24.10.2017, 17:53 Uhr

Wie mit dem Tod von Angehörigen umgehen?

Ursula Luschnig, Bereichsleitung Menschen in Krisen der Caritas (Foto: privat)

Caritas, Bezirkshauptmannschaft, Phönix und FamiliJa bieten Hilfe an

SPITTAL. Allerheiligen, Allerseelen stehen an - Tage, an denen besonders um die Verstorbenen getrauert wird. Fast ein jeder kennt das: Der Tod eines uns nahe stehenden Menschen, besonders wenn dieser plötzlich und unverhofft eintritt, wirft einen aus der Bahn, entzieht einem den Boden unter den Füßen. Wie können wir mit diesem Schicksalsschlag umgehen, wer bietet uns Hilfe an?

Eine segensreiche Anlaufstelle ist die Caritas Kärnten. Ursula Luschnig, Bereichsleitung Menschen in Krisen, berichtet der WOCHE: "Trauernde kommen nach dem Verlust eines geliebten Menschen in unterschiedlichen Phasen ihres Trauerprozesses zu uns. Unmittelbar nach dem Tod sind sie meist mit der Organisation und Abwicklung des Trauerfalles (Begräbnis, Wohnungsauflösung...) beschäftigt und die Menschen haben noch keine Zeit für eigene Gefühle. Das kann auch ein Schutz sein, weil sie den Schmerz auch schwer aushalten würden. Der Wunsch ist es, mit einen Außenstehenden reden zu können. Die unterschiedlichen Gefühle, die nach einem Verlust auftauchen, sind oft schwer zu verstehen. Denn es kommen nicht nur Gefühle wie Trauer, sondern vielleicht auch Angst, Wut und Zorn. Fragen wie 'Warum musste das gerade mir passieren?', 'Warum hast du mich im Stich gelassen?' Oder auch 'Hätte ich noch mehr tun können?' tauchen auf und können Schuldgefühle erzeugen.

Gefühle haben in Gesprächen Platz

All diese Gefühle, die zu diesem Zeitpunkt über einen hereinbrechen, haben in den Gesprächen Platz. Sie helfen dem Trauernden, seinen Schmerz besser zu verarbeiten. Werden sie jedoch unterdrückt, so können diese Gefühle viel zerstören, sie führen dann nicht selten zu Depressionen.
Letztendlich kommen die Menschen mit dem Wunsch, dass es nicht mehr so weh tut, dass sie ein Stück auch lernen den Tod zu verstehen. Langsam erkennt man, dass das Leben weitergeht. Es kommt die Zeit, in der man wieder neue Pläne schmieden kann. Der Verlust hat Spuren hinterlassen, die Einstellung des Trauernden zum Leben verändert sich meist. Der Verstorbene bleibt ein Teil dieses Lebens und lebt weiter in den Erinnerungen und im Gedenken."

WOCHE: Wie viele kommen, ist es unterschiedlich in den Jahreszeiten?
Luschnig: "Menschen kommen oft zu uns, weil sie keine Lebensfreude mehr verspüren und im Gespräch stellt sich heraus, dass sie vor kurzem einen sehr nahen Menschen verloren haben. Heuer hatten wir konkret zum Thema Verlust und Trauer über 250 Gespräche in ganz Kärnten, im Bezirk Spittal/Drau 28. Der Tod ist nicht planbar und nicht jahreszeitenabhängig. Trotzdem wird um die Zeit rund um Allerheiligen und Weihnachten der Verlust wieder stärker spürbar. Wir sprechen oft vom Trauerjahr, das heißt, auch dass Trauernde jede Jahreszeit und jedes Fest ohne den geliebten Menschen erleben und damit umgehen lernen.

WOCHE
: Wie können Sie helfen?
Luschnig: Indem wir da sind und ohne Bewertung zuhören, Raum geben für alle Gefühle, die auftauchen und aufbrechen. Informationen und Zeit geben und vor allem die Erlaubnis, dass alles sein darf und Verständnis dafür, dass Trauer etwas sehr individuelles ist. Die Trauerarbeit leistet der betroffene Mensch selbst, wir können ihn dabei begleiten und unterstützen.

Auch BH bietet Hilfe an

Sabine Gußnig von der Bezirkshauptmannschaft Spittal ergänzt: "Tod und Trauer sind nach wie vor Themen, denen man gern aus dem Weg geht - aus Angst, Unsicherheit und Unwissenheit. Verstärkt zeigt sich das beim Thema Suizid oder auch wenn Kinder sterben. Die eigene Unsicherheit führt dann oft dazu, dass man um die Angehörigen einen großen Bogen macht, man will ja schließlich 'nichts Falsches' sagen oder tun.
Gerade wenn ein Elternteil, ein Geschwisterkind oder eine andere Bezugsperson eines Kindes oder Jugendlichen verstirbt, können auch die Sozialarbeiterinnen des Kinder- und Jugendhilfeträgers der Bezirkshauptmannschaft Spittal/Drau Hilfe anbieten. Rasch und unbürokratisch werden Möglichkeiten gesucht, die Familie zu begleiten und in der Trauerarbeit zu unterstützen.

Im Falle des Todes eines Elternteils klären die Mitarbeiterinnen über die notwendigen rechtlichen Schritte auf, zum Beispiel die Entscheidung über die Obsorge bei Gericht. Sie vermitteln aber auch an entsprechende Organisationen und Vereine, die die Betroffenen in der ersten Zeit der Trauer begleiten. Bei Bedarf werden in Einzelfällen die Kosten für die Trauerbegleitung übernommen.

Die Sozialarbeiterinnen versuchen Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig das Abschied nehmen für Kinder und Jugendliche ist. Dazu braucht es Erwachsene, die sie dabei begleiten. Kinder und Jugendliche benötigen altersgemäße Antworten auf ihre Fragen und Verständnis dafür, dass ihre Trauer anders aussieht und anders verläuft als bei Erwachsenen. Wichtig im Umgang mit den Kindern ist Aufrichtigkeit sowie ein gute Balance zwischen Geduld, Liebe und Aufmerksamkeit einerseits, Verlässlichkeit und geregeltem Tagesablauf andererseits. Eine gute Begleitung durch Fachkräfte kann dazu beitragen, den Tod und die Trauer gut in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren."

Wenn Kinder trauern

Auf die Begleitung trauernder Kinder und Jugendlicher hat sich Manuela Brandstätter spezialisiert. Die studierte Theologin ist Lebens- und Sozialberaterin sowie Psychosoziale Trauerbegleiterin bei der Phönix Jugendbetreuung, eine vom Land Kärnten akkreditierte überkonfessionelle und überparteiliche Trägereinrichtung der Freien beziehungsweise Privaten Kinder- und Jugendhilfe. Zu erreichen ist Manuela Brandstätter telefonisch unter 0676/950 25 79, zu finden - wie auch die Caritas-Lebensberatung - im Gesundheitszentrum Spittal, Feldstraße 5.

Anlaufstelle FamiliJa

Schließlich können sich Trauernde an Elisabeth Sagerschnig wenden. Die diplomierte Lebensberaterin ist in FamiliJa im im psychologischen Pädagigischen Beratungsteam integriert. Weiters engagiert sie sich ehrenamtlich in der Hospizbewegung Kärnten, der ersten, ältesten und größten Hospizbewegung des Landes. Elisabeth Sagerschnig leitet das Mölltaler Hospizteam mit elf ehrenamtlich tätigen Hospiz-Mitarbeiterinnen.

WOCHE: Mit welchen Anliegen kommen Trauernde zu Ihnen?
Sagerschnig: "Zu Tode erschrocken" gibt es manchmal eine Diagnose, die Betroffene und/oder deren Angehörige zu uns bringt. Viel öfter sind es betagte, ältere Menschen zu Hause wie in Pflegeheimen. Immer ist es das Anliegen, in schwierigen Lebenssituationen besonders am letzten Lebensweg nicht allein zu sein. Damit es leichter wird, müssen die vielen Gedanken, Zweifel, Unsicherheiten, Bedrängnisse, Fragen irgendwo ankommen dürfen, auch wenn es nicht immer Antworten zu finden gibt. Dazu sind wir Hospizbegleiterinnen da, dafür sind wir ausgebildet.

WOCHE: Wie viele kommen, ist es unterschiedlich in den Jahreszeiten?
Sagerschnig: Sterben, Tod und Trauer hat wohl keine bevorzugte Jahreszeit, da haben wir keinen Einfluss. Ja, aber Sie haben recht, über den Sommer gibt es weniger Neuanfragen.

WOCHE: Wie können Sie helfen?
Sagerschnig: Was ein Mensch in der Hospizbegleitung einem leidenden Menschen schenkt, ist nicht diese oder jene Leistung oder Wissen, sondern gerade das eigene „Nichthandeln und Nichtwissen“.

Anhören und Schweigen

Ich kann mir nicht vornehmen, heute mach ich dies oder spreche ich über das, sondern ich gehe leer hin spüre, was mich erwartet. Manchmal ist es Anhören, was da ist, Austauschen, oder auch Schweigen aushalten. Es gilt einfach ganz Da zu sein. Bei Angehörigen von Sterbenden ist es oft wichtig, die allgemeine Befangenheit rund um den Tod ein bisschen zu „lichten“, damit wird oft noch viel innige Begegnung möglich, die über den Tod hinaus trägt.

WOCHE: Leisten Sie (auch) Trauerarbeit?
Sagerschnig: Ja! Verlust und Abschied sind Lebenssituationen, mit denen die meisten Menschen schwer umgehen können. Viele stehen dem tiefen Schmerz hilflos gegenüber. In der Trauerberatung helfe ich Menschen bei einem heilsamen Umgang mit ihren Trauergefühlen und begleite sie mitfühlend und sicher auf dem Weg durch den Schmerz hin zu neuer Lebensenergie.

WOCHE: Ist die Beratung kostenlos?
Sagerschnig: FamiliJa ist eine öffentliche Beratungsstelle, die Beratung ist kostenlos. Anmeldung ist jedoch erforderlich.  Hospizbegleitung ist ehrenamtlich. Manchmal möchten Angehörige jedoch einen Ausgleich schaffen, das können sie gerne mit einer freiwilligen Spende für die Hospizbewegung. Damit werden dann unter anderem Weiterbildungen für die Teams finanziert.
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