Predigt zum fünften Fastensonntag
Sich nicht zu schnell mit allem abfinden

Dechant Friedrich Lenhart ist Pfarrer in Ternberg.
  • Dechant Friedrich Lenhart ist Pfarrer in Ternberg.
  • Foto: Rußkäfer
  • hochgeladen von Lisa-Maria Auer

Johannes-Evangelium: Gedanken zum 5. Fastensonntag, Dechant Friedrich Lenhart, Dekanat Weyer.

STEYR & STEYR-LAND.  Fünfter Fastensonntag (zu Joh 11,1-45):
Lieber Leser, liebe Leserin! Auf Wunder hoffen wir Menschen allzu mal. Interessant ist, dass der Evangelist Johannes in seinem Evangelium niemals von „Wunder“, sondern von „Zeichen“ spricht. Zeichen, die aufzeigen wollen, wie sich Gott um die Menschen sorgt. Er kümmert sich. In Jesus wirkt er Heil, denken wir an die Krankenheilungen oder die Dämonenaustrei­bungen oder das Brotwunder. Immer ist es im Grunde dieselbe Botschaft: In Jesus Christus ist das Reich Gottes schon angebrochen!

Auferweckung des Lazarus

Und so ist auch die Auferweckung des Lazarus zu verstehen. Es geht nicht um ein Zauberkunststück und damit bekommt dieses Zeichen der Auferweckung des Lazarus eine völlig andere Aussage-Richtung. Dieses Wunder ist im Grunde der Protest Jesu gegen eine Mentalität, die sich allzu schnell mit allem abfindet – nach dem Motto: Die Welt ist nun einmal so: voll von Leid, Ungerechtigkeit, Armut, Not und Tod. Nein, was Jesus am Grab des Lazarus zeigt ist: Wo das Reich Gottes in die­se Welt einbricht, da gibt es kein Sich-Abfinden, da ist es nicht erlaubt, zu kapitulieren.

Ob das eine unheilbare Krankheit ist oder die Teilung der Welt in Arm und Reich, ob Naturkatastrophen, Coronavirus-Pandemie, Gewalt und Kriminalität, zerbrechende Beziehungen, Kriege und Terror. Mit dem Zei­chen der Auferweckung des Lazarus will Jesus uns ermutigen, damit wir uns nicht einfach abfinden nach dem Motto: „Die Welt ist nun einmal so, irgendwie muss es weitergehen!“

Füreinander sorgen

Wer die Botschaft dieses Zeichens recht versteht, der darf Leid und Tod und alles, was in dieser Welt die Spuren des Todes in sich trägt, nicht einfach weg­schließen und wieder zur Tagesordnung übergehen. Vielmehr will Jesus, dass wir den Stein von der Gruft wieder wegnehmen und hineinrufen ins Grab: „Komm heraus!“ Es lässt sich etwas verändern, weil das Reich Got­tes bereits angebrochen ist. Es lässt sich etwas verändern, wenn wir selbst begin­nen, uns zu solidarisieren.

Wo Menschen sich umeinander sorgen, füreinander da sind, da wird unsere Welt ein Stück verändert, ver­wandelt. Wo wir aus der Ellbogen-Mentalität ausbrechen und nicht bloß an das eigene Fortkommen denken, sondern einen Blick haben für die, die auf der Strecke bleiben, da beginnt neues Leben aufzubrechen. Wenn wir uns mit offenen Augen umschauen, sehen wir tatsächlich – trotz Krise – dass viel Lebensförderliches durch unsere Mitmenschen geschieht.

Dem Leben Chance geben

Jesus will, dass wir uns nicht einfach abfinden mit der Welt, wie sie nun ein­mal ist. Er will, dass wir die Grüfte öffnen und hineinbrüllen: „Komm heraus!“ Denn seit er in diese Welt gekommen ist, seit er dem Tod nicht ausgewichen ist und vor allem, seit er von den Toten auferstanden ist, hat das Leben wieder eine Chance.

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