Einsam im Turm

Seit 1992 ist Robert Jonach auf der Gebirgswetterstation Dobratsch als Wetterbeobachter tätig. Den Sender bewohnt er – im Schichtwechsel mit einem Kollegen – ganz alleine.

Sein Job hat eine lange Tradition: Im August 1876 wurden auf dem Dobratsch erstmals tägliche Temperaturmessungen vorgenommen, später auch im Juli und September. Heute ist der Dobratsch kärntenweit die einzige Wetterstation, die seit 1953 rund um die Uhr fix besetzt ist. „Ich habe den Beruf vor 28 Jahren gelernt, vor allem zählt die Erfahrung. Ich arbeite nicht mit den Daten von Satelliten wie Meteorologen – aber unsere Arbeit ergänzt sich“, sagt Jonach. Es ist noch ungewiss, ob seine Stelle nachbesetzt wird, wenn er in einigen Jahren in Pension geht. „Jede „pensionierte“ Stelle muss beim Bund neu beantragt werden. Wenn es keine Nachbesetzung gibt, können gewisse Beobachtungen in der aktuellen Form nicht mehr fortgeführt werden, das wäre ein Verlust der Daten“, sagt Gerhard Hohenwarter von der ZAMG Klagenfurt, welchem Jonach seine Ergebnisse liefert. Warum ist eine Person am Berg wichtig? „Bei Problemen an der automatischen Station ist bei jedem Wetter jemand vor Ort. Gerade im Hochgebirge ist das von großem Vorteil. Auch meteorologische Projekte können dann am Berg nicht mehr durchgeführt werden. Die automatischen Messungen würden aber natürlich weiter fortgeführt werden“, so Hohenwarter.

Wetterdaten. Doch noch geht Jonach im 14-tägigen Schichtwechsel mit Kollege Erwin Walcher seiner Arbeit nach. Dafür kontrolliert er etwa Messgeräte, die in der Gipfelregion rund um den Senderturm zu finden sind. Zur täglichen Routine gehören auch die Telefonate mit „seinen Damen“. „In Breitenegg, Mallnitz, Weitensfeld und Feistritz ob Bleiburg sind unsere Mitarbeiterinnen, welche die Außenstationen betreuen. Ich sammle deren Daten und übermittle diese der ZAMG. Heute arbeiten die Frauen mit einem Wettercomputer und machen ergänzende Beobachtungen“, so Jonach. Für die Wetterbeobachtung gibt es einen internationalen Wetterschlüssel. „Die Zahl 3 heißt zum Beispiel „Kein Niederschlag“, der Bedeckungsgrad wird in Achtel eingeteilt. Dann gibt es noch Angaben zu den Wolken, zur Sichtweite und so weiter. Wenn ich diese Zahlengruppe eingebe, kann jeder Meteorologe Rückschlüsse daraus ziehen“, sagt Jonach.

Grusel am Berg. Jonach ist mit Leib und Seele Wetterbeobachter. Womit aber auch er manchmal zu kämpfen hat, ist die Einsamkeit: „Wenn du ein Problem mit hinaufnimmst, hast du viel Zeit zum Nachdenken. Ich bin quasi alle 14 Tage in Quarantäne.“ Gerne gibt er eine kleine Anekdote zum Besten: „Obwohl ich ein rational denkender Mensch bin, vermeide ich es, hier oben Horrorfilme anzuschauen. Das Unterbewusstsein spielt einem da schnell einen Streich. Einmal bin ich in einer Vollmondnacht im Winter für die Abmessung zur Klimahütte gegangen. Dann habe ich ein schleifendes Geräusch gehört, das immer lauter geworden und direkt auf mich zugekommen ist. Als es schon fast da war und ich zum Angriff bereit war, habe ich gesehen, was es war: Ein Plastiksack, den der Wind über den Schnee geschoben hat.“

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