29.11.2017, 19:00 Uhr

Ein Historienfilm in Schärding – warum nicht

Cornelia Ohnmacht dreht 2018 in Tschechien.

Schärdingerin Cornelia Ohnmacht ist als Kamerafrau bei Filmprojekt im Einsatz – von Hollywood will sie aber noch nichts wissen.

SCHÄRDING. Im Interview verrät die Studentin was es mit dem Filmprojekt "Delirium" auf sich hat, warum in Tschechien gedreht wird und wie sich an dem Projekt jeder finanziell beteiligen kann.

Warum dieses Filmprojekt? Was hat es damit auf sich?
Delirium, unser Film ist ein Abschlussfilm des Studienganges MultimediaArt in Salzburg. Anders als in vielen Universitäten ist unsere Fachhochschule sehr Praxisbezogen, das bedeutet, dass wir versuchen in dem einigermaßen geschützten Rahmen der Universität etwas auf die Beine zu stellen, das in der realen Wirtschaft später nicht mehr in dem Ausmaß möglich sein wird. Delirium ist ein Film über Menschen und für mich war es immer wichtig etwas zu visualisieren das den Mensch in seinem tiefsten Inneren bewegt.

Der Film soll ja mittels Crowdfunding finanziert werden? Wie ist da der aktuelle Stand?
Das Crowdfunding ist im vollem Gange. Das Schöne daran ist, dass man merkt, dass viele Menschen sich für den Film Delirium und unser Thema interessieren. Einen Film zu realisieren ist immer ziemlich kostspielig. Da immer sehr wenig Förderungen an junge Filmemacher gehen ist die Finanzierung natürlich ein Thema mit dem wir uns extrem auseinandersetzen müssen. Wir haben momentan fast 70% unseres Crowdfunding Ziels erreicht und hoffen immer noch auf kleine Unterstützungen. Für den Film freuen wir uns über jede kleine Geste. Wir suchen auch vor allem auch Requisiten und materielles Sponsoring wie z.B. Lampen (Steh und Tischlampen) im Vintagestil, Glühbirnen, Farbsprays, Essen, Bier und vor allem Transportmöglichkeiten für unser Equipment.

Bist du die einzige Schärdingerin im Filmteam?
Die meisten Filmteams sind aus allen Nationalitäten und Regionen zusammengewürfelt. Allein unser Team besteht aus Leuten aus Russland, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Südtirol und natürlich Österreich. Da Ich bin schon ein bisschen stolz den Bezirk Schärding vertreten zu können.

Du wirst ja bei „Delirium“ die Kameraführung übernehmen. Wie kommt’s?
Marie, die Regisseurin von Delirium hat mich kurzerhand gefragt ob ich Lust hätte bei ihrem Projekt die Kameraführung und Bildgestaltung zu übernehmen. Nachdem ich dann die erste Version des Drehbuches gelesen habe, wusste ich einfach das der Film Potential hat etwas ganz besonderes zu werden und habe sofort zugesagt. Das Lesen des Drehbuches von Delirium lies mich in meiner Kindheit wühlen und ich dachte an all die Orte die für mich einzigartig waren. So war mir klar, dass mein Hauptaugenmerk als Director of Photography bei Delirium auf dem Erzeugen einer nostalgischen, fast melancholischen Stimmung liegen muss.

Seit wann machst du das und gibt es bereits andere Filme, in denen du mitgewirkt hast?
Mein Opa war eigentlich immer filmbegeistert und hat damals viele private Filme mit einer Super 8 Kamera aufgenommen. Irgendwann hab ich mir zu Weihnachten einen Camcorder gewünscht und einfach darauf losgefilmt, bestimmt nicht in großer Qualität, aber das Interesse war immer schon da, würde ich sagen. Die eigentliche Begeisterung kam dann durch die Fotoarbeiten in der Bakip in Ried in der ich auch die Möglichkeit bekam mich auszuprobieren. Ich hatte extrem tolle Professoren die mich in meinen Interessen unterstützen. (Florian Wimmer, Reinhard Wimroither und Franz Radlwimmer). Außerdem konnte ich in der Firma OUPS und Innpuls in Ried erste Erfahrungen machen und bekam vor allem von Kurt Hörtenhuber die Möglichkeit ohne jegliche Ausbildung in der Richtung ein Praktikum zu absolvieren. Das glaube ich hat meinen Werdegang extrem beeinflusst und ich bin ihm extrem dankbar für all sein Engagement.

In drei kurzen Sätzen: Um was geht es in “Delirium" und wo soll der dann zu sehen sein?
Delirium ist eine Geschichte über Bruder und Schwester die nach langen Jahren wieder zusammentreffen. Als Emmas (Chelsea van Holst) sorgfältig geplantes Leben brutal aus den Fugen gerät und sie Geborgenheit bei ihrem Bruder ersucht, wird ein beunruhigendes Geheimnis gelüftet, welches ihre eigene Wahrheit in Frage stellt und die Geschwister entzweit.

Drehort ist ja Tschechien – warum?
Normalerweise sucht man extrem lange nach einer Location die allen Vorstellungen der Regie und Kamera aber auch alle produktionsbedingten Auflagen wie Parkplatz, Strom usw. erfüllt. Wir hatten viel Glück mit dem Drehort in Tschechien. Bei der Besichtigung hatten wir einfach das Gefühl, dass das 300 Jahre alte Herrenhaus die perfekte Drehlocation ist und dem Film einfach das gewisse Etwas gibt. Es vermittelt schon ohne Innenausstattung ein Gefühl von Nostalgie und mit dieser Stimmung möchte ich auch im Film arbeiten.

Könntest du dir auch ein Filmprojekt in deiner Heimatstadt Schärding bzw. im Bezirk Schärding vorstellen?
Schärding als Drehort wäre sicher etwas besonderes. Ich könnte mir vorstellen, dass z.B. ein Historienfilm extrem gut umgesetzt werden könnte. Es gibt einfach extrem viele Möglichkeiten Stimmungen einzufangen. Ob jetzt in der Silberzeile, am Inn oder in der Innenstadt: Schärding hat genug schöne und einzigartige Plätze die als Location in Frage kommen würden.

Ist das der erste Film, den du drehst?
Es gibt einige Filme die ich zusammen mit KollegInnen umgesetzt habe.
Ich finde Film eben so spannend weil man vielseitig arbeiten kann. Die größten Projekte waren bis jetzt eine Dokumentation über Regionalität und über das Sterben von Kleinbauern, ein Werbespot für Mercedesbenz, ein Horrorkurzfilm und der österreichische Spielfilm Zingerle, in dem ich im Lichtdepartment mitwirken konnte. Außerdem filme ich ab und zu kleinere Werbeaufträge, denn der Kühlschrank füllt sich nicht allein :).

Warum Kamerafrau?
Ich finde es einfach spannend gemeinsam mit der Regie und dem gesamten Team eine eigene Welt zu erzeugen in der man sich verlieren kann. Mit der Kamera lässt man Bilder entstehen, die den Menschen irgendwie aufwühlen und in eine bestimmte Stimmung versetzen können. Ich mag es wenn die Kamera auch das Schauspiel trägt und den Schauspielern den nötigen Raum für die Geschichte gibt. Man betrachtet einfach verschiedene Situationen im Film durch den Sucher und kann so oft den nötigen objektivierenden Abstand gewinnen den es in bestimmten Situationen oft braucht. Die Filmbranche ein hartes Pflaster, das ist klar. Man muss sehr viel Energie und Zeit in die Filme und den Beruf investieren. Doch man lernt viele Leute kennen aus denen echte Freundschaften werden können, erlebt und sieht Neues und kommt vor allem rum. Das Schönste ist, wenn man dann den fertigen Film sieht und Menschen damit begeistern kann. Dann kann man schon ein bisschen stolz sein.

Welche Zukunftspläne hast du?
Nach Delirium widme ich mich meiner Dokumentation, die sich um die Optimierung im Hobbysport dreht. Diese, denke ich wird noch ein paar Monate beanspruchen. Danach kann ich mir vorstellen für ein paar Monate in einem Equipmentverleih zu arbeiten, um meinen technischen Horizont noch zu erweitern. Auch die Arbeit mit der Unterwasserkamera und Dokumentarfilm interessiert mich extrem und ich würde mich dort gerne vertiefen und mich als Kameraassistenz zur Verfügung stellen. Generell braucht man als Kamerafrau/mann aber Aufträge damit man Überleben kann. Das bedeutet, dass man eben selbstständig kleinere oder größere Werbejobs filmt und sich so ein Einkommen sichert. Aber meistens kommt es aber dann eh immer anders als erwartet.

Wird Conny Ohnmacht bald in großen Spielfilmen oder gar Hollywoodproduktionen mitwirken?
Was die Zukunft bringt kann ich nicht voraussehen und das ist glaube ich auch ganz gut so. Man fängt immer klein an und mit der steigenden Erfahrung schafft man es womöglich einmal in den Spielfilmbereich. Ich denke immer, dass man das was man tut mit Freude und Begeisterung machen sollte, dann kommt alles Andere ganz von selbst.

Zur Sache

Infos und Spenden zum Projekt per Mail an film.delirium@gmail.com
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Mag.iur.Helmut Böhm aus Waidhofen/Thaya | 03.12.2017 | 11:33   Melden
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