Verkehr
Kein Gurt und Handy am Steuer wird empfindlich teurer

Das Telefonieren mit dem Handy am Ohr wird künftig um das Doppelte teurer.  | Foto: Archiv
  • Das Telefonieren mit dem Handy am Ohr wird künftig um das Doppelte teurer.
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Wer mit dem Handy am Ohr beim Autolenken telefoniert, reagiert ähnlich schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille, erinnert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Im Vorjahr wurden in Tirol 16.024 Handy-Vergehen von der Polizei geahndet, zum siebten Mal in Folge ist die Anzahl gestiegen. Auch nach der von der Bundesregierung angekündigten Erhöhung der Strafe auf 100 Euro wird die Strafe in Österreich niedriger sein als beispielsweise in Polen, Rumänien, Italien oder Spanien. Der VCÖ spricht sich für die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem aus, so wie das in der Mehrheit der EU-Staaten bereits der Fall ist. Und: Das Motto „Don’t phone & drive“ beherzigen, denn auch mit Freisprecheinrichtung ist man abgelenkt.

Im Vorjahr war Ablenkung und Unachtsamkeit laut Innenministerium die Ursache für jeden 4. tödlichen Verkehrsunfall in Österreich.

„Nicht jeder dieser Unfälle ist Folge von Handy am Steuer. Aber Autolenker mit dem Handy am Ohr reagieren etwa um eine halbe Sekunde verzögert. Im Straßenverkehr, wo oft ein Bruchteil einer Sekunde entscheidet, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht, kann das fatale Folgen haben“

, weist VCÖ-Experte Michael Schwendinger auf das stark erhöhte Unfallrisiko durch Handy am Steuer hin. Die Reaktionszeit ist vergleichbar schlecht, wie bei Alkolenkern mit 0,8 Promille.

Die möglichen fatalen Folgen verdeutlicht das nachfolgende Beispiel des VCÖ. Läuft ein Kind 23 Meter vor einem Pkw, der 50 km/h fährt, auf die Straße, kann ein aufmerksamer Lenker das Auto vor dem Kind zum Stillstand bringen. Ein Autofahrer, der eine halbe Sekunde verzögert reagiert, fährt das Kind mit einer Geschwindigkeit von rund 36 km/h nieder, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu schweren Verletzungen führen kann. Wer während des Lenkens am Handy Nachrichten schreibt, ist sogar bis zu zwei Sekunden im Blindflug unterwegs. Deshalb beim Lenken volle Konzentration auf den Straßenverkehr und das Motto „Don’t phone & drive“ beherzigen, das gilt auch fürs Telefonieren mit Freisprecheinrichtung, rät der VCÖ.

Die von der Bundesregierung vorgesehene Erhöhung der Strafe von 50 auf 100 Euro ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber die Strafhöhe steht nach wie vor in keinem Verhältnis zum Ausmaß der Gefährdung.

„Handy am Steuer ist kein Kavaliersdelikt, sondern kann Gesundheit und Leben anderer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer gefährden“

, ruft VCÖ-Experte Schwendinger in Erinnerung. Auch der EU-Vergleich zeigt, dass die Strafe in etlichen Staaten höher ist. So ist für Handy am Steuer in Polen mindestens 110 Euro zu zahlen, in Rumänien und Belgien 115 Euro, in Portugal 120 Euro, in Frankreich 135, in Luxemburg 145 Euro, in Schweden 160 Euro, Italien 165 Euro, in Dänemark und Spanien jeweils 200 Euro und in den Niederlanden 350 Euro. Der VCÖ fordert die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem, so wie das in Deutschland und zahlreichen anderen EU-Staaten bereits seit langem der Fall ist.

Auch Kontrollen sind wichtig, insbesondere im Ortsgebiet. Im Vorjahr hat die Exekutive in Tirol 16.024 Handy am Steuer Vergehen geahndet, im Jahr 2021 waren es 14.602 geringfügig mehr und vor der Covid-19-Pandemie im Jahr 2019 waren es 12.207. Die Zahl der geahndeten Vergehen ist in Tirol zum siebten Mal in Folge gestiegen.

„Die Exekutive leistet mit den Kontrollen einen wichtigen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit und den Schutz der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer“

, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest.

Auch die Strafe beim Verstoß gegen die Gurtpflicht wird erhöht, von 35 auf 50 Euro. Im Jahr 2021 waren in Österreich 30 Prozent der tödlich verunglückten Pkw-Insassen nicht angegurtet, weist der VCÖ auf die Unfallstatistik hin. Fast die Hälfte der Todesopfer war zwischen 15 und 29-Jahre jung. Insgesamt waren zweieinhalb Mal so viele Männer wie Frauen betroffen.

VCÖ: In Tirol zum 7. Mal in Folge mehr Handy am Steuer Vergehen geahndet
(Anzahl geahndete Vergehen in Tirol wegen Handy am Steuer)

geahndete Vergehen wegen Handy am Steuer
Jahr 2022: 16.024 
Jahr 2021: 14.602
Jahr 2020: 13.838
Jahr 2019: 12.207
Jahr 2018: 10.615
Jahr 2017: 10.063
Jahr 2016: 9.172
Jahr 2015: 8.716
Jahr 2014: 11.101
Jahr 2013: 12.219
Jahr 2012: 13.035
Jahr 2011: 12.029
Jahr 2010: 11.908
Quelle: BMI, VCÖ 2023

Der "VCÖ - Mobilität mit Zukunft" ist eine auf Mobilität und Transport spezialisierte, gemeinwohlorientierte Organisation. Ziel des VCÖ ist ein ökologisch verträgliches, ökonomisch effizientes und sozial gerechtes Verkehrssystem. Die Sichtweise des VCÖ ist global orientiert, themenübergreifend und berücksichtigt die Interessen zukünftiger Generationen.

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