Sanierungsverfahren Pollmann
Rund 500 Arbeitsplätze betroffen - 74 Millionen Euro Schulden
- Pollmann in Karlstein an der Thaya steht vor einem Sanierungsverfahren. Rund 500 Arbeitsplätze sind betroffen.
- Foto: Kurt Hörbst / Pollmann International
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Für drei österreichische Gesellschaften der Pollmann-Gruppe in Karlstein wurde ein Sanierungsverfahren beantragt. Betroffen sind rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Betrieb soll vorerst weitergeführt werden.
KARLSTEIN. Betroffen vom Sanierungsverfahren sind die Pollmann International GmbH, die Pollmann Austria GmbH und die Pollmann Werkzeugbau GmbH, einem der größten Arbeitgeber im Bezirk Waidhofen/Thaya. Der Schuldenstand der drei Gesellschaften wird mit rund 74 Millionen Euro angegeben. Nicht betroffen sind die Tochtergesellschaften in Tschechien, Mexiko und China. Auch die Maxxom Automation GmbH gehört nicht zu den betroffenen Unternehmen.
Automobilindustrie im Wandel
Pollmann ist ein Automobilzulieferer mit Sitz in Karlstein/Thaya im Waldviertel. Das Unternehmen stellt keine fertigen Fahrzeuge her, sondern produziert technische Bauteile für die Autoindustrie. Die Produkte von Pollmann kommen beispielsweise in Bereichen wie Türen, Schiebedächern, Heckklappen und verschiedenen technischen Systemen in Fahrzeugen zum Einsatz.
Als Grund für die wirtschaftlichen Probleme wird unter anderem der schwierige strukturelle Wandel in der europäischen Automobilindustrie genannt. Pollmann arbeitet bereits seit einiger Zeit an einer Neuaufstellung und führt Gespräche mit möglichen Investoren.
Sanierung als Ziel
Ziel des Sanierungsverfahrens ist es, den Betrieb fortzuführen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Die Gesellschaften haben jeweils ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt und bieten ihren Gläubigern jeweils Sanierungsplanquoten von 20 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren ab Annahme des jeweiligen Sanierungsplans, an.
„Die Gesellschaften streben eine Fortführung und Sanierung ihrer Unternehmen an. Die noch zu bestellenden Insolvenzverwalter werden prüfen müssen, ob eine Fortführung der Unternehmen im Sinne der Gläubiger liegt und die Sanierungskonzepte entsprechend umgesetzt werden können,“ so Alexander Greifeneder vom KSV1870.
Landbauer: „Nächstes Alarmsignal“
Niederösterreichs Verkehrslandesrat LH-Stellvertreter Udo Landbauer bezeichnete das Sanierungsverfahren als weiteren schweren Schlag für den Industriestandort Niederösterreich. Der Fall Pollmann sei kein Einzelfall, sondern ein weiteres Zeichen für den zunehmenden Druck auf die europäische Auto- und Zulieferindustrie.
„Europa verliert immer mehr an Boden. Das muss doch endlich auch dem letzten Klimaideologen zu denken geben. Brüssel reguliert, verteuert und verbietet Europas Industrie aus dem Wettbewerb, während andere Teile der Welt produzieren, investieren und Marktanteile gewinnen. Was in Brüssel beschlossen wird, bleibt nicht in Brüssel. Diese Entscheidungen landen bei uns in Karlstein, in unseren Betrieben und am Ende bei den Familien, deren Arbeitsplätze und Existenzen davon abhängen“, so Landbauer.
- Am Standort Karlstein sollen der Betrieb und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben.
- Foto: Kurt Hörbst / Pollmann International
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Besonders problematisch sei aus seiner Sicht die fehlende langfristige Planungssicherheit für die Autoindustrie. Unternehmen müssten Investitionen über viele Jahre planen, während sich Vorgaben zu Antriebstechnologien, CO₂-Regelungen und dem Verbrennungsmotor immer wieder ändern würden.
Landbauer fordert daher günstigere Energie, weniger Steuern und Bürokratie sowie Technologieoffenheit und verlässliche Rahmenbedingungen für die Industrie. Die Bundesregierung müsse stärker auf den Schutz des Wirtschaftsstandorts und den Erhalt von Arbeitsplätzen achten.
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