13.12.2017, 09:53 Uhr

Reisseck: Zweiter Resonator wird eingebaut

Verbund-Vertreter und Bürgerinitiative-Sprecherin Alexandra Königsreiner im Krafthaus Rottau (Foto: KK/Verbund)

Bürgerinitiative und Verbund treffen sich regelmäßig. Betrieb des ersten Resonators erfolgreich, zweiter wird noch vor Weihnachten eingebaut. BI stützt sich auf Forschung an TU Graz.

REISSECK (ven). In der Rottau ist laut Bürgerinitiative (BI) unter Sprecherin Alexandra Königsreiner noch immer keine Ruhe eingekehrt. Wie die WOCHE berichtete, befürchten die Anrainer Gesundheitsgefährdung wegen dem Pumplärm, den das Verbund-Krafthaus Rottau und die Druckrohrleitung verursache. Nun wird ein zweiter Resonator eingebaut.

Regelmäßige Treffen

Zur Jahresmitte wurde der erste Resonator zur Schallminderung eingebaut. Die WOCHE fragte nach, ob es Verbesserungen gebe.
"Wir hatten alle sechs bis acht Wochen nach Einbau des Resonators einen Lokalaugenschein und Besprechungen." Anfang Oktober war der Geschäftsführer der Verbund Hydro Power GmbH – Karl Heinz Gruber – wieder vor Ort, um mit der BI zu sprechen. "Die BI wollte eigentlich die Unterschrift aller Teilnehmer unter die jeweiligen Besprechungsprotokolle, dies wurde aber seitens der Verbund AG abgelehnt. Angeblich ist dies rechtlich schwer möglich. Deshalb war ein weiteres Gespräch notwendig, in dem Gruber erneut mitgeteilt wurde, dass der Konzern in dieser Region noch einiges gut zu machen hat", so Königsreiner.

"Noch hörbar, aber anders"

Auch die aktuellen Messergebnisse wurden mitgeteilt, bei Pumpe 3 sei eine deutliche Reduktion der Emissionen erzielt worden. "Wir haben dies natürlich auch beobachtet. Diese Pump-Geräusche sind freilich noch hörbar, allerdings anders."

"Kein Postwurf"

Laut Königsreiner seien die Menschen in der Region sehr verunsichert, man merke vom Resonator noch nichts und man möchte mehr Informationen - zum Beispiel per Postwurf seitens des Verbunds. "Der Konzern möchte dies aktuell leider nicht machen, was wir allerdings nicht verstehen."

Vor 30 Jahren entwickelt

Als eine "schallende Ohrfeige" bezeichnet Königsreiner auch folgendes: "Reinhold Logar hat uns kontaktiert. Er hat schon vor über 30 Jahren diesen Resonator an der TU Graz entwickelt. Damals bekam das Institut zwei Forschungsaufträge, die von der Verbund AG (vormals Draukraft AG) bezahlt wurden. Die Ergebnisse waren sehr vielversprechend. Natürlich wird dies von der heutigen Konzernleitung bagatellisiert, wie halt üblich, wenn Wahrheiten ans Tageslicht kommen. Unsere Region wäre seit über 30 Jahren entlastet, wäre nicht der Börsengang des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt wichtiger gewesen als die Bevölkerung. So viel zum Thema Partner der Region!", ist sie empört.

"Konzerninteressen vor Allgemeinwohl"

Der Konzern habe es laut Königsreiner in Kauf genommen, dass Menschen krank werden bzw. immens unter diesen Pump-Emissionen leiden, nur damit die Aktionäre bedient würden und das Konzernergebnis passe. "Wie so oft stehen Konzerninteressen vor dem Allgemeinwohl!"

Einbau vor Weihnachten

Josef Mayrhuber, Werksgruppenleiter in Reisseck, hat Neuigkeiten. "Wir haben – so wie im Sommer angekündigt - nach dem Einbau des sogenannten Resonators an der ersten von zwei Pumpen ausführliche Messungen und Prüfprogramme abgearbeitet. Im Ergebnis sind wir mit der erzielten Schallminderung sehr zufrieden, die Konstruktion bewirkt die von uns berechnete Reduktion der störenden Frequenzen." Somit wurde unverzüglich ein baugleicher zweiter Resonator für die zweite Pumpe in Auftrag gegeben.
Dieser zweite Resonator liege bereits im Krafthaus, wurde aus Sicherheitsgründen einer Druckprobe unterzogen und werde noch vor Weihnachten eingebaut. Anschließend erfolgen die Feinabstimmungen und dann werde wieder ein umfangreiches Messprogramm durchgeführt. "Und mit dem Vorliegen der Ergebnisse werden wir wieder gemeinsam die Bevölkerung informieren, so wie wir das versprochen haben."

"Börsengang bereits 1988"

Mayrhuber geht mit der BI aber ins Gericht: "Die abstrusen und sich widersprechenden Unterstellungen der Bürgerinitiative weisen wir jedoch mit Entschiedenheit zurück. So wurde das Prinzip des Resonators an der TU Graz bis 1995 im Laborversuch erforscht, der Börsengang der Verbund AG fand hingegen bereits 1988 statt. Mit den Gesetzen der Logik lässt sich hier also kein wirtschaftlicher Zusammenhang herstellen", entkräftet er.

Vor 20 Jahren kein Thema

Er möchte die Sprecherin der Bürgerinitiative vielmehr daran erinnern, dass im Jahr 1996 im Rahmen der sogenannten Kollaudierungsverhandlung etwa 200 Anrainer eingeladen waren, damals aber niemand eine Verbesserung oder eine Entschädigung verlangt oder gar eine Gesundheitsgefährdung aufgrund von Lärm befürchtet habe.
"Die Anrainer äußerten 1996 die Sorge hinsichtlich elektrischer oder magnetischer Felder, woraufhin die Behörde Messungen veranlasste. Die Schallausbreitung war vor 20 Jahren kein Thema. Seitdem haben sich sogar neue Nachbarn an der Grenze des von der Gemeinde festgelegten Immissionsgebiets angesiedelt, die sich seit 2015 über die unbestritten störende Schallausbreitung im Pumpbetrieb beschweren."

Hoffen auf Entlastung

"Wir hoffen, dass der Einbau des zweiten Resonators endlich eine Entlastung für uns bringt. Sollte dies nicht der Fall sein, dann werden wir so lange nicht locker lassen, bis es für uns und unsere Familien auch wirklich passt und die Gangart wird sich verschärfen – davon kann die Verbund AG ausgehen! Dieses Kalkül zu Lasten einer Region, die seit Jahrzehnten hinter der Wasserkraft stand und auch heute noch steht, ist einfach unfair", schließt Königsreiner.
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