75 Jahre Kriegsende
"Befreit, aber besetzt" - die Ami sind da!

Eine Dienststelle der amerikanischen Militärbehörde mit vielen Originalobjekten aus dem Museum und von privaten Leihgebern ist Zentrum der Sonderausstellung in Bad Hall.
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  • Eine Dienststelle der amerikanischen Militärbehörde mit vielen Originalobjekten aus dem Museum und von privaten Leihgebern ist Zentrum der Sonderausstellung in Bad Hall.
  • hochgeladen von Katharina Ulbrich

Die amerikanische Besatzungszeit in Bad Hall und der Region Steyr brachte einen "Sittenverfall bei den Frauen und Mädchen durch die legeren Ami", klagte Pfarrer Kornpointner. Skandalös war ein Ereignis im Sommer 1945, das sogar in der Gemeindechronik aufgezeichnet wurde. Drei schwarze Amerikaner ritten splitternackt auf dem Pferd ins Freibad, gefolgt von jungen Bad Hallerinnen, ebenfalls nackt, die sich als Amazonen auf dem Pferd fotografieren ließen. Vermutlich wurden die Ami von ihren Offizieren in Bad Hall zurückgepfiffen, denn die Aufregung legte sich danach.

Das Stadtmuseum Bad Hall erinnert in einer Sonderschau an die Besetzung der Region durch US-Truppen am 5. Mai 1945. „Wir sind frei, aber Not und Elend bleiben“, titelt Pfarrer Kornpointner in der Chronik. Ähnlich klingt es in der Gemeinde- und der Bahnhofschronik, wenn der Chronist mit Ausrufungszeichen schreibt: „Wir sind wieder freie Österreicher!“ Im nächsten Absatz schildert er das unglaubliche Elend der Flüchtlinge und der zahlreichen DPs (Vertriebene), beschreibt die Situation der überfüllten Lazarette und Krankenhäuser im Kurort. Noch am gleichen Tag des Einmarsches verordnete die Militärregierung der USA, dass alle Bewohner sich registrieren müssen und sämtlich technischen Geräte, wie Fotoapparate und Radios abzugeben sind. Die Verwaltung wurde auf neue Füße gestellt. Deshalb zeigt das Bad Haller Stadtmuseum neben vielen Originaldokumenten eine „Dienststelle des Military Government Austria“ mit Original - Uniformen von amerikanischen Soldaten. Die Zivilbevölkerung hungerte nach Lebensmittel und nach Konsumgütern. Aus der Not heraus wurden militärische Gegenstände einfach umfunktioniert. So gibt es den Wehrmachtshelm als Kalk- und Jaucheschöpfer, die Uniform als Trachtenjanker oder Salzstreuer aus einer Leuchtpistole. Nicht nur deutsches Wehrmachtsgut wurde mit neuer Nutzung versehen, auch amerikanisches Militärgut wurde umfunktioniert. So nutzte eine Schiedlbergerin die hochwertige Fallschirmseide eines Ami und ließ daraus ihr Hochzeitskleid machen; aus amerikanischen Tornistern entstanden Packtaschen für das Fahrrad und Keksdosen dienten jahrelang als Proviantbehälter. Die Sonderausstellung „Befreit & Besetzt“ ist von 9. Juli bis 26. Oktober im Museum Forum Hall in Bad Hall, Donnerstag bis Sonntag, jeweils 14 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Eine Dienststelle der amerikanischen Militärbehörde mit vielen Originalobjekten aus dem Museum und von privaten Leihgebern ist Zentrum der Sonderausstellung in Bad Hall.
Sonderausstellung im Stadtmuseum Bad Hall "Befreit, aber besetzt" mit Lebensmittelkarten von der Nazi-Zeit und der jungen österreichischen Republik.

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