02.09.2014, 17:00 Uhr

"Am besten im Zwiebellook auf den Berg"

Ortsstellenleiter der Bergrettung Fragant, Heimo Schall (Foto: Bergrettung Fragant)
BEZIRK SPITTAL. Herbstzeit ist Wanderzeit. In den nächsten Wochen herrscht in den Bergen Hochsaison.
Wie sieht die optimale Ausrüstung aus? Was ist vor einer Bergtour zu beachten? Der Ortsstellenleiter der Bergrettung Fragant, Heimo Schall, redet dem Zwiebelprinzip das Wort. das heißt: "Wenn es in 3.000 Meter Höhe warm ist, darf man durchaus in kurzer Hose unterwegs sein." Aber: "Mit zu führen ist immer eine feste, regensichere Überhose und -jacke." Denn gerade im Berg kann das Wetter blitzschnell umschlagen.

Ein Regenschirm ist im Berg ein absolutes No-Go: "Ein Windstoß genügt, und er ist hin." Vor allem aber: "Man muss im Fall eines Sturzes immer beide Hände frei haben", erinnert der für das gut 203 Quadratkilometer große Einsatzgebiet zuständige Schall.
"Wichtig ist auch, dass die Hose nicht zu eng ist", ergänzt Johannes Stoxreiter, Ortsstellenleiter der Bergrettung Lieser-Maltatal. "Bei einer Jeans fühle ich mich in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Und wenn sie einmal nass ist bleibt sie lange nass."

Nach dem Zweck richtet sich auch der Preis. "Wer nur einmal im Sommer unterwegs ist, kommt auch mit preiswerter Kleidung aus", sagt Schall. Umgekehrt trägt Stoxreiter, zuständig für ein 695 Quadratkilometer fassendes Einsatzgebiet, Sachen, die er sich schon vor zehn Jahren - damals nicht eben billig - angeschafft hat.

Das A und O: Schuhe

Das A und O, sind sich beide einig, ist das Schuhwerk. Dafür sollte man sich beim Kauf ausreichend Zeit nehmen. "Die Schuhe müssen guten Halt geben, dürfen keine Schmerzen verursachen", so die Experten. Für den Berg sollten sie auf jeden Fall- für jeden Fall! - über den Knöchel gehen und eine griffige Profilsohle besitzen. Auch sollten sie wasserdicht sein, also aus Gore tex oder Vollleder. Von Schuhen unter 180 Euro sei abzuraten!

Im Fachgeschäft gigasport ergänzt Alois Sinzinger, auf jeden Fall Schuhe nicht am Morgen oder Vormittag kaufen: "Dann sind sie noch nicht angeschwollen." Dies unterstreicht auch Leo Baumgartner (Sport Steiner): "Die meisten Kunden machen den Fehler, den Schuh zu klein zu kaufen." Und: Vor allem Frauen hätten mit Hallux valgus zu kämpfen - einem Schiefstand des Großzehs, auch Überbein genannt. Dafür gibt es nun besondere Wanderschuhe.
Nicht unwichtig: Strümpfe, die die Feuchtigkeit auch wieder abgeben. Sie dürfen auch keine Naht haben. Wer auf Nummer sicher gehen will, leistet sich ein Paar, das anatomisch geformt links und rechts unterscheidet.

Trillerpfeife und Handy

Ferner gehören zur Grundausrüstung unbedingt ausreichend Flüssigkeit sowie Handschuhe und Mütze. Und natürlich ein Rucksack. In ihm sollten nicht fehlen: ein Erste-Hilfe-Set, eine Taschen- bzw. Stirnlampe, eine Trillerpfeife (Schall: "Nach einer halben Stunde Rufen versagt die Stimme") sowie ein Handy und gegebenenfalls zur Orientierungshilfe ein GPS-Gerät. Wer mit seinem Mobilgerät einen Notruf absetzen will, wählt entweder 140 (Alpin-Notruf) oder 112 (Euro-Notruf). Ganz wichtig: Sich vorher, nicht erst im Ernstfall, mit der Handhabung der Geräte vertraut machen. Stoxreiter führt selbst immer einen Biwaksack mit sich - "selbst für eine nur halbstündige Tour".

Schließlich sollte der Berggeher vorher Bescheid geben, wie seine Route aussieht und sein nächstes Ziel. Hüttenwirte wüssten zudem am besten, wie das Wetter wird. Erst kürzlich hat ein 37-jähriger Brite, der in den Hohen Tauern unterwegs war, die Warnungen der Wirtin in den Wind geschlagen und machte sich in kurzer Hose und Turnschuhen auf dem Weg. In 3.100 Meter Höhe versagten die Kräfte - Bergretter kamen dem leichtsinnigen Touristen per Hubschrauber zur Hilfe.
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