Interview mit Gabriela Bley
„Arbeiten wann und wo ich möchte“
Workation: Arbeiten, wo andere Urlaub machen – Ein Interview mit einer digitalen Nomadin.
STEYR. Frauenpower, Selbstbestimmung und ein Hauch von Glamour – das beschreibt wohl am besten den Lebensstil von Gabriela Bley, die als Unternehmerin, Fremdsprachentrainerin und Künstlerin tätig ist. Statt grauem Winter in Österreich genießt sie die Sonne Spaniens – und arbeitet dabei erfolgreich. Wie das funktioniert und warum Workation mehr als nur ein Trend ist, erzählt sie uns im Interview.
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Was bedeutet Workation für dich?
Arbeiten, wann und wo ich möchte - das war immer schon mein großer Lebenstraum. Workation setzt sich aus den Wörtern "Work" (Arbeit) und "Vacation" (Urlaub) zusammen. Genau das beschreibt meinen Arbeitsalltag: Ich arbeite ortsunabhängig und genieße gleichzeitig die Vorteile eines Urlaubsparadieses. Statt Schneematsch und Minusgraden in Österreich starte ich meinen Arbeitstag mit Meeresrauschen und mediterranem Flair unter Palmen. Nach getaner Arbeit bleibt Zeit für Sport, Spaziergänge oder ein Glas Wein in der Abendsonne. Kurz gesagt: Ich kombiniere Produktivität mit Lebensqualität.
Warum hast du dich für diesen Lebensstil entschieden?
Ganz ehrlich? Der Februar in Österreich ist einfach kein Highlight: Kälte, Nebel, Grippewellen. Als ich die Amseln in meinem Garten beobachtete, wurde mir bewusst, dass es unter ihnen Standvögel und Zugvögel gibt. Die einen bleiben im Winter im kalten Norden, die anderen fliegen in den Süden – und leben damit eindeutig smarter. Da dachte ich mir: Warum sollte ich nicht dasselbe tun? Also habe ich meinen Lebensmittelpunkt temporär verlegt – und bin seither ein glücklicher "Zugvogel".
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Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?
Meine Kernarbeitszeit liegt zwischen 8 und 14 Uhr. In dieser Zeit erledige ich Kundenprojekte, schreibe Texte oder gebe Beratungen (Marketing, Facereading) und Sprachtrainings. Da meine Arbeit vor allem von Deadlines und nicht von festen Präsenzzeiten abhängt, kann ich sie flexibel gestalten. Nachmittags geht es raus in die frische Luft – Radfahren, wandern oder einfach nur das Meer und die Umgebung genießen. Abends setze ich mich je nach Bedarf noch einmal an den Laptop und arbeite oder ich widme mich der Kunst.
Welche Vorteile hat Workation – für dich und deine Kunden?
Workation steigert meine Kreativität und Produktivität enorm. Die Sonne, das Meer, die Bewegung – all das gibt mir Energie, die sich direkt auf meine Arbeit auswirkt. Meine Kunden profitieren davon, dass ich inspiriert, motiviert und effizient arbeite. Dank moderner Technologien ist es ohnehin egal, ob ich aus Spanien oder aus Österreich arbeite – für meine Kunden zählt das Ergebnis.
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Welche Berufe eignen sich besonders für Workation?
Grundsätzlich alle Berufe, die ortsunabhängig ausgeübt werden können. Besonders geeignet sind:
- Softwareentwicklung, Webdesign, Grafikdesign
- Texter, Autoren, Übersetzer, Content Creator
- Online-Marketing, SEO-Experten, Berater
- Coaches, Fotografen, Musiker und natürlich Künstler
Immer mehr Unternehmen ermöglichen zudem Angestellten, remote zu arbeiten. Mein Sohn ist etwa Android-App-Entwickler im Anstellungsverhältnis und nutzt diese Option, um mit seiner Familie ebenfalls eine Workation in Spanien zu verbringen.
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Wie reagieren Menschen in deinem Umfeld auf dein Lebensmodell?
Mit Begeisterung! Viele finden es inspirierend und fragen, wie sie das selbst umsetzen könnten. Unternehmen erkennen zunehmend, dass flexible Arbeitsmodelle nicht nur Mitarbeiter glücklicher, sondern auch produktiver machen. Remote Work und Workation sind schon lange keine exotischen Konzepte mehr, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil. Auch mein Mann, mit dem ich gemeinsam eine Werbeagentur betreibe, profitiert von dieser Freiheit. Er ist ein begnadeter Künstler, ein toller Maler, der auf Reisen ebenfalls enorme Inspirationen schöpft.
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Was ist dein beruflicher Hintergrund?
Ich bin vielseitig unterwegs: Gemeinsam mit meinem Mann betreibe ich eine Werbeagentur, wo ich mich auf Web, Text, Konzept und Marketing spezialisiere. Ebenso bin ich Fremdsprachentrainerin für Deutsch als Zweitsprache. Eine weitere Leidenschaft ist das Facereading – eine spannende Methode, um Charaktereigenschaften und Potenziale aus Gesichtszügen zu lesen. Sehr hilfreich in der Gründerberatung, auf der Suche nach der eigenen Berufung oder für ein optimales Team-Management. Und nicht zuletzt bin ich auch künstlerisch tätig: Ich male Dot-Paintings.
Was müssen Unternehmen verstehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Die klassische 38,5-Stunden-Woche im Büro verliert an Attraktivität. Qualifizierte Arbeitskräfte suchen heute nach mehr Flexibilität und einer besseren Work-Life-Balance. Unternehmen, die ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen, profitieren von motivierten, zufriedenen und kreativen Mitarbeitern. Workation ist also nicht nur ein individueller Lifestyle, sondern auch ein Trend, den Unternehmen ernst nehmen sollten, um im Wettbewerb, um Talente nicht zurückzufallen.
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Bleibst du noch lange in Spanien?
Definitiv! Spanien bietet nicht nur besseres Wetter, sondern auch günstigere Lebenshaltungskosten und eine entspanntere Lebensweise. Ich bleibe noch ein Weilchen. Wenn in Österreich der Frühling einkehrt, komme ich gerne wieder heim. Ich liebe mein Land und schätze unendlich viel an meiner Heimat. Ich freue mich auf meine Familie, Freundinnen und Kollegen zu Hause.
Was möchtest du uns abschließend mitgeben?
Vielleicht die Frage: Muss man wirklich immer alles einfach hinnehmen?
Die österreichische Mentalität ist oft geprägt von einem gewissen "Raunzen" – einem kollektiven Jammern über Dinge, die als unveränderlich angesehen werden. Gerade der lange, kalte Winter und besonders der trübe Februar hängen vielen buchstäblich zum Hals heraus. Doch wir müssen nicht einfach nur durchhalten, bis es vorbei ist.
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Über den Tellerrand blicken
Wir können aktiv unser Leben gestalten und positiv beeinflussen. Es gibt Wege, die eigene Lebensqualität zu erhöhen. Ich möchte jeden ermuntern, über den Tellerrand zu blicken und nicht nur zu sagen: "Das ist halt so, da kann man nichts machen." Stattdessen sollten wir uns fragen: "Wie kann ich es besser machen?" – und dann mutig Schritte setzen. Ein Ortswechsel bietet immer auch einen Perspektivwechsel. Ändert sich der Standort, ändert sich automatisch auch die Sichtweise. Und das bezieht sich nicht nur auf das Wetter in der Heimat, sondern auf das allgemeine "Klima".
Kontakt:
Gabriela Bley
Bley-Stift OG
E-Mail: g.bley@bley-stift.at
Tel.: 0650/702 1313
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