geläufig. Was versteht man denn darunter?
Panhuber: Der Begriff Streuobstwiese bezeichnet eine traditionelle Form des Obstbaus und umfasst alle Anpflanzungen von hochstämmigen Obstbäumen, deren Unterwuchs als Mähwiese oder Viehweide genutzt wird. Streuobstwiesen bereichern das Landschaftsbild und sind ein artenreicher, vom Menschen geschaffener Lebensraum. Die Blüten im Frühjahr werden von verschiedenen Insekten bestäubt. Der große Insektenreichtum ist die Nahrungsgrundlage für viele heimischen Vogelarten. Das ganze Jahr über verzaubern Streuobstwiesen unsere Landschaften, liefern vitaminreiches Obst und schützen den Boden. Sie zu erhalten, ist eine wichtige Aufgabe und Naturschutz pur.

Welche besonderen Vorteile bietet diese Wirtschaftsform und wie ist das in eurem Familienbetrieb sichtbar?
Der Leitsatz für unsere eigene Landwirtschaft lautet: “Landwirtschaft Hand in Hand mit Naturschutz“. Es vergeht kein Tag, an dem in den Nachrichten keine neue Meldung bezüglich Insekten- und Artensterben, Bodenverbauung oder Gewässerprobleme erscheinen. Wir sehen die Streuobstwiese als Gegenmodel um nachhaltig die Biodiversität zu erhalten und aktiv Klimaschutz zu betreiben. Die Streuobstwiese gilt als Hotspot für Biodiversität und als einen der letzten Rückzugsorte für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tierarten und Obstsorten. Sie beherbergen bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten.

Streuobstwiesen sind im Innviertel unserer Beobachtung nach im Rückgang. Bei vielen Obstbäumen wird nicht mehr geerntet und die Früchte verfaulen ungenützt. Jedes Jahr werden viele Bäume abgeholzt. Wie kann man hier gegensteuern?

Konsumenten die aktiv einen Beitrag zur regionalen Kulturlandschaft Streuobstwiese bzw. der Biodiversität leisten wollen, können ganz einfach im eigenen Garten damit anfangen. Es macht Sinn wieder Obstbäume zu setzen oder auch bewusst auf Rasenmäher-Roboter zu verzichten. Weiters entscheidet jeder Konsument aktiv beim Einkauf der Lebensmittel. Es bietet sich an, direkt beim Bio-Landwirt in der Region einzukaufen oder auch im Supermarkt gezielt auf biologische und regionale Produkte zurück zugreifen. Mehr zum Thema Streuobstwiese und wo es die entsprechenden Produkte gibt finden Interessierte unter: www.streuobstwerkstatt.at

Momentan steht die Obsternte an. Sie betreiben mit Ihrer Familie eine biologische Landwirtschaft mit Schwerpunkt Streuobstwiesen-Obstbau. Wie die Ernte heuer aus?
Bei uns am Hof beginnt die Obsternte ab Juli mit Holunder, Kirschen, Ribisel, Johannisbeeren, Himbeeren, Zwetschken, Brombeeren, Birnen und Äpfel. Dabei legen wir großen Wert auf die Erhaltung von alten Obstsorten. So finden sich auf unseren Streuobstwiesen circa 70 verschiedene Apfelsorten. Dieses Obst wird von uns zu naturtrüben Säften, Essige, Senf und Glühmost in Bio-Qualität verarbeitet. Leider geht in Österreich die Vielfalt an alten Obstsorten, die hohe Anzahl an Hochstammbäumen und vor allem das Wissen darüber immer mehr verloren. 
Generell können wir heuer von einem guten Obstjahr sprechen – und hier ist vor allem die Obstqualität gemeint, da wir in den letzten Wochen noch viele Sonnentage verzeichnen durften.

Sie haben sich mit anderen Landwirten zusammengetan und arbeitest intensiv an Vermarktungsmöglichkeiten. Welche Initiativen sind da im Laufen?  

Grundsätzlich vertrete ich den Ansatz, dass Landwirte ihre Streuobstwiesen nur nachhaltig erhalten können, wenn sie damit auch eine Wertschöpfung generieren können. Hier biete ich und 6 Bio-Landwirte aus Oberösterreich mit der Initiative „Streuobstwiesen Schützen & Nützen“ und der Marke „Streuobstwerkstatt“ Konsumenten die Möglichkeit an, direkt Bio-Produkte von der oberösterreichischen Streuobstwiese zu erwerben – entweder im eigenem Onlineshop oder in einem der oberösterreichischen Unimärkten. Weiters haben Firmen und Privatpersonen die Möglichkeit Baumpatenschaften auf Streuobstwiesen in der eigenen Region zu übernehmen und so einfach und unbürokratisch Streuobstwiesen zu fördern. Unternehmer die Wert auf Nachhaltigkeit legen bestellen bei uns Streuobstwiesen-Geschenkkörbe für Ihren Mitarbeiter oder Firmenkunden. Anfragen hierzu bitte gerne an: office@streuobstwerkstatt.at

Was ist Ihnen ein Anliegen im Bezug auf Streuobstwiesen?
Ein großer Wunsch von mir wäre es generell, dass mehr Landwirte auf eine nachhaltige biologische Wirtschaftsweise umstellen und wieder mehr auf die klassische Kreislaufwirtschaft am eigenen Hof setzen. Weg vom Einsatz von chemisch synthetischen Pflanzen- und Insektengiften und die vermehrte Erhaltung und Pflege von alten Obstbäumen. Ich beobachte immer mehr, dass bei vielen Menschen das Bewusstsein für die Herstellung von hochwertigen Lebensmitteln immer mehr verloren geht. Viele kennen den Unterschied zwischen einem industriell hergestellten Nahrungsmittel und einem hochwertigem Lebensmittel aus landwirtschaftlicher Produktion nicht mehr auseinander. Hier wünsche ich mehr Bewusstsein bei allen Beteiligten und weniger Marketinglügen von der Lebensmittelindustrie.

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