Geschichte in Telfs
"Ur-Telfer" waren Schafbauern und Bärenjäger

Schlossbichl-Ausgrabung 2017: Die ArchäologInnen in Aktion.
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  • Foto: MG Telfs/Dietrich
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TELFS. Vor rund 2000 Jahren war der Schlossbichl im Westen von Telfs ein heiliger Ort, wo den Göttern geopfert wurde. Welche Kulthandlungen fanden damals auf dem Hügel nahe dem Moritzen-Kirchlein statt? Aufschlüsse dazu und zum Alltagsleben der damaligen »Ur-Telfer« liefern auch Knochenreste, die von den Archäologen ausgegraben und nun analysiert wurden.
Bei den Grabungen auf dem Schlossbichl in den Jahren 2015 und 2017 kamen neben vielen anderen Funden auch fast 600 Bruchstücke von Tierknochen ans Licht. Die Überreste, die zweifellos mit den Opferbetrieb zu tun haben, wurden nun von Spezialisten der Universität München untersucht.

Zahlreiche Tierarten

Bei etwa der Hälfte der Fragmente konnte die Tierart bestimmt werden. Das Ergebnis: Fast 90 Prozent stammen von Haustieren wie Schaf, Ziege, Rind, Schwein und Huhn, nur etwa zehn Prozent von Wildtieren (Hirsch, Reh, Hase, Steinbock und Bär). Diese Zusammensetzung ist typisch für die damalige Zeit und bestätigt: Damals, in der späten Eisenzeit, lebten Bauern und Viehzüchter in Telfs. Die Jagd spielte eine untergeordnete Rolle. Dominant unter den Haustieren war das Schaf. Offenbar nahm es bei den Menschen dieser frühgeschichtlichen Epoche eine wirtschaftlich herausragende Stellung ein. Viel lässt sich auch aus dem Zustand der Knochenfragmente herauslesen. Sie haben häufig Schnitt- und Hackspuren – das Fleisch wurde also zum Verzehr aufbereitet. Auch waren die Überreste unterschiedlich stark dem Feuer ausgesetzt. Es gibt unverbrannte und angekohlte Teile. Andere wurden bei großer Hitze fast zur Gänze verbrannt.

Die Experten schließen daraus: Neben sonstigen Geschenken für die Götter wurden im Heiligtum auf dem Schlossbichl Tiere geopfert. Ein Feuerritual ist sehr wahrscheinlich. Der Großteil des Fleisches wurde, wie damals üblich, von den Opfernden und wohl auch den Priestern verzehrt. Gegessen hat man bezeichnenderweise vor allem die guten, fleischreichen Teile. Symbolisch vollständig verbrannt und damit den Göttern gewidmet wurden lediglich die für den Verzehr weniger attraktiven Teile, wie etwa die Beine. Nicht alle gefundenen tierischen Überreste gehen auf Schlachtungen zurück. Einige waren Teil der Wertgegenstände, die im Heiligtum deponiert wurden. So etwa Stücke eines Hirschgeweihs oder zwei Zähne, die einem Hengst und einem Bären zuzuordnen sind, und wohl zu einem Amulett gehörten.

Auch menschliche Knochenanteilchen gefunden

Alle am Schlossbichl gefundenen Knochenreste stammen von Tieren. Mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Am Westrand des Kultareals stießen die Archäologen auf Leichenbrand, also kleine menschliche Knochenteilchen, die nach der Verbrennung des Verstorbenen vom Scheiterhaufen aufgesammelt und (ohne Urne) an diesem Platz deponiert wurden. Dass es sich tatsächlich um ein Grab – wahrscheinlich einer Frau – handelt, bestätigen typische Beigaben: zwei Armreife und eine Gürtelschnalle aus Bronze. Diese sogenannte Brandschüttungsbestattung ist das einzige Grab, das auf dem Schlossbichl entdeckt wurde und stellt eine Ausnahmeerscheinung dar. Es stammt aus der Zeit um 40 n. Chr. und ist damit mehrere Jahrzehnte jünger als die übrigen Funde aus dem Heiligtum. Die Forscher vermuten, dass das Grab angelegt wurde, als der Kultbetrieb nach der Eroberung des Alpenraums durch die Römer bereits eingestellt war. Wahrscheinlich war der Hügel der Bevölkerung damals aber noch als »heiliger Ort« bekannt, an dem man sich den Göttern nahe fühlte und den man – zumindest in diesem einen Fall – als Begräbnisstätte nutzte.

Studie des Archäozoologen Simon Trixl

Die Studie des Archäozoologen Simon Trixl über die Knochenfunde am Schlossbichl ist in der kürzlich erschienenen Aufsatzsammlung »Kulturwandel um Christi Geburt« nachzulesen, die von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wurde. Das zweibändige Werk, das auch mehrere wissenschaftliche Abhandlungen über die jüngsten archäologischen Entdeckungen in unserer Region enthält, soll in Telfs vorgestellt werden, sobald öffentliche Veranstaltungen wieder möglich sind.

(TEXT: DR. STEFAN DIETRICH)

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