Nachtwanderung
Nachts auf dem Zentralfriedhof

Dem Zentralfriedhof kann man ab sofort auch bei Nacht einen Besuch abstatten.
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  • Dem Zentralfriedhof kann man ab sofort auch bei Nacht einen Besuch abstatten.
  • Foto: Christa Posch
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WIEN.  "Wann´s Nacht wird über Simmering", kommt zwar nicht das von Wolfgang Ambros versprochene "Leb'n in die Tot'n", dafür begrüßt Fremdenführerin Gabi Saeidi die Teilnehmer zu ihrer Nachtführung am Zentralfriedhof. Vor dem beleuchteten Bestattungsmuseum gibt es zur Einstimmung einen historischen Überblick, beginnend bei der Eröffnung des rund 2,5 Quadratkilometer großen Friedhofs im Jahr 1874.

"Joseph II. wollte aus Angst vor Seuchen die Toten weitab von Wien begraben lassen. Seither wurden hier in Simmering über drei Millionen Menschen bestattet", berichtet die Fremdenführerin und setzt sich in Richtung Altem Anatomie Friedhof in Bewegung. Vor dem Monument für Personen, die ihren Körper der Wissenschaft vermacht haben, geht es dann historisch weiter.

Van Swieten und die Vampire

"Im 18. Jahrhundert kursierte die Angst vor Wiedergängern, die sich aus ihrem Grab entfernten, um den Lebenden das Blut auszusaugen", erklärt die Führerin umgeben von schemenhaft sichtbaren Umrissen der benachbarten Grabsteine. "Die Toten wurden mit Steinen beschwert, in den Särgen festgenagelt oder gepfählt." Diese Sagen von Vampiren wurden vom Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, Gerard van Swieten, wissenschaftlich widerlegt, was dem Arzt prompt eine Verewigung als Abraham van Helsing in Bram Stokers Roman "Dracula" einbrachte.

Weiter geht´s – vorbei an den alten Arkaden, in der Neureiche des 19. Jahrhunderts ihre letzte Ruhe fanden – zu einem Gedenkstein für die Opfer des Ringtheaterbrandes im Jahr 1881. "Der Brand forderte 384 Tote", so Saeidi und leuchtet mit einer Taschenlampe auf die Inschrift des Steins. "Da die Leichen so stark entstellt waren, wurde hier zum ersten Mal eine Identifizierung mittels der Gebisse vorgenommen."

Beethovens Kopf

Durch die Dunkelheit, die nur von roten Grablichtern durchbrochen wird, marschiert die kleine Truppe weiter zum Ehrengrab von Ludwig van Beethoven, in dem sich, wie man erfährt, ein falscher Kopf befindet. "Beethovens Kopf wurde seziert, um seiner Taubheit auf den Grund zu gehen. Fragmente seines Schädels befinden sich in Sammlungen auf der ganzen Welt. Im Sarg wurde ein präparierter Kopf mit passenden Sezierspuren beerdigt", erklärt Saeidi und führt aus, dass sich der Zentralfriedhof einst bei den Wienern so großer Unbeliebtheit erfreute, dass Prominente wie Beethoven exhumiert und am Simmeringer Gottesacker beerdigt wurden.

2.600 tote Soldaten

"Man wollte mit den Promis das Interesse am Friedhof steigern", bemerkt Saeidi und führt durch die Nacht, deren Stille leider von Flug- und Bahnlärm sowie dröhnenden Straßenarbeiten unterbrochen wird, zum Soldatenfriedhof. Ein roter Stern wacht über 2.600 sowjetische Soldaten, die in der Schlacht um Wien ihr Leben ließen.

Über feuchten Waldboden geht es weiter zum Grab des Schauspielers Helmut Qualtinger. "Qualtingers Darstellung von Pepi Lang ist legendär", so Saeidi und bedauert, dass der letzte Henker Österreichs nicht am Zentralfriedhof beerdigt wurde. Diese Tatsache hält die Fremdenführerin allerdings nicht davon ab, von Langs 39 Hinrichtungen und seiner Freude für seinen Beruf zu erzählen.

Gruft der Präsidenten

Etwas feierlicher wird es den Teilnehmern der Tour im "Präsidentenreindl", einer kreisförmigen Gruft, in der die Bundespräsidenten der Zweiten Republik ihre letzte Ruhe fanden, zumute. "Es gibt auch Wohnungen am Zentralfriedhof, mit sehr ruhigen Nachbarn", verrät Saeidi am Weg zurück zum Bestattungsmuseum, wo die Wanderung nach zwei Stunden beendet wird. "Fahren Sie vorsichtig nach Hause", wünscht die Führerin zum Abschied. "Nicht, dass Sie Hauptakteur der nächsten Beerdigung am Zentralfriedhof werden!"

Zur Sache

Eine Nachtführung am Zentralfriedhof kostet 35 Euro, die Teilnehmer müssen mindestens 14 Jahre alt sein. Die nächsten freien Termine sind am Samstag, 1. Dezember und am Sonntag, 2. Dezember. Buchung unter 0664/270 80 03 oder office@gabitours.at

Infos und alle Termine unter www.gabitours.at.

Autor:

Maria-Theresia Klenner aus Hietzing

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