Mit Kampfpreisen auf Kundenfang
Wirbel in der Spittaler Haarszene

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  • Foto: Der Türke Khalid Waleed bei der Arbeit
  • hochgeladen von Michael Thun

SPITTAL. Für Wirbel in der Haarszene der Lieserstadt sorgen zwei neue Friseure.  In der Brückengasse wirbt seit Feber "Avend", seit einem Monat am Neuen Platz "Silvercut" um Kundschaft. Mit Kampfpreisen wie zehn Euro für einen Herrenhaarschnitt und durchgehenden Öffnungszeiten von Montag bis Samstag zwischen 9 und 19 Uhr sorgen sie bei den etablierten Figaros für Unruhe.

Verschiedene Masken

Der 21-jährige "Avend"-Chef Imran Slo, der zusammen mit seinem syrischen Landsmann Gharib Kamischli (31) den Damen- und Herrensalon führt, lebt seit vier Jahren in Österreich. Unabhängig von dem Schnäppchen-Angebot wirbt der junge Mann mit Besonderheiten wie Gold-, Black- oder Betonmasken oder Wax zum Entfernen von Haaren an Augenbrauen, Ohren und Nase. Die Kunden kommen aus allen Altersklassen, beteuert der Coiffeur.

Gesichtsdampf für Männer

Nur Herren bedient Khalid Waleed in seinem Ein-Mann-Betrieb "Silvercut". Der 27-jährige Türke lebt ebenfalls seit vier Jahren in Österreich. Auch er will sich von den alteingesessenen Frisörsalons mit Spezialitäten wie der Schwarzen Maske, einer auf Kohlebasis beruhenden porentiefen Reinigung, oder Gesichtsdampf unterscheiden. "Angst vor der Konkurrenz habe ich nicht", beteuert Waleed, dessen Firma Silvercut Alsaidi KG in Villach gemeldet ist. Beiden Newcomern gemein ist der unüberhörbare permanente Rap-Teppich.

Innungsmeister kritisch

Dietmar Koschitz, Innungsmeister des Bezirks und stellvertretender Innungsmeister Kärntens, stellt fest: "Mit diesen Preisen kann man eigentlich nicht überleben." Eingedenk der tariflichen Mindestlöhne, Freizeit- und Urlaubsansprüche rechnet der Meister vor, eine Friseurin koste ihn in der Stunde "mindestens 35 bis 40 Euro". Und eine Mechaniker-Stunde werde sogar mit 120 Euro kalkuliert.

Mehr als 20 Friseurbetriebe in Spittal bei gut 15.000 Einwohnern seien in wirtschaftlicher Hinsicht "nicht mehr gesund", fährt der Unternehmer fort, der auf eine fast vier Jahrzehnte währendes Karriere zurückblicken kann. Doch nicht die Innung oder Wirtschaftskammer, sondern das Gewerbeamt sei für die Anmeldung eines neuen Betriebs zuständig: "Uns sind die Hände gebunden."

Apell an Behörden

Und gerade die Behörden wie Finanzamt, Arbeitsinspektorat und Krankenkassen seien angehalten, besser zu kontrollieren: Ob die Arbeitszeiten auch tatsächlich eingehalten, ob die Sozialabgaben geleistet werden. Dies betreffe Ausländer wie auch Österreicher, die beispielsweise "schwarz" arbeiten. Nur: "Ich sehe nicht ein, dass wir Anzeige erstatten sollen."

Stellen die neuen Billiganbieter eine ernsthafte Konkurrenz dar? "Wir haben viele Stammkunden, die uns auch weiterhin die Treue halten", beteuert Koschitz. "Das ist wie mit dem Internet: Gekauft wird vor Ort."

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