08.10.2014, 16:00 Uhr

Möbel nach Maß seit über hundert Jahren

Christian Huainigg und sein Vater Franz

Die Familie Huainigg in Spittal erfüllt Möbelträume und Sonderwünsche.

SPITTAL (ven). Seit 1906 fertigt die Familie Huainigg in Spittal Möbel nach Maß. Mittlerweile wird das Geschäft in vierter Generation von Christian Huainigg geführt, jedoch ist auch die Moderne eingezogen.

Hoflieferant

Angefangen hat alles mit Christian Huainiggs Urgroßvater Josef. "Bereits 1898 hat er in der Schillerstraße in einem Keller mit Tischlereiarbeiten angefangen", erzählt der jetzige Firmenchef. 1906 gründete Josef dann am jetzigen Standort die Bautischlerei.
"Er war damals sogar K & K Hoflieferant von Granatkisten", erzählt der Chef. Sein Sohn Franz wurde 1909 geboren. Seine große Liebe Anna hat Franz schon im Sandkastenalter gekannt. "Sie ist als Kind von Deutschland nach Spittal gekommen. Meine Urgroßmutter hat sie ausgesucht und aufgenommen. Dann ist sie kurz wieder zurück nach Deutschland, bei ihrer Rückkehr nach Österreich haben sich mein Großvater und sie verliebt", erzählt Huainigg die rührende Geschichte. Franz ist 1945 in den Betrieb eingestiegen.

Um Handel erweitert

In den 60er Jahren wurde das Unternehmen ausgebaut und auch der Handel mit Textilien und Möbel wurde erweitert. Franz junior, geboren 1941, hat als Jüngster mit 18 Jahren die Prüfung zum Tischlermeister absolviert. "Damals musste ich noch den Landeshauptmann fragen, denn man war erst mit 19 volljährig und durfte vorher auch nicht die Meisterprüfung ablegen", erzählt Franz junior.
Anfang der 80er Jahre hat er den Betrieb übernommen. "Meine Großeltern waren aber noch bis 1991 im Betrieb tätig", erzählt sein Sohn Christian Huainigg.

Der Lauf der Zeit

"Ich habe schon als Kind unser Geschäft mitbekommen, das sich schon sehr verändert hat. Damals wurden Küchen nicht geplant, sondern man kaufte einfach fertige Elemente. In den 80ern ist alles planungsintensiver und individueller geworden. Irgendwie hat vorher alles gleich ausgesehen", erinnert sich Christian Huainigg. Seitdem wurde im Betrieb viel mehr auf Planung umgestellt und auch der Handel wurde erweitert. "Die Tischlerei ist nach wie vor ein wichtiges Standbein, denn durch die eigenen Planungen können wir uns von der Masse absetzen", erklärt er.

Im Betrieb geblieben

Schon als Kind ging er immer mit seinem Vater mit zu Kunden. Nach dem Gymnasium besuchte er die HTL für Möbel- und Innenausbau. Danach verbrachte er ein Jahr in München, im damals größten Möbelhaus "Krügel". Nach einem halben Jahr in Italien wurde sein Großvater krank. "Sie haben mich zuhause gebraucht", erzählt er. "Aus ein paar Monaten sind nunmehr 25 Jahre geworden, aber es macht mir viel Spaß", so Huainigg.

Design und Stil

Seit 2003 ist er der Firmenchef, sein Vater ging zeitgleich in Pension. Die Marke "KARE", die in eigenen Geschäftsräumlichkeiten ein paar Meter neben dem Stammhaus verkauft wird, hat Huainigg auf einer Messe kennengelernt. "In den Räumen haben wir vorher immer schon italienische Stilmöbel verkauft." Nun geht es hier sehr bunt zu. Seine Eltern stehen Christian immer noch beratend zur Seite. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 18 Mitarbeiter, sechs davon in der Tischlerei, zwei im Büro, ein Lehrling, eine Reinigungskraft, der Rest in Planung und Verkauf. "Früher waren es über 30." Bei Huainigg werden nicht nur Möbel gefertigt, es werden ganze Räume, angefangen von Fußböden bis hin zu Vorhängen und anderen Textilien, vom Unternehmen ausgestattet. Insgesamt 2.000 Quadratmeter stehen dafür zur Verfügung.

Teurer Ruf

Huainigg blickt zurück: "Früher waren alle Möbel, die wir eingekauft haben, zerlegt. Da waren die Lehrlinge oft einen halben Tag lang beschäftigt, die Kleinmöbel zusammenzubauen." Heute werde alles bereits fertig geliefert. Private Möbelhäuser haben heutzutage den Ruf, teurer als die bekannten Ketten zu sein. "Wenn man aber Material, Oberflächen oder Plattenstärken vergleicht, kann dieser Ruf leicht zerstört werden. Außerdem ist bei uns die Montage dabei, die Kunden wünschen das", so der Inhaber. Der Kunde müsse sich um nichts kümmern, das Möbelhaus arbeitet auch mit Elektrikern oder Installateuren zusammen.

Mit Service punkten

Ob das Internet eine große Konkurrenz dar stellt? "Das Internet merke ich schon, aber ich erlebe sehr oft, dass die Leute im Internet die Möbel anschauen, sie aber bei uns im Geschäft abholen, beziehungsweise dort erst die Stoffe fühlen und probesitzen. Der Möbelkauf ist ja auch ein haptisches Ereignis", so Huainigg. Sein Vorteil: "Wir erfüllen jeden Sonderwunsch und bieten guten Service."
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