19.10.2017, 12:40 Uhr

Traumberuf Profifußballer

Selbe Sportart, unterschiedliche Werdegänge. Alexander Staudecker (l.) kehrt dem Profifußball den Rücken und Christian Lichtenberger traut sich mittlerweile von der Bundesliga zu träumen. (Foto: Alexander Krenn)
Fußball fasziniert. Doch der Traumberuf Fußballer bleibt oft Wunschvorstellung. Denn der erfolgreiche Verlauf einer professionellen Fußballkarriere ist eine Gradwanderung. Die Unterstützung eines Trainers, die Bereitschaft den eigenen Körper aufs Spiel zu setzen und manchmal auch das Glück einfach gesehen zu werden sind nur ein kleiner Auszug der Einflussfaktoren. Alexander Staudecker bezeichnet seine Erfahrungen als Lebenschule und Christian Lichtenberger befindet sich auf der Überholspur mit unbekannter Endstation.

STEYR. Fußball, vielerorts auch als die wichtigste Nebensache der Welt bekannt, zieht die Massen unaufhörlich in seinen Bann. Schillernde Persönlichkeiten im Kampf Mann gegen Mann, eine Art modernes Gladiatorentum. Seit jeher werden die Protagonisten auf dem Feld gleichermaßen verehrt wie verflucht, in den Himmel gehoben und zum Teufel gewünscht. Kaum jemand hat sich nicht schon einmal bei dem Gedanken erwischt, selber auf dem Feld stehen zu wollen, um die traditionsreichen Farben seines Vereins überstreifen zu können. Einfach Fußballprofi sein, um es seinen Idolen gleich zu tun. Doch träumen allein reicht in diesem Geschäft nicht aus.

Unverhofft kommt oft

Alexander Staudecker spielt wieder bei seinem Heimatverein Union Procon Wohnbau Dietach und kehrt dem Leistungssport den Rücken. Der 24-jährige hatte nie geplant eine Karriere als Profi anzustreben, doch das sollte sich als 13-jähriger auf einen Schlag ändern. "Mich hat damals Kevin Stöger gefragt ob ich ihn auf ein Probetraining bei Red Bull Salzburg begleiten möchte, damit er nicht alleine sei. Ich wurde genommen, er komischerweise nicht", so der Linksverteidiger über seine zufällige Entdeckung. Stöger spielt mittlerweile erfolgreich bei Vfl Bochum 1848 in Deutschland. Ein Weg den auch Christian Lichtenberger beschreiten möchte und es scheint als wäre der Wechsel zur SK Vorwärts Steyr eine goldrichtige Entscheidung gewesen. Der Flügelflitzer weiß, mit bisher vier Toren und zwei Vorlagen, auf Anhieb zu überzeugen und überrascht sich dabei selbst. "Mit so einem Start hätte ich nicht gerechnet. Ich bin sehr stolz auf mich und weiß jetzt, dass ich auch in der Regionalliga mithalten kann. Ich möchte immer weiter Gas geben, um möglicherweise noch weiter nach oben zu kommen", sieht sich der Steyrer nun mehr als gerüstet. Besonders die Atmosphäre und die professionelle Arbeitsweise hinterlassen bei Lichtenberger bleibenden Eindruck. "Es ist ein ganz anderes Gefühl in einem Stadion, vor meistens über 1000 Zusehern, zu spielen. Ebenso ist die Trainingsintensität unvergleichbar und auch das Auftreten der Mannschaft ist um einiges professioneller".

Nicht alles Gold was glänzt

Familie und der richtige Freundeskreis spielen im Leben eines Sportlers eine große Rolle. Doch fehlt die Unterstützung eines Trainers wird es schwierig. Ein Schicksal das Staudecker in seiner Zeit beim FC Pasching unter der Leitung von Gerald Baumgartner ereilt. "In der Winterpause bin ich aus dem Urlaub zurückgekommen und Baumgartner hat mich angerufen. Er fragte mich, ob ich mit ihm von den Red Bull Juniors zu Pasching gehen möchte, die abgeschlagen Letzter waren", erinnert sich Staudecker. Gemeinsam verhilft man dem Verein zum Klassenerhalt. In der Sommervorbereitung reißt sich der Linksverteidiger den Meniskus ein und spielt auf Anraten der Ärzte ohne Operation weiter, bis ein Eingriff unumgänglich ist. Doch nach der persönlichen Leidenszeit ist plötzlich alles anders. "Ich konnte noch keine 100 Prozent gehen im Training, doch mir machte es den Anschein als wäre dem Trainer das nicht bewusst, als hätte er nicht gewusst, dass ich verletzt war", fühlt sich Staudecker unfair behandelt. Gespräche zu suchen seien sinnlos gewesen, da Baumgartner besonders junge Spieler zur Machtdemonstration nutzte. Unter dem heutigen SV Mattersburg Coach kommt er keine einzige Minute mehr zum Zug. Alles was ein Trainer verkörpern muss spiegelt sich für den Dietacher in der Person von Niko Kovac wider. "Über die fachliche Kompetenz hinaus ist er eine große und ganz ehrliche Persönlichkeit. Man weiß immer woran man ist. Der beste Trainer, den ich je hatte", konstatiert Staudecker. Von solch verzwickten Umständen weiß Lichtenberger bisher noch nichts. Er schreibt seinen aktuellen Erfolg nach seiner Familie, vor allem seinen bisherigen Trainern zu. "Sie haben mich jahrelang begleitet und mir viel beigebracht. Sie sind sicher dafür verantwortlich, dass ich jetzt bei der Vorwärts spielen darf", so der Rechtsaußen. Während sich Staudecker aus freien Stücken vom Profigeschäft zurückzieht, hofft Lichtenberger dieses zu erobern. "Mein Traum ist es vom Fußball leben zu können".
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