22.11.2016, 09:29 Uhr

Die Große Telfer Papierfasnacht bald im Heimatmuseum „Noaflhaus“

v. l.: Prof. Heinrich Tilly, Alois Neuner, Heimatbundobmann HR Hans Sterzinger, Franz Seewald, Kulturreferent HR Josef Federspiel und Kurt Raich. (Foto: Dietrich)

Einer der elegantesten und eindrucksvollsten Fasnachtsumzüge Tirols zieht nicht auf der Straße durch das Dorf, sondern wird in absehbarer Zeit im Kleinformat als „Große Telfer Papierfasnacht“ im Telfer Heimatmuseum „Noaflhaus“ stehen. Wie ist es dazu gekommen?

TELFS. Im Jahr 2014 wurden die Ausschneidebögen der „Großen Telfer Papierfasnacht“ präsentiert. Nun hat ihr Schöpfer Prof. Heinrich Tilly höchst persönlich einen vollständigen Satz von Figuren bemalt. Bald soll das Werk ins Telfer Fasnacht- und Heimatmuseum aufgenommen werden.

Am Stammtisch eines Dorfgasthauses in Telfs wurde die Idee geboren, die gesamte Telfer Fasnacht, das sogenannte „Schleicherlaufen“, im Kleinformat auf Papier zu malen, auszuschneiden und aufzustellen. So entstand schließlich eine Szenerie mit rund 150 Figuren, vor der gesamten Kulisse der typischen Telfer Bauern- und Bürgerhäuser mit ihren Bundgiebeln und „Türkengehängen“ als Hintergrund. Die Gestaltung dieses „Bühnenbildes“ hat Neuner Alois v/o Kassl unter Anleitung des Künstlers Heinrich Tilly ausgeführt.

Der bekannte Telfer Künstler Prof. Heinrich Tilly, ein praktizierender Fasnachtler, Mythologe und jahrelanges Komiteemitglied, hat alle 150 Figuren gezeichnet und gemalt. Er geht dabei für diesen großen traditionellen Fasnachtsumzug, der „Großen Fasnacht“, die alle fünf Jahre als das „Telfer Schleicherlaufen“ über die Bühne geht, jeder einzelnen Figur auf den Grund. Den historisch-traditionellen Teil, nämlich die Schleicher, die Laninger und die Wilden stellt er in den Vordergrund und vergisst das Geschehen um den „jenischen“ Naz nicht, der am 6. Jänner bombastisch ausgegraben und am „Fasnachtserchtag“ „unter Tränen“ zusammen mit der gesamten Fasnacht wieder eingegraben wird.

Mehr als bewundernswert ist dieses einmalige Gesamtkunstwerk aus den Händen der Telfer Künstlerlegende Heinrich Tilly, dem es, wie er es ausdrückte, vor allem um die topografische Richtigkeit aller Figuren, ja noch mehr ging: Viele Figuren, wie die „Bötlstanzer“, die „Tschapfler“, das „Nachtwächterpaar“, den „Säcklmeister“ und den „Araber“, die laut Tilly im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen sind, holte er aus der Vergessenheit zurück und lässt so die Vergangenheit aufleben.

Seit mehr als einem Jahr wird an der Realisierung dieses Projektes gearbeitet. Und im wörtlichen Sinne macht das der Initiator und Ideengeber Franz Seewald, der neben den vielen organisatorischen Arbeiten, auch alle Figuren selber ausschneidet. Mit gewaltigem Enthusiasmus vollbringt der für die Fasnacht begeisterte Franz Seewald hier eine filigrane Meisterleistung von höchster Qualität. Wann die „Große Telfer Papierfasnacht“ fertig und für die Öffentlichkeit zu sehen sein wird, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Eines ist jetzt schon sicher: Der Wert dieser für Tirol einmaligen Dokumentation kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
(Text: Ferdinand Reitmaier)
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