Gedenken an die Bombenopfer aus Matrei, Mühlbachl und Pfons

Dora Pfurtscheller und Traudl Knoflach wurden von den verheerenden Bombenangriffen am 22.03.1945 in Matrei verschüttet und Marianne Stöger war am 2. April 1945 beim Bombenangriff am Schloß Trautson
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  • Dora Pfurtscheller und Traudl Knoflach wurden von den verheerenden Bombenangriffen am 22.03.1945 in Matrei verschüttet und Marianne Stöger war am 2. April 1945 beim Bombenangriff am Schloß Trautson
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MATREI (cia). Mit einem Gottesdienst und Vorträgen wurde am Samstag den verheerenden Bombenangriffen auf Matrei im zweiten Weltkrieg gedacht. Bei der schlimmsten dieser Attacken am 22. März 1945 wurden 48 Menschen getötet. Insgesamt wurde Matrei siebenmal bombardiert.

Um 19 Uhr zelebrierte Dekan Augustin Ortner in der Hl. Geistkirche den Gedenkgottesdienst. Anschließend referierten Ortschronist Walter Reitmair und Chronikmitarbeiter Karl Geir.

Geir stellte das Matreier Bürgerbuch 1465 – 1937 vor. Das neu restaurierte Buch ist eins der ältesten seiner Art in Tirol. Anschließend berichtete Ortschronist Walter Reitmair von der Brennerschlacht, den Luftangriffen und deren Folgen für Matrei, Mühlbachl und Pfons, die Bombenopfer sowie über die folgende Hungersnot und den Wiederaufbau nach 1945.

Dora Pfurtscheller und Traudl Knoflach – sie beide wurde am 22. März 1945 durch einen Bombenangriff verschüttet – sowie Marianne Stöger – sie war am 2. April 1945 im Schloß Trautson und brach sich die Hand, als das Schloß schwer beschädigt wurde – nahmen an dem Gedenkten teil.

Begleittext von Ortschronist Walter Reitmair

In den letzten 6 Monaten des II. Weltkrieges wurden mehr als 15 000 Tonnen Bomben auf die Brennerstrecke abgeworfen, allein über Matrei, Mühlbachl und Pfons 420 Bomben der schwersten Kaliber, oft mit Ketten zu vier Stück aneinander gekettet, die ungeheure Trichter hinterließen.
112 Familien aus den drei Gemeinden waren ausgebombt. Die Unterbringung dieser mittellosen Menschen war ein großes Problem.
Doch es fanden sich immer wieder hilfsbereite Mitmenschen, die Bombengeschädigte aufnahmen. Licht- und Wasserleitungen waren unterbrochen. Fast jedes Haus hatte Fenster- Tür-, Dach- und Rauchfangschäden. Die sofort begonnenen Wiederaufbauarbeiten, die bis 1960 dauerten, wurden sehr erschwert, weil einerseits 27 gewerbliche Betriebe teils schwer beschädigt waren und andererseits ein Mangel an Baumaterial und dazu

Die Ernährungslage wurde nach dem Krieg noch schlechter als während des Krieges. Von Kohle als Heizmaterial bis zu den Nahrungsmitteln war alles rationiert. Lebensmittelkarten wie Brotkarten, Milchkarten, Fleischkarten, Fischkarten, usw. wurden ausgegeben, aber auch Kleidung und Rauchwaren wurden rationiert.
Für alle Lebensmittel gab es eigene Marken, die den Besitzer zum Empfang bestimmter Waren in bestimmten Geschäften berechtigte. Allerdings gab es keine Garantie für den Bezug, nur vorrätige Waren konnten ausgegeben werden.
Und die Vorräte wurden immer geringer.

Im August 1945 waren die größten Schäden an der Brennerbahnstrecke wieder behoben.
Die total zerstörte Bergstein-Holzbrücke über die Sill zwischen Matrei und Pfons war wieder hergestellt, während an der Instandsetzung der Bergstein-Eisenbahnbrücke noch gearbeitet wurde.
Die verhältnismäßig schweren Dachschäden an der Pfarr-, Johannes- und Hl.-Geist-Kirche wurden durch freiwillig geleistete Arbeitsschichten behoben. Allerdings konnten keine Dachziegel sonder vorerst nur Bretter verwendet werden. Die nicht unbeträchtlichen Schäden an der Wasser-Hochdruckleitung und am Stromnetz konnten ebenfalls behoben werden.

In den Tiroler Nachrichten vom Dez. 1946 ist zu lesen: "Vor den Weihnachtsfeiertagen kam wieder eine Waggonladung lebenswichtiger Güter für Matrei aus der Schweiz, die die Pfarre Heiligkreuz St. Gallen gesammelt hat."
Die Schweiz lud Kinder aus Tirol zur Erholung ein. Die ersten Kindertransporte in die Schweiz mit Kindern aus Matrei und Steinach erfolgten am 22. Okt. und am 1. Nov. 1945. (Tiroler Nachrichten Nr.16 vom 19.1.1946, Seite 7)

Autor:

Werner Hammerle aus Stubai-Wipptal

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